AKTUELLES INTERVIEW

Für eine lebenswerte Stadt

Freuen sichüber die Erfolge der Bürgerstiftung: Dr. Helmut Klarner und Karl-Heinz Brauner (von rechts). Schlecker
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Freuen sichüber die Erfolge der Bürgerstiftung: Dr. Helmut Klarner und Karl-Heinz Brauner (von rechts). Schlecker

Rosenheim – Schwimmunterricht, Ausflüge, Musikprojekte – Bürgerstiftungen springen dort ein, wo den Kommunen Geld oder Wille fehlt.

Die ersten wurden vor 20 Jahren auf den Weg gebracht. Aktuell gibt es deutschlandweit 405. Die Bürgerstiftung Rosenheim feiert heuer ihr fünfjähriges Bestehen. Im Interview mit unserer Zeitung sprechen Stiftungsvorstand Dr. Helmut Klarner und der Vorsitzende des Stiftungsrates, Karl-Heinz Brauner, darüber, was schon alles erreicht wurde und was für die Zukunft geplant ist.

Wie kam es überhaupt zur Gründung der Bürgerstiftung Rosenheim?

Karl-Heinz Brauner: Kriminologe Dr. Christian Pfeiffer hielt vor vielen Jahren einen Vortrag im Lokschuppen. Eigentlich ging es dabei um Gewaltprävention. Dr. Pfeiffer gilt aber auch als Frontmann der Bürgerstiftungen. Darum nutze er seinen Besuch in Rosenheim auch dazu, dafür zu werben. Der Funke sprang sofort über.

Bis zur Umsetzung vergingen aber dann noch einige Jahre. Warum?

Dr. Helmut Klarner: Die Bürgerstiftung Rosenheim ist eine echte Bürgerstiftung. Das heißt, sie trägt das Gütesiegel des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. Um dort aufgenommen zu werden, gibt es schon von rechtlicher Seite her viel zu beachten. Dann musste auch noch das Stiftungskapital in Höhe von 50000 Euro aufgebracht werden. Die ersten rund 50 Stifter fanden sich schnell. Dann mussten wir schon noch einmal kräftig anschieben.

Wie sieht die aktuelle Situation aus?

Dr. Helmut Klarner: Derzeit haben wir schon 81 Stifter. Das aktuelle Stiftungskapital beträgt 67736,51 Euro. Wir freuen uns über jeden weiteren Bürger, der sich bei uns finanziell und ideell einbringen will.

Was ist der Unterschied einer Bürgerstiftung zu einer großen Einzelstiftung?

Karl-Heinz Brauner: Eine Bürgerstiftung ist kein Geschäftsmodell. Eine Bürgerstiftung setzt sich aus einer Vielzahl kleinerer bis größerer Beträge einzelner Bürger zusammen. Es ist quasi eine Stiftung der kleinen Leute.

Steht die Bürgerstiftung Rosenheim auf gesunden Beinen?

Dr. Helmut Klarner: Früher lebte eine Stiftung von den Zinsen. Aktuell bekommen wir aber leider keine Zinsen. Um unsere Projekte zu finanzieren, sind wir also auf Spenden angewiesen. Glücklicherweise hat sich mit den Jahren das Spendenaufkommen gesteigert. Das liegt sicherlich auch daran, dass die Bürgerstiftung durch ihr Engagement bereits überzeugen konnte.

Wie genau sieht dieses Engagement aus?

Der Satzungszweck ist gezielt breit aufgestellt. Wir engagieren uns in den Bereichen Jugend- und Altenhilfe, Kunst und Kultur, Bildung und Erziehung, Sport, Umwelt- und Denkmalschutz sowie Völkerverständigung. Dabei sind wir ausschließlich regional tätig und arbeiten politisch und konfessionell unabhängig.

Wer entscheidet, was gefördert wird?

Jeder, der eine gute Idee hat, wie er das Leben Rosenheims positiv bereichern kann, darf bei uns einen Vorschlag einreichen. Wir fördern gerne auch einmal kleinere Projekte, beispielsweise von Schülern. Der Unterschied zu vielen anderen Bürgerstiftungen ist aber, dass wir auch aus unseren eigenen Reihen heraus Projekte entwickeln und durchführen. Was gemacht wird, wird demokratisch im Stiftungsrat entschieden.

Das erste Projekt war gleich eine Erfolgsgeschichte. Mit den Schwimmkursen an Rosenheims Schulen haben bereits mehr als 1000 Kinder schwimmen gelernt. Welche Projekte wurden außerdem bereits verwirklicht?

Karl-Heinz Brauner: Da gab es schon einiges. In Zusammenarbeit mit der Musikschule haben wir beispielsweise Schülern die Möglichkeit gegeben, sich mit verschiedenen Instrumenten vertraut zu machen. Außerdem ermöglichen wir bedürftigen Senioren einmal jährlich die Teilnahme an einem Ausflug. Für sie ist das der Höhepunkt des Jahres. Gut kam auch das Musikprojekt mit Demenzkranken an. Im Juli 2015 hat die Bürgerstiftung dann auch noch das Projekt „Paten für Geflüchtete“ von der Sozialen Stadt übernommen und bietet damit für die vielen ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer eine wichtige Anlaufstellung.

Wie geht es in nächster Zeit weiter?

Karl-Heinz Brauner: Das Schwimmprojekt ist bereits ein fester Bestandteil unserer Arbeit. Das Musikprojekt mit Demenzkranken soll es in Zukunft auch dauerhaft geben, weil wir gesehen haben, wie sehr die Betroffenen davon tatsächlich profitieren. Insgesamt soll die Bürgerstiftung dazu beitragen, dass Rosenheim lebens- und liebenswert bleibt. Das kann die Stadt nicht alleine schaffen. Dafür braucht es eben auch das Engagement der Bürger. Darum hoffen wir, dass wir noch viel mehr Stifter gewinnen können.

Interview: Karin Wunsam

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