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Interview mit Ausstellungszentrumsleiterin Jennifer Morscheiser

Die Zukunft des Rosenheimer Lokschuppens während und nach der Eiszeit

Auch vor dem Lokschuppen gehen die Arbeiten voran
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Auch vor dem Lokschuppen gehen die Arbeiten voran
  • VonThomas Stöppler
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Corona funkt dazwischen, aber es wird trotzdem alles klappen für die neue Eiszeit-Ausstellung. Im Interview erklärt die neue Leitung des Ausstellungszentrums Lokschuppens ihre Pläne für die Zukunft und was ihr Lieblingstier der Eiszeit ist. 

Am Freitag ist bereits die Eröffnung. Wird denn alles rechtzeitig fertig?

Dr. Jennifer Morscheiser: Wie es sich bei einer Ausstellung dieser Größe gehört, läuft alles knapp, aber genau auf den Punkt. Wobei uns Corona jetzt einen Strich durch die Rechnung gezogen hat: Wir mussten das Eröffnungskonzert leider absagen.

Wie ist das, wenn man ein Neues Team begleitet?

Dr. Morscheiser: Für mich als Neue ist das toll mit anzusehen, wie da die Gewerke in einander greifen. Bei einer Ausstellung dieser Größe arbeiten ja locker 150 Leute mit, wenn man die ganzen Handwerker mitzählt. Dass das so eine genaue Punktlandung gibt, ist wirklich eindrucksvoll. Außer des Eröffnungskonzerts bin ich sehr zuversichtlich, dass alles klappt.

Dr. Jennifer Morscheisen

Sind sie denn gut in Rosenheim angekommen?

Dr. Morscheiser: Da ich in München studiert habe, ist mir Bayern nicht ganz fremd. Klar ist München nicht Rosenheim und Rosenheim nicht München, aber ich bin hier sehr gut angekommen. Ich mag die Landschaft sehr, die Stadt und die Menschen.

Ist die Eiszeit ihr Spezialgebiet?

Dr. Morscheiser: Ich bin promovierte Provinzialrömische Archäologin. Da heißt, ich bin auf Römer außerhalb von Italien und Griechenland spezialisiert. Aber ich habe in den letzten Jahren ein Museum geleitet, dass auch einen sehr breit aufgestellten Zeithorizont abgedeckt hat. Von der Steinzeit bis nach dem zweiten Weltkrieg. Also ich habe mich schon viel mit Kulturgeschichtlichen Themen auseinandergesetzt und das habe ich sehr genossen. Ich freue mich auch darauf, dass im Lokschuppen noch mehr zu haben.

Nicht nur viele Tiere sind in der Ausstellung zu sehen.

Auf die Dinos ist jetzt die Eiszeit gekommen. Dann ist es doch zur Antike nicht mehr weit.

Dr. Morscheiser: Nach der Eiszeit kommen erstmal die Vulkane, dann Mayas und dann versunkenen Schätze – also Unterwasserarchäologie. Da geht es schon ein bisschen mehr in die Richtung meines Fachgebiets. Und Antike kommt dann vielleicht auch irgendwann. Aber für den Lokschuppen ist es wichtig, dass wir Themen abdecken, die eine breite Gruppe an Leuten interessieren. Ich weiß nicht, ob es dann ein rein antikes Themen geben wird, oder ob die Römer da auch nur mal vorkommen. Das ist ja auch noch eine Weile hin – wir reden über 2026.

Es gibt einen Bezug zur Gegenwart in der aktuellen Ausstellung, konkret zum Klimawandel. Soll das auch bei den kommenden Ausstellungen so sein?

Dr. Morscheiser: Also bei der Eiszeit lag der aktuelle Bezug auf der Hand. Bei den Mayas ist es so, dass wir die Ausstellung übernehmen. Aber auch da wird es so sein, dass wir die neueste Forschung miteinbeziehen und auf die Problematik der Nutzungsänderung im Regenwald und des Verlusts von Kulturgut eingehen. Also auch da werden wir aktuelle Bezugspunkte bringen. Das ist mir auch wichtig für die nächsten Jahre, dass wir immer einen Anknüpfungspunkt für die relevanten aktuellen Themen gefunden wird. Und in der Kulturgeschichte ist das auch jederzeit gut möglich.

Auch jetzt liegt der Fokus ja nicht nur bei Mammuts, Gletschern und Säbelzahntigern, sondern es geht  auch um den Alltag der Steinzeitmenschen.

Dr. Morscheiser: Das waren Leute die haben gegessen und gejagt, haben sich verliebt und sind in den Bach gefallen. Das erzählen von gelebter Geschichte ist für den Lokschuppen typisch und kommt in der Eiszeit auch noch mal besonders gut rüber.

Ist das der grundsätzliche Anspruch, dass man mehr Alltagsgeschichte zeigen will?

Dr. Morscheiser: Ja, Menschen verstehen eher Dinge, zu denen sie Anknüpfungspunkte haben. Daher ist in unseren Konzeptionen immer die Frage mitgedacht: Wo ist der Berührungspunkt zwischen Besuchern und dem, was wir ausstellen. Also diese reine Faszination für das Andersartige, das Fremde funktioniert auch einfach nicht mehr so wie im 19. Jahrhundert. Einfach weil wir alle auch im hinterletzten Winkel jederzeit an Informationen kommen. Es muss eher ein Identifikationspunkt gegeben werden. Das Abholen des Besuchers ist für uns besonders wichtig.

Im Lokschuppen werden ja meistens alle Altersgruppen bedient. Soll das auch so bleiben?

Dr. Morscheiser: Auf jeden Fall und möglichst auch auf einem Erzählstrang. Also das nicht irgendwo auf Kniehöhe die Kinderbildchen sind und die Erwachsenen nur die Texte lesen, die auch nicht für Kinder gedacht sind. Die Texte sollen so sein, dass auch Kinder damit etwas anfangen können. Also eine gewisse Lockerheit mitschwingt.

Werden Sie eigentlich grundsätzliches am Konzept des Lokschuppens ändern?

Dr. Morscheiser: Never change a running System. Also ich werde mehr Feintuning machen, als nach dem Motto „Neue Besen kehren gut“ zu arbeiten. Der Lokschuppen gehört zu einem der erfolgreichsten Ausstellungshäusern Deutschlands und ich wäre glaube ich mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn ich da alles umschmeißen würde. Die Herausforderung ist mehr die Themen für die nächsten Jahre zu erkennen.

Haben Sie ein Lieblingsstück in der Eiszeit Ausstellung?

Dr. Morscheiser: Das ist eine komplizierte Frage, weil es soviel gibt und ich insbesondere an den Erzählungen hänge. Aber mein Lieblingstier wäre vermutlich das Babynashorn.

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