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Interview mit Holztechnik-Professor Martin Illner

„Mit dem Maibaum-Killer auf der Drehleiter“ - Über die Geheimnisse einer bayerischen Tradition

Dr. Martin Illner ist Professor für Holzbau und Ausbau an der Technischen Hochschule Rosenheim und wird Deutschlands „Maibaum-Papst“ genannt.
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Dr. Martin Illner ist Professor für Holzbau und Ausbau an der Technischen Hochschule Rosenheim und wird Deutschlands „Maibaum-Papst“ genannt.
  • VonThomas Stöppler
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Zu dem Spitznamen Maibaum-Papst muss man erstmal kommen – vor allem wenn man das ein oder andere Mal auch für das Fällen eines Maibaums verantwortlich ist und deshalb dann auch Maibaum-Killer genannt wird. Wie er die Spitznamen findet und wie man die Stabilität eines Maibaums erkennen kann, erklärt Professor Martin Illner von der TH Rosenheim im Interview.

Wie wird man denn eigentlich Maibaum-Papst?

Professor Martin Illner: Seit 1997 bin ich öffentlich vereidigter Sachverständiger bei der IHK. Damals ist in der Nähe von Augsburg ein Maibaum in ein Haus gestürzt und die Versicherung fragte bei meinem ehemaligen Professor an. Der hatte in den 80er Jahren mal ein Gutachten über einen Maibaum erstellt. Augsburg war ihm jedoch zu weit und so verwies er an mich.

Wer bestellt denn die Gutachten?

Illner: Haftbar für den Maibaum ist in der Regel nicht der Trachtenverein, der ihn aufstellt, sondern der Grundstücksbesitzer. Das ist oft die Kommune und deren Versicherung verlangt das Gutachten.

Lässt sich denn als Laie erkennen, ob ein Maibaum sicher steht?

Illner: Ein paar Dinge kann man schon sehen. Zum Beispiel, wenn man auf die Gestelle schaut. Die sind meistens ja recht alt, was aber nichts ausmacht. Aber dadurch, dass es immer mehr Wettbewerb um die Maibäume gibt, also wo steht der Größte und so weiter, sind die Gestelle oft zu klein. Die Maibäume werden deshalb am unteren Ende verjüngt, damit sie in den Maibaumständer passen. Das geht oft auf Kosten der Stabilität.

Schweres Gerät: Ein Kran hievt den 4,2 Tonnen schweren Maibaum in seine Halterung hinein. Ruprecht

Kann man auch erkennen, ob das Holz in einem guten Zustand ist?

Illner: Zumindest ein wenig. Die meisten Maibäume in Bayern sind ja lackiert – hier in der Region weiß-blau, in Franken meist rot-weiß. Wenn jetzt Risse im Holz entstehen, was ganz normal und eigentlich nicht weiter bedenklich ist, kann eindringende Feuchtigkeit nicht mehr heraus. Umgangssprachlich sagt man, das Holz wird vom Lack erstickt. Die erhöhte Feuchtigkeit sorgt dann unter Umständen für Pilzbefall. Das kann man sich vorstellen wie ein Steinschlag am Auto: Da ist nur ein kleiner Kratzer im Lack, aber durch den dringt Wasser ein und unter dem Lack rostet das ganze Auto.

Und der Pilzbefall ist sichtbar?

Illner: Das sieht freilich nur der Fachmann. Das Holz bekommt Wellen und mit dem richtigen Werkzeug oder auch mal einem Taschenmesser, kann man dann leicht herausfinden, ob der Baum Pilzbefall hat und wie stark dieser ist.

Kommt das oft vor?

Illner: Ich habe dieses Jahr etwa 20 bis 30 Maibäume geprüft und jeder dritte bis vierte musste wieder abgebaut werden. Die meisten davon waren lackiert. In Großholzhausen bei Raubling wird der nächste Maibaum auch deshalb nicht mehr lackiert.

Für die Aufsteller ist das doch eine Katastrophe

Illner: Die sind da inzwischen gut organisiert. Ich prüfe auch im April kaum einen Baum. Die meisten prüfe ich im Januar, Februar. Da bleibt genug Zeit, einen neuen Baum aufzustellen.

Aber bei einem negativen Gutachten wird doch bestimmt diskutiert

Illner: Diskutiert wird schon, aber ich nehme die Leute mit hoch und schauen uns das gemeinsam an. Dann verstehen die allermeisten das. Im Zweifelsfall hole ich dann noch ein Messgerät, das zeigt, wie krank das Holz ist. Ab da ist jede Diskussion vorbei.

Hatten Sie denn schon vorher eine Verbindung zu Maibäumen?

Illner: Nein, eigentlich nicht. Aber mit der Arbeit entwickelt man da natürlich eine Affinität. Und außerdem erlebe ich immer wieder auch lustige Geschichten.

Zum Beispiel?

Illner: Einmal habe ich mit einer Drehleiter der Feuerwehr einen Maibaum geprüft und schon als ich aus dem Auto ausstieg, kam ein etwa Achtjähriger auf mich zu und sagte: „Dich kenn ich, du warst im Fernsehen, du bist der Maibaum-Killer.“ Der Junge war ganz fasziniert und in Absprache mit Vater und Feuerwehr habe ich ihn dann mit der Drehleiter hochgenommen. Er wurde immer stiller, desto höher wir kamen, aber am Ende sagte er zu seinem Vater: „Ich werde auch mal Maibaum Gutachter.“ Und dann bekam einige Zeit später einen Brief mit Kinderschrift. Der Bub hatte mir seinen Aufsatz über sein schönstes Ferienerlebnis geschickt: „Mit dem Maibaum-Killer auf der Drehleiter“.

Maibaum-Killer ist ja nicht so ein schöner Name wie Maibaum-Papst

Illner: Ich finde das total witzig. Beide Namen hängen mir nach, der eine mehr in der Presse und der andere mehr am bierseligen Stammtisch.

Gehen Sie eigentlich selbst auch auf Maibaumfeste oder haben Sie dann genug von Maibäumen?

Illner: Genug habe ich von Maibäumen eigentlich nie. Aber ich kann ja nicht zu dem Einen gehen und mich einladen lassen und beim anderen fern bleiben.

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