Gleichgewicht für Körper und Geist

Dieser Rosenheimer ist mit 78 Jahren Vollblut-Yogi: Für ihn gibt es kein Limit

  • Anna Hausmann
    vonAnna Hausmann
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Seit Jahrzehnten praktiziert Peter Brenner Yoga. Dadurch konnte er nicht nur seine Schmerzen in den Griff bekommen, sondern auch zu sich finden. Ein Gespräch über das Gleichgewicht von Körper und Geist und welchem Guru man folgen sollte.

Rosenheim –78 Jahre alt und Vollblut-Yogi: Was wie ein Widerspruch klingen mag, passt für Peter Brenner zusammen wie Yin und Yang. Der Rosenheimer gibt sein Wissen über die philosophische Lehre weiter. Denn für ihn ist Yoga vor allem eins: eine Lebenskunst, die jeder erlernen kann.

„Gartenyoga to go“

Peter Brenner steht in seinem Garten, er trägt ein gelbes T-Shirt. Darauf zu sehen das Symbol Om, das bekannteste und wichtigste Mantra im Yoga. Der Mann atmet ein, dann wieder aus. Ganz langsam. Bewegt die Arme, hält die Position. „Auflösen, entspannen, nachspüren.“ Es ist ein Video, das er von sich auf Youtube hochgeladen hat. Die Einheit nennt er „Gartenyoga to go“. Die Übungen begleiten ihn schon seit Jahren. Über sie findet er zu einem Einklang, mit seinem Körper, seinem Geist und seiner Seele.

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Schmerzbefreit dank täglichem Yoga

„Die Liebe zum Yoga fand ich eigentlich aus der Selbsthilfe heraus“, erzählt Peter Brenner. Er redet ruhig, die Worte wählt er mit Bedacht. Der gebürtige Pforzheimer kam mit einer Rückgratverkrümmung zur Welt. In der Schule wurde er gehänselt, die Schmerzen beeinträchtigten seinen Alltag. Die Schmerzen wollte er nicht so hinnehmen. Mehr durch Zufall nahm er Mitte 20 in einem Yogakurs in der VHS teil. Brenner erinnert sich noch genau an die ersten Stunden „Ich wollte eigentlich aufgeben und hab zu meiner Lehrerin gesagt: Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach.“ Mittlerweile weiß er: Genau das Gegenteil ist der Fall. Er machte weiter. Seine Rückenschmerzen: passé.

Im Einklang mit sich und der Natur: Durch Yoga finden Geist und Körper zusammen, ist Peter Brenner aus Rosenheim überzeugt.

Innere und äußere Verspannungen lösen

„Yoga ist eine Lebenskunst“, ist sich der Yogi sicher. Ihn selbst könnte man auch als Lebenskünstler bezeichnen, vom Bibliothekarstudium fand er über Jobs wie in der Telefonseelsorge schließlich zu seiner Arbeit als Sozialpädagoge. Dafür war er unter anderem in der Suchtberatung tätig. Nebenbei absolvierte er seine Ausbildung als Yogalehrer, die Lehre begleitete ihn über Jahre. Die meisten Menschen seien innerlich und äußerlich verspannt, meint Peter Brenner. Die Übungen helfen nicht nur dabei, ein gutes Körpergefühl zu entwickeln. Über allem steht der Grundgedanke der Entspannung. Diese Lehre möchte er seinen Mitmenschen nahebringen. Im Behindertenzentrum half er Schwerstbehinderten im Rollstuhl, die richtige Atmung zu finden. Jeder habe dabei sein eigenes Tempo. „Bei Yoga geht es darum, seine Grenzen zu spüren. Man muss nicht darüber hinaus gehen.“

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Die richtigen Beweggründe

Yoga sollte man allerdings nicht aus den falschen Beweggründen anfangen, findet der Lehrer. „Eltern haben Kinder zu mir geschickt, weil sie ihnen zu aufgedreht waren.“ Auch neuen Yogaformen, wie etwa das Pet-Yoga, bei dem Menschen gemeinsam mit ihren Haustieren Übungen machen, kann er nicht viel abgewinnen. Für ihn ist die Meditation am wichtigsten, nicht etwa die Gymnastik. Wobei gerade letztere ihn auch jung hält. Für ihn ist aber nicht Anti-Aging das Ziel, sondern das würdevolle Altern. „Es wundert mich selbst, wie die Jahre dahingehen. Ich fühl mich gar nicht wie 78.“ Er klingt belustigt. Nur mit Kopfständen ist es vorbei, die macht er mittlerweile nicht mehr.

Den persönlichen Guru finden

Trotz seiner langen Erfahrungen hat der Yogi nicht aufgehört, sich weiterzubilden. Gerade die fernöstliche Philosophie hat es ihm angetan. So besuchte er einen Aschram in Indien, ein klosterähnliches Meditationszentrum. Es seien wertvolle Erfahrungen gewesen. Zum Abschied berührte Brenners Guru, sein spiritueller Leiter, seine Stirn – dort, wo sich nach fernöstlicher Philosophie das Bewusstsein erweitern kann. „Es war eine unglaubliche Liebeserfahrung.“ Mittlerweile weiß er: Ein Guru kann nur eine Zeit lang ein Wegbegleiter sein, danach steht man auf eigenen Beinen. Denn: „Jeder trägt seinen persönlichen Guru in sich.“

Coronabedingt fielen einige seiner Kurse ins Wasser, so etwa die Veranstaltungen „Yoga im Park“ mit der Aibkur.

Rubriklistenbild: © Sarah Fischbacher

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