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Junge Menschen mit Einschränkungen

Durchgekämpft ins Arbeitsleben: Zwei Rosenheimerinnen erzählen von ihrem Weg

38 Mal „gut gemacht“: Astrid Langenegger und Johann Mitterer (vorne), Geschäftsführer der Rosenheimer Organisation „Junge Arbeit“, verabschieden junge Menschen, die gerade eine Ausbildung absolviert haben oder bald damit anfangen. Die Organisation hilft ihnen dabei.
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38 Mal „gut gemacht“: Astrid Langenegger und Johann Mitterer (vorne), Geschäftsführer der Rosenheimer Organisation „Junge Arbeit“, verabschieden junge Menschen, die gerade eine Ausbildung absolviert haben oder bald damit anfangen. Die Organisation hilft ihnen dabei.
  • Alexandra Schöne
    VonAlexandra Schöne
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38 junge Menschen mit Einschränkungen haben es geschafft, eine Ausbildung abzuschließen oder sich den Platz dafür zu erarbeiten. Die Rosenheimer Organisation „Junge Arbeit“ hat sie dabei unterstützt. Zwei Frauen erzählen, warum es sich lohnt, für Ziele zu kämpfen.

Rosenheim – Der Wendepunkt im Leben von Vanessa Krug (26) war die Geburt ihrer Tochter. Das war vor sechs Jahren. Plötzlich war da ein kleines Lebewesen, das nicht nur Schutz benötigte, sondern auch Versorgung. Und dafür brauchte Vanessa Krug Geld. Und eine Ausbildung.

Denn jene, die sie in einem Discounter begonnen hatte, musste sie wegen der ungeplanten Schwangerschaft abbrechen. Hinzu kamen familiäre Probleme. Aufgeben wollte die 26-Jährige aber nicht. „Ich will meinem Kind vorleben, dass nichts im Leben auf Bäumen wächst“, sagt sie.

Hilfe beim Lernen und bei Bewerbungen

Vanessa Krug aus Rosenheim.

Die Rosenheimerin suchte sich Hilfe bei der Organisation „Junge Arbeit“. Diese unterstützt junge Menschen, die sich auf eine mögliche Ausbildung vorbereiten oder schon mittendrin stecken. Betreuer helfen beispielsweise beim Lernen für Prüfungen, bei Bewerbungen und fahren zu Vorstellungsgesprächen mit. Vanessa Krug war schon einmal bei der Organisation, kurz nachdem sie mit 18 Jahren die Mittelschule beendete.

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Vor drei Jahren hat sie mithilfe ihrer Betreuer eine Ausbildung in einem großen Modekaufhaus in Rosenheim begonnen. Ihre letzten Prüfungen hat sie während der Pandemie geschrieben. Ihre Arbeitsstelle musste wegen Corona acht Monate schließen. „Das war psychisch schwer für mich.“ Nur daheim sein, keine Freunde sehen, kaum Freizeitmöglichkeiten – für sie genauso schwierig wie für ihre sechsjährige Tochter.

Viel Unterstützung von Familie und Freunden

Dass sie ihre Ausbildung mit der Note eins abgeschlossen hat, macht sie deshalb umso stolzer. „Ohne meine Familie und meine Freunde hätte ich das nicht geschafft“, sagt sie. Vor sechs Jahren hätte sie nie gedacht, sich irgendwann einmal Einzelhandelskauffrau nennen zu dürfen.

Selina Hengst aus Kolbermoor.

Ähnlich geht es Selina Hengst. Die 20-jährige Kolbermoorerin hat genau wie Vanessa Krug kürzlich ihre Ausbildung abgeschlossen und ist auf der Absolventenfeier von „Junge Arbeit“ geehrt worden. Auch sie hatte keinen einfachen Start ins Berufsleben. Sie habe nach der Mittelschule viele Praktika im Einzelhandel gemacht, sagt sie. Immer wieder wurde sie krank, musste die Arbeit abbrechen. Auch psychisch sei sie angeschlagen gewesen.

Irgendwann bekam sie ein Praktikum in einem Rosenheimer Schuhgeschäft. Das habe ihr Spaß gemacht. „Da ist der Schalter plötzlich umgelegt worden“, erinnert sie sich. Auch ihr habe die Betreuung bei „Junge Arbeit“ sehr geholfen. „Die waren dort immer sehr verständnisvoll. Von außen gab es oft den Druck, dass ich arbeiten muss.“

Arbeit schafft Struktur im Alltag

Auch wenn sie ihre Freiheit liebt, weiß sie, dass die Arbeit ihr guttut. Sie gibt der 20-Jährigen jene Struktur im Alltag, die wichtig für ihre psychische Gesundheit ist. Eine Struktur, die während der Pandemie oft gefehlt habe. Jetzt hat Selina Hengst eine Vollzeitstelle in einem Schuhgeschäft in Bad Endorf.

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Dass jemand fest angestellt oder nach der Ausbildung vom Betrieb sogar übernommen worden ist, war auf der Absolventenfeier in der Rosenheimer Simsseestraße oft zu hören. Das freut vor allem Astrid Langenegger und Johann Mitterer, Geschäftsführer der Organisation. Lob gab es aber auch von der Rosenheimer Bundestagsabgeordneten Daniela Ludwig (CSU), die „Junge Arbeit“ schon lange politisch unterstützt. „Lasst euch die Stärke, die ihr euch erarbeitet habt, nicht nehmen“, appellierte sie an die jungen Menschen.

„Besonderer Jahrgang“

Auch Sabine Stelzmann, Leiterin des Kreisjugendamtes, gratulierte den Absolventen. Es sei ein „besonderer Jahrgang“ gewesen, den die Pandemie mit „anderen Herausforderungen“ als normalerweise konfrontiert habe. „Nehmt dieses Sich-Durchbeißen mit, ihr könnt es gebrauchen“, sagte sie. Dass Vanessa Krug und Selina Hengst sich durchbeißen können, haben sie bereits bewiesen.

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