Kunst Kollektiv

Rosenheimer Musiker Georg Slany nutzt Baustellenlärm als Percussioninstrument

  • vonKilian Schroeder
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Die Musik hat Georg Slany (28) gezeigt, dass die Welt schön sein kann. Der Rosenheimer gehört zum Verein „Kunst Kollektiv“ und produziert im Huber-Seiler-Haus neue Lieder. Die Geschichte über einen jungen Mann, der sein Leben der Musik verschrieben hat.

Rosenheim – Die Songs, die aus Georg Slanys Computer kommen, könnten auch in jedem Nachtclub, auf jeder Party so laufen. Der 28-jährige sitzt auf einer Bank im Freien und schaut konzentriert auf den Bildschirm. Man merkt ihm an, dass er viel in seine Musik investiert – und dabei ist er äußerst kreativ. Denn man kennt nicht viele Künstler, die zum Beispiel Baustellenlärm als Rhythmusinstrument verwenden. Im Huber-Seiler-Haus kann er als Teil des „Kunst-Kollektivs“ jetzt endlich in seinem lang ersehnten Tonstudio produzieren.

Berufstraum Schlagzeuger

„Schon als Kind habe ich auf den Töpfen meiner Mutter gespielt, ich wollte Schlagzeuger werden“, sagt Slany. Seine Kindheit aber war nicht einfach, er verbrachte sie in Kinderheimen in ganz Deutschland. „Es war ein ständiges Hin und Her, die Heimzeit war furchtbar“, sagt der 28-jährige. Mit den anderen Kindern kam er nicht gut klar. „Die anderen haben auch viel ,Gangster Rap‘ gehört, das hat mir zwar nicht gefallen aber natürlich hat es mich geprägt.“ Er kann Schlagzeug und Klavier spielen. Slany ist autistisch veranlagt und hat heute noch mit seiner Jugend zu kämpfen. Derzeit ist er stationär im Inn-Salzach-Klinikum.

Erste Lieder vor sechs Jahren produziert

Seine Lieder sind voller Energie, sie sind zum Tanzen. „Die Musik hilft mir durch schwere Zeiten, sie zeigt mir, dass die Welt auch schön sein kann.“ Schon seit 2004 produziert er einige Lieder.

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Will bald sein eigens Album rausbringen: Georg Slanys aus Rosenheim ist Musiker. Im Huber-Seiler-Haus in Rosenheim arbeitet er an neuen Ideen.

Durch einen Zufall lernte er in Rosenheim mit 13 den noch jüngeren Beppo Roderer kennen, der heute das „Kunst-Kollektiv“ leitet. Slany vergisst eine CD in dessen CD-Spieler. „Da waren dann auch Songs von Georg und die haben mich total inspiriert“, sagt Roderer. „Das hat mich auch zu dem gemacht, der ich heute bin. Georg ist unglaublich talentiert.“ Erst Jahre später treffen sich die beiden wieder und Slany kommt zum „Kunst-Kollektiv“.

Vorbild ist Musiker „Deadmouse“

Wenn man mit Slany spricht, merkt man, wie sehr er sich für die Musik begeistert. Immer wieder geht er zu seinem Laptop und zeigt, wie er einen Song zusammenbaut, welche Effekte er benutzt und was ihn inspiriert. Er spielt auf der Computertastatur wie auf einem Keyboard. Einer von Slanys Lieblingskünstlern ist der Musiker „Deadmouse“. Nach ihm kommt sein Künstlername „Lifecat“. Er hat sich sogar eine Kette mit dem Namen gemacht.

Ein Lied, das von einem Mädchen inspiriert ist

Einer von Slanys besten Liedern ist der Song „Tamarahawk“, der, wie so viele große Kunstwerke, von einem Mädchen inspiriert ist. „Dabei habe ich den Lärm einer Baustelle von nebenan aufgenommen und die Hammerschläge zu einem Percussioninstrument nachbearbeitet“, sagt Slany. Dazu kommen Synthesizer mit einer ohrwurmverdächtigen Melodie und stampfende Beats. „Ich bin Perfektionist“, sagt Slany über sich.

Sowohl Techno, als auch Hardcore

„Stilistisch lege ich mich aber nicht fest“, sagt Slany. Er mache sowohl Techno als auch Hardcore. Im „Kunst-Kollektiv“ hat er dabei den Raum, sich zu entfalten. „Das Kunst-Kollektiv ist alles für mich“, sagt der 28-jährige. Auf der letzten Silvesterfeier der Gruppe war er der DJ. Seine Freunde haben ihm extra einen Sticker gemacht: Eine von Slanys „Catchphrases“ sei, dass etwas „technisch nicht möglich“ ist. Auf dem Sticker steht der Spruch „Techn(o)isch.Möglich.“. „Hier im Kunst-Kollektiv bekomme ich Zuneigung, die ich sonst nicht erfahren habe“, sagt Slany.

Slany will eigenes Album rausbringen

Derzeit kann Slany keine Musik produzieren. In Wasserburg hat er weder die technischen Möglichkeiten, noch kann er sich genug konzentrieren. Aber für seine Zeit zurück in Rosenheim hat er schon große Pläne. „Ich will dann mein erstes Album rausbringen“, sagt Slany.

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17 Titel hat er schon, der Rest ist noch in Arbeit. Am meisten freut er sich darauf, endlich in einem echten Tonstudio zu arbeiten, das das „Kunst-Kollektiv“ im Huber-Seiler-Haus eingerichtet hat. „Ich wünsche mir schon lange, meine Lieder mal professionell zu produzieren“, sagt der 28-jährige. Die ersten Kostproben hat er schon auf Youtube. Später würde er auch gerne mal Unterricht geben. „Ich habe ein Problem mit Menschenmassen, ich würde aber gerne anderen Musikproduktion beibringen“, sagt Slany.

Echte Gefühle in seinen Liedern

Er macht auch Bilder, die er selbst als psychedelisch beschreibt. Seine Leidenschaft bleibt aber die Musik. „Die Musik ist mein Leben, ich möchte für immer Musik machen.“ Er hat auch einen Song, der „from the beginning till the end“ heißt. Die Gefühle in den Melodien könne man nicht schauspielen. „Das ist alles echt.“ Wenn man sich auf ihn und seine Musik einlässt, hört man es auch.

Rubriklistenbild: © Schroeder

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