Kunst-Kollektiv

Ein Tagebuch auf Leinwand: Warum Elias Brader aus Rosenheim nie wieder malen wollte

Macht das, was er schön findet: Elias Brader probiert viel aus, zum Beispiel Acryl oder Siebdruck.
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Macht das, was er schön findet: Elias Brader probiert viel aus, zum Beispiel Acryl oder Siebdruck.
  • vonKilian Schroeder
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Elias Brader ist einer der Künstler, die im Rahmen des „Kunst-Kollektivs“ ihre Werke im Huber-Seiler-Haus ausstellen. Auch beim „Young Art Festival“ des Stadtjugendrings sind bald einige seiner Bilder zu sehen. Jetzt erzählt der 16-Jährige seine Geschichte.

Rosenheim – „Ich kann mich nicht an eine Zeit zurückerinnern, in der ich nicht gemalt habe“, sagt Elias Brader. Die langen Haare zusammengebunden, sitzt der 16-jährige auf einer Couch im Huber-Seiler-Haus, vor ihm ein paar seiner Bilder. Schon seine Eltern und Großeltern hätten gemalt, es wären immer Farben zuhause gewesen.

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„Anfangs habe ich vor allem gezeichnet, jetzt probiere ich viel aus, zum Beispiel Siebdruck oder Acryl.“ Stilistisch will er sich nicht ganz festlegen, sieht sich aber derzeit am ehesten im Realismus. Er ist fasziniert von Andy Warhol, Joseph Beuys oder den dadaistischen Künstlern. „Es ist schwer, sich selbst einzuschätzen, aber ich denke ich male recht farbig. Letztendlich mache ich aber einfach das, was ich selbst schön finde“, sagt der Schüler, der die elfte Klasse am Finsterwalder-Gymnasium besucht.

Vor einigen Jahren am gleichen Malkurs teilgenommen

Wie viele Künstler, die jetzt beim „Kunst-Kollektiv“ sind, war Brader zuvor auch beim „Künstler-Mixtape“. Den Leiter des Kollektivs, Beppo Roderer, kennt er länger. Vor Jahren nahmen beide am gleichen Malkurs teil. Er war schon dabei, bevor sie zum Huber-Seiler-Haus kamen, als sie einfach draußen zusammen malten. Das Gebäude ist für ihn eine große Fläche, in der die Künstler zusammen, aber auch parallel arbeiten können. „Man motiviert sich gegenseitig“, sagt Brader.

Verarbeitung von politischen und sozialen Themen

In seinen Bildern verarbeitet der 16-jährige oft soziale oder politische Themen. „Es ist eine Art Tagebuch. Man malt halt, was man denkt“, sagt Brader. Zu den Motiven kommt er in ganz unterschiedlicher Weise: Mal rege ihn ein Thema besonders auf, mal habe er einfach nur eine Idee, wie man bestimmtes Material einsetzen könnte.

Bild wird von Kreissäge zerschnitten

Eines seiner Werke wird buchstäblich von einer Kreissäge durchschnitten, Zahnräder und Schrauben sind vor dem farbigen Hintergrund verstreut. „Es ist eine bildliche Darstellung von Stress. Die Welt ist schon schnell und wir wollen sie noch schneller machen. Da kommt man oft nicht hinterher.“ Auf einem anderen Bild rekelt sich eine Frau auf Werbezetteln. „Ich will den Zuschauern aber nicht vorschreiben, was sie zu denken haben. Jeder kann in den Bildern sehen, was er will“, sagt Brader.

Weniger für Ausstellungen und mehr für sich selbst

Der Schüler stellt jetzt auch im Rahmen des „Young Art Festivals“ des Stadtjugendrings aus, ein Festival der Jugendkultur in Rosenheim im Lokschuppen. Er ist dort einer von drei Künstlern, die ihre Werke ausstellen. Ob dort die gleichen Bilder wie im Huber-Seiler-Haus zu sehen sind weiß er noch nicht – auch wenn es seine Lieblingsbilder sind. Generell male er nicht bewusst für Ausstellungen, sondern eher für sich selbst. „Vielleicht ist das aber inzwischen unterbewusst ein Faktor geworden“, sagt Brader.

Das Gefühl, nicht gut genug zu sein

Hin und wieder habe er auch Momente, in denen er frustriert ist. „Manchmal habe ich schon das Gefühl, dass die anderen viel besser sind als ich“, sagt der 16-jährige. „Ich habe auch schon beschlossen, nie wieder zu malen. Aber nach ein paar Tagen fange ich dann doch wieder an.“ Manchmal sei es aber auch umgekehrt. „Dann habe ich eine super Idee, sehe alles schon in meinem Kopf und wenn ich anfange zu malen sieht es schrecklich aus“, sagt Brader und lacht.

Traumberuf Kunstlehrer

Was er später genau machen will, das weiß der Schüler noch nicht. „Vielleicht probiere ich es an einer Kunsthochschule, vielleicht werde ich auch Kunstlehrer.“

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Schließlich sei ein festes Einkommen als freischaffender Künstler nicht immer garantiert. Sicher ist er sich aber, dass er weiter malen will. „Und wenn ich nach der Schule Kunst studiere, habe ich danach Zeit mit etwas verbracht, dass mir Spaß macht.“

Will Menschen zum Nachdenken anregen

Wenn man ihn auf seine Kunst anspricht, ist Brader etwas zögerlich. Denn er findet Kunst einen großen Begriff. „Und letztendlich ist mir nicht wichtig, ob ich Kunst mache oder nicht. Es reicht mir, wenn ich es schön finde.“ Im Huber-Seiler-Haus hat er genau dazu Gelegenheit – Bilder malen, die ihm selbst gefallen.

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Er selbst steckt viel Zeit in das Projekt, sagt, dass er mindestens zwei oder drei mal in der Woche im Haus ist. Wenn die Zuschauer seine Bilder sehen, müssten sie sich nicht neu erfinden. „Wenn ich sie aber eine Sekunde danach zum Nachdenken angeregt habe, dann reicht mir das“, sagt Brader.

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