VOR GERICHT

Eigenbedarf oder Handel? 30-jähriger Rosenheimer muss sich wegen Drogenvergehen verantworten

Hat der 30-jährige Rosenheimer mit Drogen gehandelt? Diese Frage stand nun bei einer Verhandlung vor dem Amtsgericht Rosenheim im Mittelpunkt.
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Hat der 30-jährige Rosenheimer mit Drogen gehandelt? Diese Frage stand nun bei einer Verhandlung vor dem Amtsgericht Rosenheim im Mittelpunkt.
  • vonTheo Auer
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Hat ein 30-jähriger Rosenheimer geringe Mengen an Heroin und Cannabis, die die Polizei beim ihm sichergestellt hatte, nur zum Eigenbedarf versteckt oder gar weiterverkauft? Diese Frage stand jetzt beim Verfahren gegen den gebürtigen Serben vor dem Rosenheimer Amtsgericht im Raum.

Rosenheim – Der Rosenheimer Salinpark ist der Polizei als Treff der Drogenszene bestens bekannt. Aus diesem Grunde wird dort unregelmäßig aber immer wieder kontrolliert. So auch am 17. April 2020, wobei die Beamten der Polizeistreife beobachteten, wie einer aus der Gruppe beim Anblick der Polizisten etwas in die Wiese warf.

Die Beamten hielten den Mann fest und fanden dort im Gras prompt ein Päckchen mit Cannabis. Fast gleichzeitig versuchte er, etwas im Mund verschwinden zu lassen. Die Beamten konnten aber verhindern, dass er das Beweismittel herunterschluckte und fanden in der Mundhöhle des Mannes ebenfalls Cannabis. Den Einsatzkräften berichtete der Mann, anschließend, dass er die Drogen von einem gebürtigen Serben (30) erworben habe, der mittlerweile in Rosenheim lebt und sich nun eben vor Gericht verantworten musste,

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Die Beamten besorgten sich einen Durchsuchungsbefehl für die Wohnung des 30-Jährigen und überraschten den Mann zuhause. Zunächst leugnete dieser jegliche Beteiligung an Drogengeschäften. Auch waren in der Wohnung keine Betäubungsmittel zu finden. Allerdings führte die Hartnäckigkeit der Durchsuchenden schließlich doch zum Erfolg. In einem Kabelschacht im Keller des Hauses fanden sich zehn Gramm Heroin und einige Gramm Cannabis.

Vor Gericht gestand der Angeklagte zwar den Besitz dieser Drogen. Jedoch widersprach er, damit Handel getrieben zu haben. Alle Drogen hätten ausschließlich dem Eigenkonsum gedient. Mit dem Mann aus dem Salinpark habe er lediglich etwas Cannabis gegen Psychopharmaka getauscht.

Haargutachten herangezogen

Er habe wohl früher verschiedene Drogen konsumiert, seit Juli sei er nun verheiratet und dabei, von den Drogen loszukommen.

Der forensische Psychiater Rainer Gerth, Mitarbeiter im Inn-Salzach-Klinikum, bestätigte anhand des Haargutachtens, dass der Angeklagte seinen früher exzessiven Drogenkonsum offensichtlich reduziert habe. Allerdings bedürfe es aufgrund der langen „Drogenkarriere“ einer nachhaltigen Therapie.

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Der Konsument aus dem Salinpark war zu einer Zeugenaussage nicht bereit. So konnte die Anklage zwar den Drogenbesitz und die Abgabe von Drogen an den Mann im Salinpark, nicht aber den Handel belegen. Zwar war der Angeklagte bereits zweimal wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt, aber jedes mal handelte es sich lediglich um kleinere Vergehen, die mit Geldstrafen geahndet worden waren.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hielt nunmehr aber eine Haftstrafe unumgänglich und beantragte, ihn zu zwölf Monaten Gefängnis zu verurteilen. Dazu sei als wirkungsvolle Therapie der Maßregelvollzug anzuordnen.

Verteidiger fordert Bewährungsstrafe

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Alexander Kohut, stimmte dem Staatsanwalt zwar in der juristischen Bewertung zu, hielt aber eine Haftstrafe von neun Monaten für ausreichend. Außerdem sei eine Unterbringung nach keineswegs verhältnismäßig, zumal sich sein Mandant ohnehin um eine ambulante Therapie bemühe. Die Strafe sei daher zur Bewährung auszusetzen.

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Das Gericht unter dem Vorsitz von Richter Christian Merkel stimmte dem Verteidiger zu, erteilte aber dem Verurteilten strenge Auflagen, die einen Rückfall in die Drogenabhängigkeit verhindern sollen. Andernfalls müsse er doch noch ins Gefängnis, machte Merkel dem 30-Jährigen klar.

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