Kinder in der Pandemie

Die Ferienzeitung der Familie Prokop/Zeitz aus Rosenheim: Zusammenhalt trotz Corona-Abstand

Haben auch in den Ferien alle Hände voll zu tun: Jakob und Johanna Zeitz arbeiten gemeinsam an ihrer Schülerzeitung.
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Haben auch in den Ferien alle Hände voll zu tun: Jakob und Johanna Zeitz arbeiten gemeinsam an ihrer Schülerzeitung.

Die Geschichte einer Familie, die sich auch durch die räumliche Trennung nicht davon abhalten lässt, an einem gemeinsamen Projekt zu arbeiten.

von Rebecca Seeberg

Rosenheim – Es wird die Wintersportler unter den OVB-Lesern trösten zu wissen, dass es auch zum Jahreswechsel 1988/1989 „zum Nicht-Aushalten-mit-dem-Wetter“ war. Das berichtet der damals 14-jährige Clemens Prokop in der von ihm ins Leben gerufenen FeZ (Ferien-Zeitung). Auch dieses Jahr ist es zum „nicht-Aushalten“ mit den Ferien: kein Schnee und kein Silvester in großer Runde – da könnte man durchaus Trübsal blasen. Nicht so Familie Prokop/Zeitz. Sie zeigt, wie es auf äußerst kreative Art und Weise gelingen kann, trotz Abstand zusammenzuhalten.

Gerührt über alle Socken

Der ehemalige FeZ-Wetterfrosch Clemens Prokop ist mittlerweile Papa und Onkel – die FeZ-Schreibmaschine hat er schon lange nicht mehr aktiviert. Umso erstaunter ist er, als in den Pfingstferien 2020 eine Neuauflage der Zeitung ins Haus flattert. „Ich war gerührt über alle Socken“, so der Mittvierziger.

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Die treibende Kraft hinter der Wiederbelebung der Zeitung ist seine Nichte, die 13-jährige Johanna Zeitz. Im Unterschied zum Onkel Clemens, dem nur dessen Schwester Ulla bei der Redaktionsarbeit helfen durfte, zieht Johanna jetzt die gesamte junge Generation der Familie mit an Bord. „Wir Cousins und Cousinen machen was gemeinsam“, so die 13-Jährige. Darum geht es den sechs Kindern, die über Rosenheim, Wasserburg und die Schweiz verstreut wohnen und sich durch die Pandemie kaum noch sehen. Trotz Altersunterschied – die jungen Nachwuchsjournalisten sind zwischen fünf und 13 Jahren alt – stellen die Kinder stets zur Ferienzeit eine Zeitung auf die Beine. Auch für die Weihnachtsausgabe liefen die Druckerpressen auf Hochtouren.

Änderungen und Deadlines

„Das ist so viel Arbeit für ein paar Blätter Papier“, so Johanna zu ihrem Redaktionsalltag. Sie erzählt von Last-Minute Änderungen, seufzt über Formatierungstücken, muss Deadlines einhalten und allem voran sich oft mit ihren Mitredakteuren absprechen. Die junge Journalistin weiß auch, was ein gutes Redaktionsteam ausmacht: „Die Zusammenarbeit – dann kann man, obwohl man gar nicht am selben Ort ist, zusammen etwas schaffen.“ Die Cousinen und Cousins treffen sich über Kinderpunsch und Plätzchen in online Meetings zur Ideenfindung.

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So entsteht zum Beispiel die Anleitung zum Steine-Flitschen von Cousine Victoria (8), Abenteuergeschichten von Cousin Jonathan (12), Bildergeschichten vom Bruder Jakob (7), Illustrationen von Cousin Leonhard (5), ja sogar übers Spiegelei braten erfährt man etwas von der Cousine Magdalena (10).

Noch keine Leserbriefe oder Anregungen

Ob es schon Leserbriefe oder Anregungen vonseiten der Leserschaft gab? Das Herumdrucksen der Kinder lässt auf ein „eher nicht“ zurückschließen. Schon Onkel Clemens hatte mit dem schweigenden Publikum zu kämpfen. Zur Neuauflage der FeZ als „Super-FeZ“ im Winter 1989 erläutert er dem Leser: „Ohne Ihre großzügige Unterstützung anlässlich der früheren Ferien-Zeitungen wäre es nicht möglich gewesen, Ihnen zum Teil professionelle Überschriften zu servieren. Das Zeug kostet nämlich Geld! Aber für Sie tun wir ja alles. Auch, wenn Sie nichts für uns tun. (Leserbriefe, neue Leser, Reiseberichte, Gedichte…).“

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Wenig später überrumpelt er sein Publikum mit dem Vorschlag die FeZ in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln – und wirbt kühn um Fremdbeteiligung: „Also, bitte, ans Werk!“ Mit dieser Strategie brachte es der Onkel über die Jahre zu einer stolzen Auflage von 250 Exemplaren und einiger Bekanntheit im Landkreis Rosenheim. Unter anderem schrieb auch das OVB über den arbeitswütigen Jung-Journalisten.

Spielerische Kreativität hilft

Genau wie der Onkel damals sind auch Johanna und Jakob in den Ferien vollauf beschäftigt. Das Wort „Langeweile“ kennen die Kinder nicht mehr seit es die FeZ gibt. Mit deren Wiederbelebung haben sie sich aus drögen Ferien ohne ihre Cousins und Cousinen gerettet.

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Sogar die Jüngsten in der Familie hat das Schreibfieber gepackt. Als Jakob für zwei Wochen in Quarantäne muss, da es einen Corona-Fall in seiner Klasse gab, gründet er kurzerhand die „Quarz“, kurz für Quarantäne-Zeitung – ein Spin-Off der FeZ. Clemens Prokop erinnert sich gut an dieses neuronale Feuerwerk mit dem Kinder einfach machen. Gerade jetzt helfe diese spielerische Kreativität ihm und seiner Familie über die Schwere der Zeit.

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