Diamantene Hochzeit in Rosenheim: Blumen müssen sein – trotz Corona-Krise

Ein weiter Blick zurück:Vor 60 Jahren hat sich das Paar in der Rosenheimer Christkönig-Kirche das Ja-Wort gegeben.

Seit 60 Jahren sind Rosemarie und Karl-Hubert Hiestand verheiratet. Ihre Diamantene Hochzeit haben sie sich ganz anders vorgestellt.

Rosenheim – Seit der Corona-Krise ist vieles anders. Auch für Rosemarie (83) und Karl-Hubert (81) Hiestand aus Rosenheim. Eigentlich wollte das Paar seine Diamantene Hochzeit groß feiern, mit der Familie anstoßen. Doch die Feier musste aufgrund der Corona-Verordnung verschoben und die Gäste wieder ausgeladen werden.

Karl-Hubert Hiestand redet viel und gerne. Auch am Telefon. Er erzählt von seinem Leben, der Hochzeit vor 60 Jahren und der großen Familie. Vergisst er eine wichtige Information, schaltet sich seine Frau Rosemarie ein. Dann legt Karl-Hubert Hiestand den Hörer kurz zur Seite, hört seiner Frau aufmerksam zu und gibt im Anschluss alles Wort für Wort wieder. Die beiden scheinen ein eingespieltes Team zu sein, kein Wunder nach 60 Jahren Ehe.

1960 Heirat in der Christkönig-Kirche

Wie genau sich die beiden kennengelernt haben, wissen sie heute nicht mehr. Karl-Hubert Hiestand erinnert sich lediglich daran, dass er Rosemaries Mutter öfters „auf dem Weg zur Arbeit getroffen“ haz. Sie habe ihn als „netten, jungen Mann“ bezeichnet, als einen „den sie gern als Schwiegersohn“ hätte.

Er lacht, erinnert sich gern an diese Momente. Daran wie sich die beiden im April 1960 das Ja-Wort in der Christkönig-Kirche gegeben haben. Es sei eine kleine Hochzeit gewesen, im engsten Familienkreis.

Nach der Hochzeit machte sich das Paar auf die Suche nach einer größeren Wohnung. Auch weil Rosemarie schwanger war, sie mehr Platz brauchten. Doch vieles sei „zu teuer“ gewesen, habe den beiden nicht auf Anhieb gefallen.

„Und dann hat meine Frau auf einmal einen Fünfer im Lotto gehabt“, sagt Karl-Hubert Hiestand. Groß sei die Freude damals gewesen, das Paar um 25 000 Mark reicher. Das Geld sei die Grundlage für den Kauf ihres Hauses gewesen, in dem sie auch 55 Jahre später noch wohnen.

Über die Jahre kamen die drei Kinder zur Welt – zwei Töchter und ein Sohn. Während Rosemarie zu Hause blieb und „die Kinder groß zog“, ging es für Karl-Hubert Hiestand zur Arbeit. Er hatte Schriftsetzer gelernt, arbeitet beim Oberbayerischen Volksblatt als Stereotypeur. Fast 50 Jahre lang hat er sich darum gekümmert, dass die Menschen jeden Morgen eine druckfrische Zeitung in den Händen halten konnten.

Seine Freizeit verbrachte das Paar in den Bergen. Die Eheleute unternahmen unter anderem Ausflüge auf den Heuberg und die Hochries. Im Urlaub ging es mit der ganzen Familie nach Italien. „Wir haben schon immer viel Zeit mit der Familie verbracht“, sagt Karl-Hubert Hiestand. Mittlerweile ist die Familie um einige Mitglieder gewachsen: Das Paar hat sieben Enkel und zehn Urenkel.

Ohne Gemeinschaft geht es nicht

Sie alle waren eigentlich eingeladen, um die Diamantene Hochzeit der beiden gebührend zu feiern. Doch wegen Corona musste alles abgesagt werden. „Dass holen wir später nach“, sagt Karl-Hubert Hiestand. Geplant sei eine Messe in der Kirche, anschließend ein gemütliches Beisammensein.

Und auch wenn der Ehrentag nicht so abläuft, wie geplant, wollen sie das Beste aus dem Tag machen. „Es hilft, dass wir zusammen sind“, sagt Karl-Huber Hiestand. Weil er zur Corona-Risikogruppe gehört, hat er seine Kinder beauftragt, einen Blumenstrauß für seine Frau zu kaufen. Denn einen Hochzeitstag ohne Blumen habe es in den vergangenen 60 Jahren nie gegeben – davon halte ihn auch Corona nicht ab.

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