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Interview

Erstmals eine Frau an der Spitze: Sandra Ramming ist die neue Leiterin des Rosenheimer Baubetriebshofs

Leitet seit März den Rosenheimer Baubetriebshof: Sandra Ramming (43) aus Aschau.
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Leitet seit März den Rosenheimer Baubetriebshof: Sandra Ramming (43) aus Aschau.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Rosenheim – Sandra Ramming (43) ist die neue Werkleiterin des Rosenheimer Baubetriebshofs und damit die erste Frau, die diese Stelle in der Stadt besetzt. Ein Gespräch über die Arbeit unter Männern, warum es mehr Frauen im Landschaftsbau braucht und welche Pläne sie für den Rosenheimer Baubetriebshof hat.

Kennen Sie schon die Namen von all Ihren Mitarbeitern?

Sandra Ramming : „Da werde ich noch eine Zeit lang brauchen. Denn im Baubetriebshof arbeiten 141 Menschen. Ich bin also noch nicht ganz durch. Aber natürlich ist es mein Ziel zu wissen, wer vor mir steht und welche Funktion der oder die Mitarbeiterin hat. Ich versuche zudem bei ihren jeweiligen Tätigkeiten dabei zu sein. Ich war zum Beispiel schon mit der Müllabfuhr unterwegs. Das war für mich wahnsinnig spannend, weil ich damit bisher wenig zu tun hatte und nicht wusste, wie anstrengend dieser Beruf ist. Auch mit dem Straßenmeister war ich bereits auf Tour.“

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Als Werksleiterin müssen Sie zudem immer wieder an diversen Ausschüssen teilnehmen.

Ramming: „Ich hatte tatsächlich schon einige Sitzungen. Weil ich damit bisher aber noch überhaupt nichts zu tun hatte, muss ich mich in diese Themen erst einmal einfinden. Aber dafür lief es schon ganz gut.“

Wie ist es Ihnen in den ersten Monaten ergangen?

Ramming: „Die Leute waren sehr nett und haben mich mit offenen Armen empfangen. Da hat man ja manchmal Bedenken, wie es die Leute aufnehmen, dass die neue Leitung jetzt eine Frau ist.“

Weil es sich bei der Arbeit im Baubetriebshof um vermeintliche Männerberufe handelt?

Ramming: „Anscheinend. Ich werde jedenfalls entsprechend oft darauf angesprochen. Auch im Bekanntenkreis. Da werde ich des Öfteren als Quotenfrau bezeichnet. Das finde ich erschreckend. Ich bin dafür, dass wir Frauen mehr zusammenhalten. Wir müssen lernen, solche Dinge nicht immer zu hinterfragen, sondern sie als Selbstverständlichkeit zu nehmen.“

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Wie gehen Sie mit der Situation um?

Ramming: „Ich kenne es nicht anders. Ich bin schon sehr lange im Landschaftsbau tätig und habe mit vielen Männern studiert. Durch meinen Berufsalltag hat es sich auch ergeben, dass man auf den Baustellen mit vielen Männern zusammenarbeitet. Ich mag das, auch weil ich finde, dass gemischte Teams meiner Erfahrung nach am besten funktionieren.“

Also hatten Sie noch nie negative Erlebnisse?

Ramming : „Manchmal fallen mir natürlich Sachen auf, die vielleicht gar nicht böse gemeint sind. Da heißt es dann beispielsweise, dass es einen extra Akkuschrauber für Frauen gibt, weil der leichter zu handhaben ist. Solche Dinge darf man einfach nicht zu ernst nehmen. Da muss man locker bleiben.“

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Und doch scheinen sich viele Frauen davon abschrecken zu lassen. Die Mitarbeiterzahlen belegen das.

Ramming : „Im Baubetriebshof arbeiten sehr wenige Frauen. In der Stadtgärtnerei sind es zwar deutlich mehr, trotzdem ist es bei uns eher männerlastig. Ich hoffe, dass sich das noch ändert.“

Sie haben jedenfalls schon einmal den Anfang gemacht. Was genau sind Ihre Aufgaben?

Ramming : „Im Moment geht es vor allem um die Digitalisierung. Zudem handelt es sich beim Baubetriebshof um einen Eigenbetrieb. Ich muss kalkulieren, wie teuer die Aufträge werden und wie viel Geld wir brauchen, damit wir unsere Mitarbeiter bezahlen können. Auch das Miteinander kann noch gestärkt werden. Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass sich jeder als Baubetriebshofmitarbeiter sieht und nicht nur als Gärtner oder Mitarbeiter bei der Müllabfuhr. Das ist im Moment gedanklich noch strikt getrennt.“

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Wie würden Sie sich selbst als Chefin beschreiben?

Ramming : „Ich möchte gern eine Chefin sein, zu der meine Mitarbeiter kommen können, weil sie wissen, dass ich auf ihre Probleme eingehe. Ich würde schon sagen, dass ich sozial denke, aber bei einem Betrieb muss der Fokus zwangsläufig auf der Wirtschaftlichkeit liegen.“

Wird die Arbeit Ihrer Mitarbeiter im Moment genügend wertgeschätzt?

Ramming : „Es gibt immer wieder Beschwerden. Vor allem seit der Pandemie ist der Müll ein großes Thema. Da möchte ich unsere Leute in Schutz nehmen. Jedem muss klar sein, dass wir jeden Tag – auch am Wochenende – die Stadt reinigen. Und in den meisten Fällen ist es so, dass wir entweder noch nicht da waren oder aber die Mülleimer schon wieder voll sind. Der Stadtrat beschließt die Art der Reinigung und den Reinigungs-Turnus. Der Baubetriebshof setzt diese Beschlusslagen um. Ein weiteres großes Thema ist der Winterdienst. Da kommen auch viele Beschwerden. Auch hier muss klar sein, dass nicht immer alles möglich ist. Man kann nicht alle Bürger zufriedenstellen, aber es wäre trotzdem schön, wenn wir die Bürger mit dem begeistern könnten, was wir tun.“

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Welche Themen werden in den kommenden Monaten noch auf Sie zukommen?

Ramming: „Die Biotonne wird sicherlich ein großes Thema. Ich denke, dass jedem klar sein muss, dass der Baubetriebshof keine Politik macht. Wir sind nur die ausführende Kraft. Wir machen das, was Stadträte beschließen. Letztendlich ist es mir wichtig, dass die Stadt so schön wie möglich ist. Ich denke aber auch, dass wir uns auf kurz oder lang umstellen und wieder mehr in die eigene Verantwortung gehen müssen. Hier wird es ein Umdenken brauchen.“

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