Die Schutzengel in Gelb: Die Rosenheimer Verkehrshelfer kennen die gefährlichen Schulwege

Mit Kelle und Warnwesten ausgestattet sind sie nicht zu übersehen: Polizeioberwachtmeister Thomas Unterlinner (von links), Hans Polland, der Vorsitzende der Verkehrswacht, und Polizeihauptmeisterin Maria Thome.
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Mit Kelle und Warnwesten ausgestattet sind sie nicht zu übersehen: Polizeioberwachtmeister Thomas Unterlinner (von links), Hans Polland, der Vorsitzende der Verkehrswacht, und Polizeihauptmeisterin Maria Thome.

Gefahren im Straßenverkehr lauern überall – besonders auf dem Schulweg, weiß Hans Polland, Vorsitzender der Verkehrswacht Rosenheim. Deshalb sind 235 Eltern als Verkehrshelfer im Einsatz, mit Warnwesten und Sicherheitskellen. Drei Wochen lang steht auch die Polizei Rosenheim den Verkehrshelfern zur Seite, so auch an der Grund- und Mittelschule Fürstätt.

Von Anna Hausmann

Rosenheim –

Vom Ende der Straße leuchtet bereits das Gelb der Warnweste entgegen. Auf der Straße schlängeln sich die Autos hindurch, es ist viel los. Hier ist zwar Tempo 30 angesagt, doch die Motoren der Autos röhren auf. Im Gänsemarsch gehen drei Kinder zum Zebrastreifen auf Höhe der Schule. Ihre Schulranzen wippen auf und ab. Mit zwei großen Schritten ist Heather Heinz den dreien voraus. Sie läuft über die Straße, breitet die Arme aus. Klares Signal für die Autofahrer: Stopp. Jetzt erst einmal die Fußgänger passieren lassen. Blick nach links, rechts links. Die Kinder laufen über den Asphalt.

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235 Verkehrshelfer in Rosenheim

„Immer wieder sehe ich Kinder, die ganz alleine in die Schule kommen“, berichtet Heinz. Sie selbst hat eine neunjährige Tochter, sie geht in die dritte Klasse. Alle zwei Wochen hilft die Mutter anderen Kindern über die Straßen, jeweils eine halbe Stunde lang. „Die Eltern hinter dem Steuer sind diejenigen, die die großen Fehler machen“, sagt sie. Heather Heinz ist eine der insgesamt 235 Verkehrshelfer im Stadtgebiet Rosenheim, wie Hans Polland erklärt. Seit über 20 Jahren arbeite die Verkehrswacht bereits mit den Eltern zusammen. „An manchen Schulen haben wir auch ältere Schüler, die den jüngeren über die Straße helfen.“ Die helfenden Hände zahlten sich aus: „Die Verkehrshelfer haben enorm zur Schulsicherheit beigetragen“, ist der Vorsitzende der Verkehrswacht überzeugt. „Zehn Jahre in Folge hat in Rosenheim kein Schulkind einen Unfall gehabt.“ Hans Polland kennt die Straßen in Rosenheim in- und auswendig.

Gefährliche Stellen für Fußgänger

Besonders in der Ebersberger Straße, der Rechenauer Straße in der Erlenau und rund um die Schule in Pang sei erhöhte Vorsicht geboten. Das hat auch einen triftigen Grund: „Wir nennen sie Elterntaxis, ein Verkehrsproblem an den Schulen“, erklärt Polizeioberwachtmeisterin Maria Thome. Sie und ihr Kollege Polizeioberwachtmeister Thomas Unterlinner helfen in den ersten Wochen noch an den Schulen aus. Die Polizeiuniform zeigt ihre Wirkung: Eine Mutter ruft ihrem Kind zu: „Komm lauf, wenn das schon die Polizei sagt!“ Wieder fährt ein Elterntaxi vorbei. Oft seien die Erwachsenen unter Zeitdruck und möchten das Kind nur schnell aus dem Auto lassen, weiß Thome. Der Motor laufe derweil weiter. Häufig seien sie dann noch am Handy. Der Straßenverkehr wird zur Nebensache. Die Eltern möchten ihr Kind möglichst nah ans Schulgebäude bringen. „Eltern müssen verstehen, dass sie ihr Kind nicht bis in die Aula kutschieren können“, so Thome. Am Gries gilt deshalb extra das Halteverbot, Väter und Mütter sollen in den Seitenstraßen parken. „Die Kinder können auch mal 300 Meter mehr gehen.“ Doch auch im Auto selbst seien die Kleinen oft nur unzureichend gesichert, säßen sogar mit dem Schulranzen auf ihren Sitzen.

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Schulwegtraining für Kinder

Die Polizei setzt auf ein ausführliches Schulwegtraining: „Wir haben schon im Vorfeld in den Kindergärten und haben mit den Eltern gesprochen.“ Es gebe einige grundlegende Regeln im Verkehr: Die Schüler sollten gemeinsam mit den Verkehrshelfern oder den Schülerlotsen über die Straße gehen, dabei den Zebrastreifen benutzen. „Der Zebrastreifen ist kein Freifahrtschein, auch hier müssen die Kinder Acht geben.“

Vorsicht auch auf dem Fahrrad

Besonders Rechtsabbieger hätten oft nicht den Fußgängerübergang im Blick. Deshalb der Rat an die Kinder: Erst Blickkontakt zum Fahrer suchen, dann die Straße überqueren. Auch mit dem Fahrrad sind viele Kinder unterwegs. Gerade fährt einer, ohne abzusteigen, quer über die Straße, ein paar Meter neben ihm liegt der Zebrastreifen. „Wo ist denn dein Helm?“ „Ich werde mir einen besorgen“, antwortet er etwas kleinlaut.

Ecke Äußere Münchener Straße

Die nächste Radfahrerin wird angehalten, sie hat kein Licht. Die Polizistin gibt dem Mädchen einen Reflektor für das Handgelenk. Sie tritt in die Pedale, weiter gehts. Einige Meter weiter, in die Äußere Münchener Straße. Von jeder Seite kommen die Autos. Die Menschen tummeln sich an der Ampel, warten auf Grün. „Eine besonders gefährliche Situation für die Fußgänger“, meint der Vorsitzende der Verkehrswacht. Noch vor einigen Jahren waren hier besonders viele Kinder unterwegs, die im Asylheim untergebracht waren. Seitdem seien die Verkehrshelfer an dieser Stelle vermehrt im Einsatz. Gleich geht die Schule los. Einen Nachzügler bringt die Polizei noch sicher über die Straße. Sie winken ihm hinterher: „Viel Spaß in der Schule!“

235 Verkehrshelfer sind in Rosenheim im Einsatz.
Klares Signal für die Autofahrer: Anhalten.

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