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Popup-Projekt: Wer hinter den Plänen steht

Neues Leben für Rosenheimer Wirtshaus „Zur Brez‘n“: Das ist geplant

Wollen dem ehemaligen Wirtshaus „Zur Brezn“ neues Leben einhauchen: Lorenz Stiglauer, Geschäftsführer der Flötzinger Brauerei und Anna Grude vom Jungen Theater.
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Wollen dem ehemaligen Wirtshaus „Zur Brez‘n“ neues Leben einhauchen: Lorenz Stiglauer, Geschäftsführer der Flötzinger Brauerei und Anna Grude vom Jungen Theater.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Bremen, Hanau oder München: Im Kampf gegen Leerstand setzen viele Städte auf eine kreative Zwischennutzung. Auch in Rosenheim gibt es mit der „Alten Druckerei“ und dem „Huber-Seiler-Haus“ ähnliche Konzepte. Ab Oktober soll dem ehemaligen Wirtshaus „Zur Brez‘n“ neues Leben eingehaucht werden. Was geplant ist.

Rosenheim  – Die Holzwand in der Mitte des Raums muss weg. Da ist sich Anna Grude sicher. Die junge Regisseurin steht in dem ehemaligen Wirtshaus „Zur Brez’n“. Das Licht ist gedimmt. In einer Ecke stehen die ausrangierten Stühle aus dem Kultur- und Kongresszentrum, in der anderen mehrere Holztische. „Es gibt noch einiges zu tun“, sagt Grude. Sie zeigt auf die orangene Wandfarbe, schüttelt kurz den Kopf. „Die bleibt auf keinen Fall.“

Theater, Kino und diverse Ausstellungen

Während sie durch den Raum spaziert, ruft Ludwig zur Hörst an. Grude und er arbeiten seit diesem Jahr zusammen beim Jungen Theater. Sie als Regisseurin und Schauspielerin, er als Dramaturg. Seit einigen Monaten tüfteln sie zudem an einem gemeinsamen Plan. „Wir wollen einen Ort schaffen, an dem Kulturschaffende und Kulturinteressierte zusammenkommen können“, sagt Grude. Zum Theater spielen, für Ausstellungen, Vorträge, Workshops für Schauspieler und Kinoaufführungen, aber auch zum Musik machen.

Überlegungen in der Flötzinger Brauerei

Während Anna Grude und Ludwig zur Hörst nach einem geeigneten Raum suchen, um ihre Ideen in die Realität umzusetzen, laufen in der Flötzinger Brauerei Überlegungen, was mit dem ehemaligen Wirtshaus „Zur Brez’n“ an der Wittelsbacher Straße bis zu seinem Abriss passieren soll.

„Es gab eine Lücke zwischen der alten und der neuen Nutzung“, sagt Lorenz Stiglauer, Geschäftsführer der Flötzinger Brauerei.

Neubau auf circa 9000 Quadratmeter großen Fläche

Wie berichtet, will die Familie Steegmüller gemeinsam mit der Immobilienagentur „Werndl & Partner“ auf der circa 9000 Quadratmeter großen Fläche an der Ecke Wittelsbacher- und Aventinstraße einen Neubau errichten, der Platz für Wohnungen und Gewerbe bietet. Nachdem Resad Beyazit, Betreiber des Wirtshauses „Zur Brez‘n“, ausgezogen und ein neues Restaurant im ehemaligen „Beflügelten Rad“ an der Küpferlingstraße 55 eröffnet hat, stand das Restaurant leer.

„Natürlich wäre es am einfachsten gewesen, es einfach so zu lassen“, sagt Stiglauer. Weil der Anspruch ein anderer gewesen sei, entstand die Idee, den Raum zwischennutzen zu lassen. Vorbild ist laut dem Geschäftsführer ein Konzept aus München. Unter dem Motto „The Lovelace“ entstand hier für zwei Jahre das erste Popup-Hotel der Welt, das unter anderem für diverse Kulturprogramme genutzt wurde.

Gefallen am kulturellen Gedanken

Um ein ähnliches Konzept in Rosenheim umzusetzen, habe es mehrere Gespräche mit Interessenten gegeben. Darunter auch Anna Grude und Ludwig zur Hörst. „Mit den beiden hat es sofort gepasst. Zumal uns der kulturelle Gedanke sehr gut gefällt“, erinnert sich Stiglauer. Der Plan sei jetzt, dass Grude und zur Hörst die Räume des Wirtshauses bis zu dessen Abriss im Frühjahr 2023 kostenlos nutzen können.

Erneuerung der Deckenbeleuchtung

Die kommenden Wochen wollen die beiden nutzen, um das ehemalige Wirtshaus in einen Ort für Kulturliebhaber zu verwandeln. Die Deckenbeleuchtung muss erneuert werden, zudem soll im gesamten Raum ein Akustikvorhang aus Molton aufgehängt werden.

Was mit den Möbeln passiert, die sich im Moment noch in dem Raum befinden, stehe noch nicht fest. „Wir sind noch auf der Suche nach Spenden für die Inneneinrichtung“, sagt Ludwig zur Hörst. Ihm sei es wichtig, möglichst wenig Dinge neu zu kaufen und stattdessen auf gebrauchte Gegenstände zu setzen.

Zwei bis vier Tage in der Woche geöffnet

Sobald alles an seinem Platz steht, soll das Popup-Kulturzentrum zwei bis vier Tage in der Woche geöffnet haben. Gleich zu Beginn ist ein Gastspiel aus der Ukraine geplant, Ende Januar die Aufführung des Stückes „Medea. Stimmen“, das Grude neu interpretiert hat. „Es geht unter anderem um Flucht, Rassismus und Ausgrenzung“, sagt sie. Wie bei dem gesamten Konzept setzt sie auch hier auf eine enge Kooperation mit dem Jungen Theater. „Wir wollen zudem mit verschiedenen Schulklassen zusammenarbeiten“, sagt Anna Grude.

Fast wie im Affekt gehandelt

Generell liegt es sowohl ihr als auch Ludwig zur Hörst am Herzen, sich für Kinder und Jugendliche einzusetzen. „Das Popup-Kulturzentrum könnte eine alternative Bildungsanstalt zur Schule werden“, sagt Grude. Ob und wenn ja wie das Angebot angenommen wird, wird sich zeigen. Der Name des neuen Kulturzentrums jedenfalls steht mit „Affekt“ bereits fest. „Wir haben fast im Affekt gehandelt. Alles ist aus einer spontanen Idee heraus entstanden“, erklärt Anna Grude.

Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl: „Natürlich zu begrüßen“

„Erfreulicherweise hat die Innenstadt die coronabedingten Lockdowns relativ gut überstanden. Die Leerstandsquote in der Innenstadt liegt kontinuierlich unter zehn Prozent. Die regelmäßigen Begehungen der Wirtschaftsförderungsagentur zeigen, dass die Umstrukturierungen und Neuvermietungen leer gefallener Ladeneinheiten erfreulich dynamisch vorankommen. Insofern ist der Bedarf für Pop-Up-Store-Konzepte in Rosenheim sehr überschaubar. Dennoch ist es natürlich zu begrüßen, wenn die Unternehmen und Immobilieninhaber mit kreativen Ideen gegen Leerstände vorgehen“, sagt Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl.

Und er führt weiter aus: „Seitens der Stadt gilt es ein ordnungspolitisches Argument zu bedenken: Es ist die Aufgabe von Immobilieneigentümern und Vermietern, sich um die Nachvermietung ihrer Objekte zu kümmern. Denn sie erwirtschaften die Mieterträge. Übernimmt die Stadt die Aufgabe, zum Beispiel mit Pop-Up-Stores Zwischenvermietungen zu sichern, geht das Risiko und die Verantwortung für die Einmietung entsprechender Ladenkonzepte auf die Stadt über. Das entspricht nicht der Aufgabenverteilung in einer marktwirtschaftlichen Ordnung. Deshalb hält sich die städtische Verwaltung mit derartigen Konzepten sehr zurück, zumal Rosenheim wegen seiner hohen Kaufkraft und der Zentralitätsfunktion für das Umland nach wie vor ein gefragter Standort für Einzelhandel und Gastronomie ist.“

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