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Digitaler Treffpunkt: Rosenheimer Stadtjugendring entwickelt umfassendes Online-Programm

Schuldnerberatung mal anders: Stefan Kessler will jungen Leuten auch digital mit ihren Finanzen helfen.
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Schuldnerberatung mal anders: Stefan Kessler will jungen Leuten auch digital mit ihren Finanzen helfen.
  • Korbinian Sautter
    vonKorbinian Sautter
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Die Jugendtreffs sind geschlossen und der Kontakt zu Freunden bricht zusehends ab. Das ist die Situation, mit der die Jugendlichen in Rosenheim zu kämpfen haben. Der Stadtjugendring möchte das ändern und startet jetzt mit einem neuen Projekt: dem digitalen Spieleschrank.

Rosenheim – Mit anderen treffen, Kontakte aufbauen, Freunde finden und Hilfe anbieten. Das sind die selbst ernannten Ziele des Rosenheimer Stadtjugendrings (SJR). Die soziale Arbeitsgemeinschaft hat dafür normalerweise zahlreiche, in der Stadt verteilte Standorte zur Verfügung, die allerdings derzeit alle für die Öffentlichkeit geschlossen sind. Seit dem ersten Lockdown plant man daher eine virtuelle Form der Unterstützung und will jetzt mit dem entwickelten Spieleschrank einen neuen Ort der Gemeinsamkeit schaffen.

Von der Beratung bis zum Breakdance

„Wir wollen unser Angebot für die Jugendlichen, so gut es geht, aufrecht erhalten“, sagt der Rosenheimer Mitarbeiter Stefan Kessler. Er kümmert sich vorläufig um die Schuldnerberatung und unterstützt Kinder und Jugendliche bei finanziellen Fragen. Neben der telefonischen Hilfe nutzt er dafür jetzt das Medium Podcast, bei dem er die wichtigsten Themen einspricht, um sie „auf Abruf“ anbieten zu können.

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Mit dem neuen Spieleschrank erhält aber auch der von ihm organisierte Breakdance-Kurs zweimal in der Woche Einzug in das digitale Programm. Über eine gemeinsame Kommunikationsplattform kann man sich mit einem Trainer sowie anderen Teilnehmern verbinden und sich mit etwas Platz vor dem Computer coronakonform bewegen.

Der neue Spieleschrank: Mit dem Online-Angebot soll im Lockdown keine Langeweile mehr entstehen.

Break Dance ist allerdings nur eines von zahlreichen Angeboten, die sich der Rosenheimer Jugendring ausgedacht hat, wie Sozialpädagogin Sarah Zapf erklärt: „Wir haben einen Server eingerichtet, auf dem sich jeder, der Lust hat, einwählen kann, um sich mit uns Mitarbeitern oder anderen Jugendlichen zu treffen.“ Auf der Online-Plattform sind die einzelnen Programmpunkte dann in unterschiedliche Kanäle sortiert. Von „Zocken 1 bis 3“ über „einfach quatschen“ bis hin zu „unter vier Ohren“ versucht der SJR, die gewohnte Mischung aus Spaß und seröser Hilfe miteinander zu verknüpfen. Von Montag bis Freitag ab 16 Uhr stehen dafür Mitarbeiter des SJR zur Verfügung, die die Kanäle koordinieren und bei jeglichen Problemen zur Verfügung stehen.

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Die neue Form der Kontaktaufnahme ist dabei eine Reaktion auf die erneut verschärften Corona-Maßnahmen. In den Sommermonaten merkte Kessler, dass die Zugriffe auf das bestehende Online-Angebot immer mehr sanken, da die jungen Menschen aus der Region sich wieder vermehrt draußen trafen. Daraufhin versuchte man beim Stadtjugendring, mit Hygienemaßnahmen und Formularen zur Kontaktverfolgung einen möglichst sicheren Rahmen zu schaffen. „Auch wenn die grundsätzliche Anonymität aufgrund der Rückverfolgung verloren ging, konnten wir uns so vor Ort wieder um die Probleme der Jugendlichen kümmern.“ Mit dem zweiten Lockdown sei dies aber definitiv nicht mehr möglich gewesen.

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Daher will man mit dem Konzept den für die Altersgruppe so wichtigen Kontakt untereinander halten. Nachdem man im vergangenen Jahr die acht großen Treffpunkte nur bedingt oder gar nicht nutzen konnte, freuen sich die Jugendlichen wie Justin Mulitsch, bekannte Gesichter in regelmäßigen Abständen wiedersehen zu können. „Die Treffen mit meinen Freunden gehen einem schon sehr ab, das ist alles sehr frustrierend“, erzählt der 18-jährige Wirt des derzeit leer stehenden Turmcafes. Mit regelmäßigen Terminen auf den Kommunikationsplattformen wisse er jetzt aber zumindest, wie es den anderen so geht und was gerade ansteht.

Nachfrage steigt kontinuierlich an

Dass der digitale Treffpunkt eine wichtige Anlaufstelle in Lockdown-Zeiten ist, kann auch Kessler bestätigen. Egal ob es jetzt Spiele oder gezielte Beratungen zum Thema Distanzunterricht sind. Der Andrang der Rosenheimer Jugendlichen sei groß. Gerade die bereits etablierten Gruppen setzen sich häufig in den Chats zusammen und planen die nächsten Aktionen, sobald es die Corona-Situation wieder zulässt. „Gerade für Outdoor werden gerade viele Pläne erstellt“. Mit einem entwickelten Hygienekonzept hofft man beim Stadtjugendring, spätestens im Sommer auch die Räumlichkeiten wieder nutzen zu können, um nicht nur digital, sondern auch im echten Leben für die Jugendlichen aus der Region da zu sein.

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