Die ersten Schritte in Oberbayern

Musicaldarstellerin Kara Kemeny aus Hamburg erhält den Kulturförderpreis der Stadt Rosenheim

Ihr Lieblingsstück: Kara Kemeny in ihrer Rolle als Nachtclubsängerin Lois Lane in dem Stück „Kiss me Kate“ an der Oper in Bonn.
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Ihr Lieblingsstück: Kara Kemeny in ihrer Rolle als Nachtclubsängerin Lois Lane in dem Stück „Kiss me Kate“ an der Oper in Bonn.

Die Künstlerin Kara Kemeny macht in Rosenheim ihre ersten Schritte in der Musicalszene. Nun steht sie auf den Bühnen Deutschlands und wurde zur Kulturförderpreisträgerin der Stadt Rosenheim ernannt. Ein Porträt.

von Rebecca Seeberg

Rosenheim –  „Easy – mache ich!“ – der Enthusiasmus von Kara Kemeny steckt an. Eingepackt in einen dicken Winterpulli sitzt sie in ihrer Wohnung in Hamburg und erzählt von ihrem Leben als Musicaldarstellerin. Als Nachtclubsängerin Lois Lane steht sie mit Ganoven auf der Bühne, für Charlie Chaplin unterzieht sie sich einer Tortur – für ihre nächste Rolle hat Kara Kemeny sogar angefangen zu jodeln. Die Musicaldarstellerin ist mittlerweile auf den Bühnen der deutschen Theater zuhause – ihre musikalische Karriere aber begann in Rosenheim. Hier wird ihr heute Abend (4. Dezember) der Kulturförderpreis der Stadt Rosenheim verliehen.

Ausbildung als Einzelhandelskauffrau bei einer Parfümerie

Kara Kemeny wächst in Flintsbach auf und beginnt als Jugendliche eine Ausbildung als Einzelhandelskauffrau bei einer Parfümerie. Doch ihre Freizeit, ihre Abende, ja sogar die Mittagspausen verbringt das Mädchen in der Ballettschule Bartosch-Linke und der Musikschule. Dort wird sie Teil der Talentförderklasse. Eines Tages nimmt ihre Chefin sie beiseite. „Erzählen Sie mir mal was über Musik“, fordert sie Kemeny auf, denn sie hat das Strahlen in den Augen ihres Azubis bemerkt, wenn diese von den täglichen Proben zurückkehrt.

Chefin ermutigt Kemeny Ausbildung abzubrechen

Karas Chefin ermutigt das Mädchen kurzerhand, die Ausbildung abzubrechen und ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen. Gerade mal 17 Jahre ist Kara Kemeny alt, als sie 2013 ihr Studium zur Musicaldarstellerin und Vokalpädagogin am Institut für Musik der Hochschule Osnabrück beginnt.

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Die Osnabrücker Prüfungskommission hat damals in dem Mädchen die gleiche Begeisterungsfähigkeit gesehen, die auch die Rosenheimer beeindruckt hat. Als „Haudegen“ beschreibt Roman Linke, der Leiter der Ballettschule Bartosch-Linke, seine ehemalige Schülerin. Insbesondere ihre Fähigkeit, diese Energie an andere weiterzugeben, schätzt er sehr. Ebenso überzeugt äußert sich Kulturreferent Wolfgang Hauck. Mit Kara Kemeny wurde eine würdige und engagierte Kulturförderpreisträgerin gewählt.

Vom Fleck weg engagiert

Die junge Mezzosopranistin trat schon während Ihres Studiums in verschiedenen Rollen auf und wurde nach ihrem Abschluss vom Fleck weg engagiert. Da ihre Mutter, Linda Kemeny, aus Amerika stammt, ist die Musicaldarstellerin sowohl im Deutschen als auch im Englischen zu Hause. Zu einer ihrer Lieblingsäußerungen gehört der Begriff „easy“, also kein Problem.

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Durch diese Einstellung hat sich die Darstellerin in der Musicalszene bereits eine gewisse Reputation aufgebaut. Regelmäßig wird sie von der Zentralen Vermittlungsstelle für Künstler (ZAV), mit der Frage angerufen: „Können Sie einspringen?“ „Easy“, ist Kara Kemenys Antwort darauf.

Innerhalb von neun Stunden eine Rolle gelernt

Besonders ist ihr das Einspringen für eine Mezzosopranistin im Musical „Chaplin“ von Christopher Curtis im Gedächtnis geblieben, das die Geschichte des Kinostars Charlie Chaplin erzählt. Nach einem Anruf der ZAV habe sie innerhalb von neun Stunden die Rolle der Mutter, Hannah Chaplin, gelernt und am Abend aufgeführt. Sie bezeichnet diese rasanten Rollenerarbeitungen als „lebensmüde“, hat dabei aber „total viel Spaß“.

Humorvolle und leichte Aufführungen

Der Prophezeiung ihrer Professoren zum Trotz, die ihre große und warme Stimme für schwere, dramatische Rollen geeignet sahen, spielt die Künstlerin vor allem in humorvollen und leichten Aufführungen mit.

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Unter anderem verkörpert sie in dem Stück „Kiss me Kate“ die Nachtclubsängerin Lois Lane, einen Charakter, den sie als „naiv aber gewieft“ beschreibt. Auch als jodelnde Inga in Young Frankenstein, einer Aufführung, die für Juni 2019 geplant war, hätte sie diese Vorliebe für kuriose Charaktere und lustige Handlungen ausleben können.

Notstand in der Künstlerbranche

Doch auch für Kemeny liegt das Arbeitsleben im Moment still. Der Kulturförderpreis gibt ihr nun die Möglichkeit ein Zeichen zu setzen und Aufmerksamkeit auf den Notstand in der Künstlerbranche zu lenken. Mit Zuversicht macht sie deutlich: „Wir sind da und es wird weitergehen.“

Gesteppt, getrommelt und gejammt

Dieses Jahr heißt es aber statt Adventskonzerten und Silvesteraufführung Weihnachten in Flintsbach, weit weg von der Künstlerszene in Hamburg – so scheint es. Doch nicht nur Kara Kemeny kann singen, sondern auch ihre Familie macht mit Stepptanz und Percussion bei dem eigenwilligen Familienensemble mit. Und so wird an Weihnachten eben gesteppt, getrommelt und gejammt.

Die Verleihung des Kulturförderpreises der Stadt Rosenheim an Kara Kemeny findet am Freitag, 4. Dezember, um 19.30 Uhr virtuell statt. Durch das Programm führt Kulturreferent Wolfgang Hauck. Die Talentförderklasse der Musikschule Rosenheim wird den Abend musikalisch untermalen.

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