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Neue Ausstellung in Rosenheim

„Ro-lympisch `72“: Die Olympischen Spiele der Rosenheimer

Dr. Evelyn Frick, Lydia Zellner und Elisabeth Rechenauer. Sie haben zusammen mit Museumsleiter Walter Leicht die Ausstellung entwickelt und realisiert.
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Dr. Evelyn Frick, Lydia Zellner und Elisabeth Rechenauer. Sie haben zusammen mit Museumsleiter Walter Leicht die Ausstellung entwickelt und realisiert.
  • VonKarin Wunsam
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Ab dem 02. Juni wird im städtischen Museum Rosenheim eine Ausstellung über Olympia 72 zu sehen sein. Denn die Spiele waren nicht nur in München. Die Rosenheimer haben einen nicht unwichtigen Teil dazu beigetragen.

Rosenheim – Olympia 1972 in München: Die heiteren Spiele, aber auch das Attentat sind in der kollektiven Erinnerung fest verankert. Es gibt aber noch einen Aspekt, der sich eher selten in den Geschichtsbüchern findet: Olympia 1972 waren auch die Spiele der Rosenheimer. Viele wirkten vor und noch viel mehr hinter den Kulissen mit. Das Städtische Museum Rosenheim widmet ihnen anlässlich des Jubiläums die Sonderausstellung „Ro-lympisch `72“.

Am 26. April 1966 bekam die Stadt München den Zuschlag für die Olympischen Spiele 1972. Sechs Jahre blieben bis zur Realisierung. Extrem wenig Zeit für ein derart großes Projekt. Aber es gelang und setzte in vielen Bereichen sogar völlig neue Maßstäbe. „Es war beispielsweise das erste Mal, dass es ein in sich geschlossenes Konzept für Werbung und Kleidung aller Mitwirkenden gab“, erzählt Museumsleiter Walter Leicht, der das Konzept für die Ausstellung zusammen mit der Historikerin Lydia Zellner und den beiden Kunsthistorikerinnen Dr. Evelyn Frick und Elisabeth Rechenauer entwickelt und realisiert hat.

In Konkurrenz zum Herbstfest

Jedes der Exponate, das bei der Sonderausstellung gezeigt wird, ist mit persönlichen Erinnerungen verknüpft. Das fängt bei der olympischen Fackel an, die zur Einstimmung auf das Großereignis vor 50 Jahren von Vertretern der Rosenheimer Sportvereine durch die Stadt getragen wurde. Dann gibt es eine Reihe von privaten Andenken zu bewundern. Die Bandbreite reicht von Eintrittskarten über Kugelschreiber und Briefbeschwerer bis hin zu Gläsern mit den olympischen Motiven. Nicht fehlen darf natürlich der „Waldi“. Der bunt gestreifte Dackel war das erste offizielle Maskottchen einer Olympiade und fand weltweit viele kleine und große Fans.

Zu den vielen Exponaten gehören auch die Original-Sakko der Olympia-Kampfrichter.

Anfänglich hielt sich die Freude über die Olympischen Spiele in München bei einigen Rosenheimern aber noch sehr in Grenzen, wie Zeitungsausschnitte des Oberbayerischen Volksblattes aus dieser Zeit belegen. Hauptkritikpunkt war der zeitgleiche Beginn der Spiele und dem Rosenheimer Herbstfest. „Zwischen 15 und 18 Uhr bemerkten wir einen deutlichen Rückgang“, wurde Hans Engelhard, damaliger Geschäftsführer des Wirtschaftlichen Verbandes, am Tag nach der Eröffnungsfeier zitiert.

Das Olympia-Siegerboot des DDR-Sportlers Siegbert Horn, angefertigt von der Rosenheimer Firma Prijon.

Ein Hingucker sind auch die privaten Fotos aus dieser Zeit, wie beispielsweise des Rosenheimers Armin Gromann. Der damals 30-jährige Masseur und Sportphysiotherapeut war einer von 42 Experten, die im Olympia-Ärztezentrum für die Fitness der Sportler aus aller Welt zuständig waren. Groman verhalf zum Beispiel Josef Neckermann, der es zu dieser Zeit „im Rücken hatte“. Dank Stützverband von Gromann konnte der Grand Seigneur des deutschen Dressur-Reiterteams gleich zwei Medaillen abgreifen.

Passgenau an den Hintern angepasst

Auch viele Rosenheimer Firmen waren stark in die olympischen Spiele in München eingebunden. Für die Firma Kathrein war „Olympia“ der große Praxistest für die noch junge Technologie „Kabelfernsehen“. Schon im Vorfeld waren Kathrein-Mitarbeiter deshalb mit Installationen und Vorbereitungen auf dem Gelände in München beschäftigt. Erstmals wurde dann in der Geschichte Olympias weltweit, live und in Farbe über die Wettkämpfe berichtet. Damit dabei nichts schief ging, mussten 26 Techniker von Kathrein während der Spiele rund um die Uhr vor Ort im Einsatz sein.

Zu den ganz besonderen Exponaten gehört das Olympiasiegerboot des DDR-Sportlers Siegbert Horn zu erzählen. Angefertigt wurde es von der Rosenheimer Firma Prijon. Auffällig dabei die Innenschale. „Sie wurde exakt an das Hinterteil von Siegbert Horn angepasst“, weiß Lydia Zellner. Letztendlich verhalf ihm dieses kleine Detail zum Sieg. Dabei waren die deutschen Kajakfahrer im Vorfeld völlig siegessicher. Hatten sie doch durch den Bau des neuen Eiskanals als Wettbewerbsstrecke einen enormen Vorteil gegenüber den anderen Sportlern: „Sie konnten als Einzige schon im Vorfeld ausgiebig auf dieser Strecke trainieren. Leider wurde unser Eiskanal von der DDR exakt nachgebaut. Damit war dann auch dieser Vorteil weg.“

„Die Wespentaille war Grundvoraussetzung, um als Hostess bei diesen Spielen mitwirken zu dürfen“

Besonders stolz ist das Museumsteam auf die Original Kleidungsstücke. Die Schuhe der Olympia-Hostessen kamen ebenfalls aus Rosenheim. Die Hostessen durften sich weiße oder cremefarbenen Modelle der Firma Gabor aussuchen. Die berühmteste Hostess war Silvia Renate Sommerlath, die heutige Königin Silvia von Schweden. Sie trug das bekannte Olympia-Dirndl in hellblauer Farbe – auch dieses Modell ist in der Sonderausstellung zu sehen. Außerdem auch drei Dirndlkleider von der Siegerehrung. Auffallend bei allen Dirndln ist die extrem schmale Taille. So schmal, dass das Museumsteam Probleme hatte, sie den Styropor-Körpern anzuziehen. „Die Wespentaille war Grundvoraussetzung, um als Hostess bei diesen Spielen mitwirken zu dürfen“, so Lydia Zellner.

Spuren von Olympia im Stadtbild

Das Olympia-Attentat vom 5. September 1972 auf die israelische Mannschaft greift die Ausstellung gezielt nur mit einem Wandplakat auf. Darauf abgedruckt ist die Berichterstattung über diesen tragischen Vorfall am 11. Tag der Spiele im Oberbayerischen Volksblatt. „Natürlich muss auch diesem schrecklichen Ereignis Raum in einer solchen Ausstellung gegeben werden. Aber Fokus unserer Sonderausstellung liegt klar auf Rosenheim. Wir wollen vermitteln, wie die Rosenheimer die Spiele erlebt haben, wie dieses Großereignis unsere Stadt geprägt hat und was davon erhalten geblieben ist“, erklärt Walter Leicht. Erhalten geblieben ist beispielsweise die Bogenschützen-Skulptur des Oberaudorfer Bildhauers Joachim Berthold vor der Luitpoldhalle in Rosenheim.

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