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Dritte Welle

Rosenheims Corona-Inzidenzzahl explodiert: Dynamik des Infektionsgeschehens „brutal“

Von Gipfel zu Gipfel: Die Linie der Inzidenzzahlen in Rosenheim. Grafik Klinger
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Von Gipfel zu Gipfel: Die Linie der Inzidenzzahlen in Rosenheim.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Wochenlang ein gemäßigter Anstieg, am Wochenende ein Sprung wie in den ärgsten Zeiten der zweiten Pandemiewelle: Rosenheim liegt Stand Montag, 15. März, bei einem Inzidenzwert von 206 und diskutiert nun über Verschärfungen. Derweil wächst die Kritik am Inzidenzwert als einzigem Kriterium.

Rosenheim – Drei Wochen lang stiegen die Werte der 7-Tage-Inzidenz stetig. Übers Wochenende aber explodierte der Wert in der kreisfreien Stadt Rosenheim (Plus-Artikel ovb-online): von 138,5 auf 206,1, so lautet die Schockzahl zum Wochenbeginn. Die Dynamik des Infektionsgeschehens sei „brutal“, sagte Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März.

Mit seinem Wert 206 liegt Rosenheim in Bayern hinter den Corona-Hotspots Hof (290), Kulmbach (266) und Wunsiedel (214) an vierter Stelle. Mitte November hatte die Kurve mit knapp über 300 einen allerdings noch höheren Wert erreicht.

Die Stadt Rosenheim, so heißt es aus dem Rathaus, werde die Regeln ab der Wochenmitte erneut verschärfen. So werde auch die Maskenpflicht in Bereichen, die zuletzt freigegeben worden waren, wieder gelten, die Fußgängerzone wird dann komplett zum Masken-Gebiet, mit Bahnhofs- und Äußerer Münchener Straße zusätzlich zum Max-Josefs-Platz.

Lesen Sie auch: Malle statt Rosenheim: Reisebüros in der Region erhalten Buchungen für die Ferieninsel (Plus-Artikel ovb-online)

Weiter kein Präsenzunterricht in Rosenheim

Hart bleiben die Einschränkungen für Schüler: In Rosenheim selbst gibt es für die meisten weiterhin Distanzunterricht, abgesehen von den Schülern in den Abschlussklassen. Anders die Lage im Landkreis, der im Wochenbericht am Freitag knapp unter 80 lag und am Montag bei 81,6 Infektionen in der Woche, heruntergerechnet auf 100.000 Einwohner.

Über die Gründe des jähen Sprungs jenseits der Marke von 200 innerhalb der kreisfreien Stadt herrscht alles andere als Gewissheit. Der Schluss liegt nahe, in der britischen Variante B.1.1.7 einen Pandemietreiber zu sehen. In Rosenheim stieg deren Anteil an den Neuinfektionen auf 57,1 Prozent. „Sie ist sicher ein Faktor für das schnelle Anwachsen der Infektionszahlen“, heißt es aus dem Gesundheitsamt.

„Lokale Häufungen“ an Neuinfektionen in der Stadt

Das Infektionsgeschehen sei „diffus“, es gebe „kleinere lokale Häufungen“. Dazu, wo sich diese Häufungen ergaben, ob etwa in der Stadtmitte oder eher am Rand, machte das Amt keine Angaben. Lediglich dazu, dass ein Großteil der Neuansteckungen im „privaten Umfeld“ auszumachen sei. Demnach haben sich drei von vier neu Infizierten innerhalb von Familie oder im Kontakt mit einem Freund angesteckt.

Auch an Schulen und Kitas der Region waren in den vergangenen Tagen etliche Ansteckungen festgestellt worden, 25 Fälle allein in den sieben Tagen zwischen 5. und 11. März. Die teilweisen Lockerungen für den Unterricht werden im Bayerischen Kultusministerium verteidigt. Die Schulen sind offenbar keine Pandemietreiber, auch dort, wo sie anders als in Rosenheim nicht geschlossen sind. Zumindest nach den Zahlen, die das Ministerium auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen nannte. Lediglich 0,08 Prozent der Schüler und 0,11 Prozent der Lehrkräfte fehlten bayernweit derzeit wegen eines positiven Tests im Unterricht.

„Willkürliche Trennung“ zwischen Stadt Rosenheim und dem Landkreis

Gewohnter Gang der Dinge im Landkreis, Verschärfungen in Rosenheim – für OB März eine „unsägliche Differenzierung“. Die Verflechtungen in vielen Bereichen seien so groß, dass das Willkürliche dieser Trennung offensichtlich sei. Dennoch wird die Stadt, anders als der Landkreis, wegen ihres hohen Inzidenzwertes weiter über Verschärfungen nachdenken. Man werde den Bereich der Versammlungen unter die Lupe nehmen, heißt es aus dem Rathaus, ebenso Einrichtungen, die derzeit noch geöffnet haben.

So droht der Stadtbibliothek eine Zwangspause. „Wenn wir über 200 bleiben, egal, wie ,diffus‘ das Geschehen ist, sehe ich keine Chance, dass die Stadtbibliothek weiter offen hat“, sagt Thomas Bugl, Wirtschaftsdezernent und Sprecher der Stadt. Die Verschärfungen der Regeln sollen bis Dienstag oder Mittwoch in einer neuen Allgemeinverfügung zusammengefasst werden.

RKI-Wert vom Freitag entscheidet über die kommende Schulwoche

Die Härten der allein auf Inzidenzzahlen ausgerichteten Corona-Regelungen zeigen sich im engen Nebeneinander von Stadt und Land. Während in der Stadt die Schulen Fernunterricht halten müssen, können die Schulen im Landkreis weiterhin Präsenzunterricht anbieten – oder zumindest Wechselunterricht, wenn der Abstand von 1,50 Metern zwischen den Schülern nicht gegeben ist. „Entscheidend ist der vom Robert-Koch-Institut am Freitag veröffentlichte Wert“, sagt Schulamtsdirektor Edgar Müller. „der gibt den Ausschlag für den Unterricht in der kommenden Woche.“

Coronavirus in Zahlen und Grafiken: So läuft die Impfkampagne in Deutschland

An anderer Stelle erregt allein die Nennung des Wortes „Inzidenzzahl“ Ärger. Man müsse weg von dieser Zahl, sagt Wirtschaftsdezernent Bugl. „Ich plädiere nachdrücklich dafür, angesichts des zwar unzureichenden, aber immerhin gegebenen Fortschritts des Impfgeschehens das Öffnungsmodell zu übernehmen, das der Einzelhandel vorgeschlagen hat.“ Dabei handelt es sich um eine kombinierte Abwägung von Inzidenzzahl und freien Kapazitäten an den Kliniken.

„Sinnvoll“ nennt dieses Modell des bayerischen Handelsverbands auch Rosenheims Oberbürgermeister. Angebracht sei es, weil sich die aktuelle Entwicklung unterscheide von den ersten beiden Wellen unterscheide: Die Impfungen wirkten. „Die Zahl der Covid-Patienten auf der Intensivstation unseres Klinikums ist überschaubar“, sagt März.

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