Diese Künstlerin zeigt in Rosenheim Tabubrüche auf der Leinwand

Hypnotisierende Augen sind das Markenzeichen in den Werken von Marina Aksonov.
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Hypnotisierende Augen sind das Markenzeichen in den Werken von Marina Aksonov.

Malen gehört für mich zum Leben dazu“, sagt Marina Aksonov. Sie ist eine der Künstlerinnen, die im Huber-Seiler-Haus als Teil des „Kunst-Kollektivs“ ihre Werke ausstellt.

Von Kilian Schroeder

Rosenheim – ��� Ihre Bilder sind ausdrucksstark und surrealistisch, behandeln Tabuthemen oder Gedanken, die man sonst für sich behält.

Die Traunsteinerin ist mit der Kunst aufgewachsen. „Meine Mutter hat Kunst studiert, das hat mich auch sehr motiviert“, sagt Aksonov. „Das ganze Haus stand voller Farben, ich habe oft einfach mitgemalt.“ Das Meiste habe sie sich selbst beigebracht. Vor fünf Jahren nahm die Kunst immer mehr Platz in ihrem Leben ein. Über einen Mitschüler kam sie schließlich zum „Künstlermixtape“ in Rosenheim, das später zum „Kunst-Kollektiv“ werden sollte. Inzwischen hat sie schon mehrere Bilder ausgestellt, manche verkauft.

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Kommunikation über die Kunst

Die 18-Jährige sitzt auf einer Couch im Huber-Seiler-Haus. Wenn sie über ihre Bilder spricht, ist sie sehr ruhig, eher zurückhaltend. „Kunst ist etwas Natürliches. Es ist ein Weg, mit der Welt zu kommunizieren.“ Sie ist bescheiden: Jeder hätte irgendwann einmal gemalt. „Es ist ein interessantes Gefühl, dass dann in die Welt zu bringen.“ An Ideen mangelt es ihr dabei nicht. „Ich male einfach, was ich in meinem Kopf sehe. Oft verstehe ich selbst erst hinterher, was das Bild meint.“ Ihre Vorbilder sind berühmte Maler wie der spanische Surrealist Salvador Dalí oder der österreichische Maler Gustav Klimt. Manchmal helfe ihr die Kunst auch, sich vor der Wirklichkeit zu verstecken und Eindrücke zu verarbeiten.

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Kunst ist ein Prozess

Diesen Prozess sieht man ihren Bildern an: Eines der Werke im Huber-Seiler-Haus zeigt ein Mädchen, das den Zuschauer ansieht und den Finger zum Schweigen vor den Mund hebt. Leise. Im Hintergrund brennt Fleisch, darunter ein Schweinekopf. Eine Kirche lodert in den Flammen. Aksonov thematisiert den Fleischkonsum und verschwindende Ideale, sie möchte auf Tabuthemen aufmerksam machen. „Normalerweise behandle ich aber keine politischen oder sozialen Themen, ich mache lieber Kunst für die Kunst.“. Ein Bild zeigt ein Gehirn, mit Zimmern statt Synapsen: Die Gedanken geistern förmlich durch die Räume. Die Werke sind ausdrucksstark, oft extrem – aber nie gewalttätig. Dass ihre Bilder oftmals etwas gruselig wirken, fiel schon in der Schule auf. „Einmal kam der Schulpsychologe zu mir und fragte mich, ob bei mir alles in Ordnung ist“, sagt Aksonov und lacht. Mit ihrem persönlichen Stil will sie aber die Aufmerksamkeit des Zuschauers wecken. „Deswegen schauen einen die Personen in meinen Bildern oft direkt an.“ So wird der Betrachter in die Kommunikation mit dem Bild gezogen.

Ein Projekt für Jugendliche

Für Marina Aksonov ist das Kunst-Kollektiv im Huber-Seiler-Haus ein gemeinsames Projekt. „Es ist schön, von anderen Künstlern umgeben zu sein. Jeder kann etwas zum anderen beitragen, alle lernen voneinander.“ Sie freut sich, mit vielen Menschen zusammenzuarbeiten, die sie und ihre Kunst verstehen. Das ganze Haus sei ein Kunstwerk. „So eine Ausstellung wie hier kann Jugendlichen helfen, sich selbst weiterzuentwickeln.“

Hauptberuflich möchte die 18-Jährige aber momentan keine Künstlerin werden. Sie hat eine Designausbildung abgebrochen und fängt demnächst am Gestaltungszweig der Technischen Hochschule an. „Ich glaube, dass Kunst als Vollzeitjob einem die Inspiration nimmt“, sagt die Traunsteinerin. Beppo Roderer, Leiter des Kunst-Kollektivs ist überzeugt: „Marina Aksonov ist ein Ausnahmetalent. Ich habe selten eine Person gesehen, die es schafft, gruselige Elemente so ästhetisch darzustellen.“ Jeden Freitag hat die Ausstellung im Huber-Seiler-Haus in der Kaiserstraße 3 von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Betrachter und Bild sollen miteinander kommunizieren.

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