Podiumsdiskussion des Rosenheimer Forums für Städtebau zu Nahversorgungszentrum Nord

Drei Lager herauskristallisiert

Rosenheim - Das Thema bei der Podiumsdiskussion des Forums für Städtebau, des Naturschutzbundes, des Initiativkreises Roregio und des Rosenheimer Solarfördervereins im Künstlerhof bewegte in jüngster Zeit die Stadträte ebenso wie die Bürger im Norden der Stadt: das geplante Nahversorgungszentrum (NVZ).

Absicht der Veranstalter war es, in der Podiumsdiskussion den Sprechern der Stadtratsfraktionen die Möglichkeit einzuräumen, nochmals ihre jeweiligen Standpunkte darzulegen und Stellung zu beziehen, ob und in- wieweit sie die Bedenken der Bürgerinitiative in ihre Entscheidungsfindung einbeziehen. Laut Dr. Markus Frank, Sprecher der BI, sei der "Bürgerwille zu wenig beachtet worden".

Auf der Bürgerversammlung im Oktober war der Antrag verabschiedet worden, der Rosenheimer Stadtrat möge nochmals über den bereits verabschiedeten Bebauungsplan "Marienberger Straße Nord" befinden und dabei den Bürgerwillen, der in rund 2500 Unterschriften festgehalten sei, berücksichtigen. Empfehlungen von Bürgerversammlungen müssen laut der Gemeindeordnung innerhalb von drei Monaten vom Stadtrat behandelt werden. Auf dem Podium saßen die Stadträte Herbert Borrmann (CSU), Gabriele Leicht (SPD), Robert Multrus (Freie Wähler/UP), Franz Lukas (Grüne), Bärbl Thum (WIR/ÖDP), Rudolf Hötzel (Republikaner) sowie Rainer Heinz vom Forum für Städtebau und Dr. Markus Frank.

Nach einem kurzen Rückblick von Rainer Heinz auf die Planungsgeschichte des NVZs, die bereits 2005 startete, trugen die Podiumsteilnehmer ihre Argumente für und gegen das Projekt vor. Fast hätte der Eindruck entstehen können, als sei an den jeweiligen Standpunkten nicht zu rütteln. Doch Moderatorin Ursula Ammermann, Lehrbeauftragte für Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerbeteiligung an der LMU München, gelang es durch hartnäckiges Hinterfragen, die Podiumsteilnehmer aus der Reserve zu locken.

Der Austausch der bekannten Argumente seitens der Podiumsteilnehmer brachte kaum Neues, war aber insofern bemerkenswert, als dass sich eine gewisse "Lager-Meinung" herauszukristallisieren schien. Die einen wie CSU-Fraktionsvorsitzender Herbert Borrmann fühlen sich berufen, für die ganze Stadt und nicht nur für Westerndorf zu planen. Andere wie Gabriele Leicht, Robert Multrus oder Franz Lukas sprechen sich für eine gemäßigte Erweiterung aus und das dritte Lager, Bärbl Thum und Rudolf Hötzel, sagen "Nein" zum NVZ Nord.

Die anschließende Diskussion verlief ziemlich hitzig. Hannelore Zeisner von der Bürgerinitiave rief erregt in den Raum: "Es nützt nichts, wenn wir hören oder lesen, der Stadtrat habe beschlossen ... wurde dabei der Wille der Bürger oder der des Investors berücksichtigt?" Die Stimmung war gereizt und so zog Moderatorin Ammermann auch bald die "Reißleine" und meinte, dass es bei der Diskussion um mehr als nur um das NVZ Nord gehe. Sie fragte, ob die Entscheidung derzeit überhaupt so dringend sei oder ob eine zeitliche Verschiebung im Stadtrat nicht vernünftiger wäre. "Dieses Thema schreit nach einem Bürgerdialog." je

Kommentare