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Kommt jetzt die Fußgängerzone?

Diskussion um Wein-und Adlzreiterstraße in Rosenheim: Wirrwarr um Fragebögen der Stadt

Wird die Weinstraße bald zur Fußgängerzone? Die Verwaltung hat jetzt Fragebögen verteilt, um ein ungefähres Stimmungsbild zu bekommen.
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Wird die Weinstraße bald zur Fußgängerzone? Die Verwaltung hat jetzt Fragebögen verteilt, um ein ungefähres Stimmungsbild zu bekommen.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Seit mehr als 20 Jahren wird darüber diskutiert, ob die Wein- und Adlzreiterstraße zur Fußgängerzone werden sollen. Nachdem sich die Stadträte im Oktober 2021 einstimmig für eine Anliegerbefragung ausgesprochen hatten, hat die Stadt jetzt einen Fragebogen verschickt – den allerdings nicht alle bekommen haben.

Rosenheim – Franz Kroiss – der in der Weinstraße wohnt, viele Jahre das „Arte vino“ betrieben hat und dort Wohnraum vermietet – kann sich noch gut an die Zeit vor 42 Jahren erinnern, als bekannt wurde, dass die Stadt den Max-Josefs-Platz in eine Fußgängerzone verwandeln will. Geschäftsinhaber hätten um ihre Existenz gefürchtet, Anwohner um ihre Parkplätze.

„Hätte es damals eine Befragung der Anwohner gegeben, wäre die Fußgängerzone nie, oder erst wesentlich später entstanden“, ist sich Kroiss sicher. Umso wichtiger sei es in seinen Augen gewesen, dass der damalige Oberbürgermeister Dr. Michael Stöcker sich gegen „alle Widerstände und ohne Befragung“ durchgesetzt hat und eine Fußgängerzone errichtete. „Ihm verdanken wir Rosenheims ‚Gute Stube‘ die heute keiner mehr missen will“, sagt Kroiss.

Aufenthaltsqualität soll verbessert

42 Jahre später scheint sich die Situation nur unweit vom Max-Josefs-Platz zu wiederholen. So wird, wie berichtet, bereits seit mehreren Jahren darüber nachgedacht, die Wein- und Adlzreiterstraße als Fußgängerzone auszuweisen, um die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Doch die Meinungen hierüber gehen auseinander. Während einige Restaurantbetreiber und Hausbesitzer den Vorstoß begrüßen, befürchten vor allem Ladenbesitzer, dass ihr Geschäft darunter leiden könnte.

Installation von versenkbaren Pollern

Um trotz der unterschiedlichen Ansichten, eine Entscheidung treffen zu können, hat die Verwaltung in der vergangenen Woche Fragebögen verschickt. Auf diesem kann angekreuzt werden, ob die Anlieger eine kleine Fußgängerzone in einem Teil der Weinstraße wollen, eine große Fußgängerzone in der Wein- und Adlzreiterstraße, eine Installation von versenkbaren Pollern oder aber alles so belassen wollen, wie es im Moment ist.

Der ausgefüllte Fragebogen soll bis Mitte September an die Stadt zurückgeschickt werden, eine Auswertung der Ergebnisse erfolgt dann im Verkehrsausschuss. Doch schon jetzt macht sich Unmut breit. Der Grund: Nicht alle, die in der Wein- und Adlzreiterstraße ansässig sind, haben einen Fragebogen erhalten.

Mehr Vor- als Nachteile?

So hat beispielsweise der Besitzer der Weinlände keinen Fragebogen erhalten, die Wirtin Inge Triebe jedoch schon. Ebenfalls leer ausging eine Eigentümerin von Häusern in der Weinstraße, die ihren Namen zwar nicht in der Zeitung lesen möchte, ihre Meinung aber trotzdem kundtut: „Eine Fußgängerzone hat in meinen Augen mehr Vor- als Nachteile.“ Sie störe vor allem, dass am Abend Leute durch die Straße fahren, die „dort nichts verloren haben“. Dass die Geschäfte darunter leiden würden, wenn eine Fußgängerzone errichtet wird, kann sie sich nicht vorstellen. Zumal Lieferverkehr – ähnlich wie auf dem Max-Josefs-Platz – auch weiterhin erlaubt wäre.

Kritik an den Rasern und Autoposern

Vergeblich auf ihre Fragenbögen warten auch Adrian Edenhofer, der den Friseursalon „BRVSH“ in der Weinstraße betreibt und Poli Aktas von der Café-Bar Cosmo Poli. Beide sind für eine Fußgängerzone. „Die Poser und Raser stören. Die fahren drei Mal innerhalb einer Stunde hier lang“, sagt Aktas.

Bewohnerzettel händisch verteilt

Warum einige Anlieger, zumindest in der Weinstraße, keinen Fragebogen erhalten haben, kann sich die Stadt nicht erklären. „Die Bewohnerzettel wurden händisch verteilt“, sagt ein Sprecher auf Nachfrage. Eigentümer und Unternehmer, die nicht wohnhaft in Rosenheim sind, sei die Befragung zudem per Post zugeschickt worden. „Wer keinen Fragebogen erhalten hat, soll sich bei der Stadt melden“, heißt es aus dem Rathaus.

Viele offene Fragen unbeantwortet

Den Fragebogen erhalten, dafür aber noch kein Kreuz gesetzt, hat Gerhard Buluschek. Er betrieb den Haushaltswarenladen Tavola und vermietet nun die Fläche an das Modegeschäft „Sego. Concept Store“. Soweit er weiß, hätten sowohl die Betreiber des Modegeschäfts, als auch seine Mieter in dem Haus am Ludwigsplatz den Fragebogen von der Stadt erhalten.

Dieser sei von der Auswahl her zwar gut, dennoch würde er viele offene Fragen unbeantwortet lassen. So sei bei einer möglichen Fußgängerzone nicht geklärt, was mit den Anliegerparkplätzen passieren soll oder wie die Zufahrt zu den Garagen in Zukunft geregelt ist. „Ich tendiere deshalb dazu, es so zu lassen, wie es ist“, sagt Buluschek.

Appell an die Stadtbevölkerung

Ähnlich äußert sich Anton Daurer, der das Geschäft Waffen Daurer in der Adlzreiterstraße betreibt. „Ich bin damit zufrieden, wie es im Moment ist.“ Aus diesem Grund habe er sein Kreuz hinter die Option „Bestand beibehalten“ gesetzt. Auch weil, wie er sagt, seine Kunden weiterhin die Möglichkeit haben sollen, in der Nähe seines Geschäfts zu halten, um die gekaufte Ware einzuladen. „Das war sehr praktisch über die vergangenen Jahrzehnte“, sagt er.

Befragung der gesamten Stadtbevölkerung?

Über Aussagen wie diese kann Franz Kroiss nur mit dem Kopf schütteln. Generell kritisiert er, dass lediglich die Anwohner der Wein- und Adlzreiterstraße nach ihrer Meinung gefragt worden. „Eine Fußgängerzone ist nicht nur für die Anwohner dieser Straßen da, sondern für alle Bewohner und Besucher der Stadt“, sagt er.

Seiner Meinung nach hätte es deshalb eine Befragung der gesamten Stadtbevölkerung geben sollen. Sein Appell: „Jedem Bürger steht es frei, der Stadtverwaltung einen netten Brief zu schreiben in dem er sich an dieser Befragung beteiligt.“

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