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Immer in Bewegung bleiben

Der Rosenheimer Adalbert Wilhelm wird 100 – und verrät sein Geheimnis eines langen Lebens

Hoher Besuch zum 100. Geburtstag Rosenheims dritte Bürgermeisterin Gabriele Leicht überreicht Adalbert Wilhelm einen Blumenstrauß zum Jubiläum.
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Besuch zum 100. Geburtstag: Rosenheims dritte Bürgermeisterin Gabriele Leicht überreicht Adalbert Wilhelm einen Blumenstrauß zum Jubiläum.

Sein Weg nach Rosenheim war steinig und eisig: Im wahrsten Sinn des Wortes: Aufgewachsen im ehemaligen Jugoslawien, schloss sich Adalbert Wilhelm der Wehrmacht, wurde in Russland verwundet und landete anschließend in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Doch mit dem Ende des Krieges brachen bessere Zeiten an.

Von Kilian Schmöller

Rosenheim – In großen, goldenen Luftballons prangt die Zahl 100 vor Adalbert Wilhelms Haustür in der Carl-Orff-Straße. Am Donnerstag gratulierte Rosenheims dritte Bürgermeisterin Gabriele Leicht dem Jubilar von ganzem Herzen zum Geburtstag. Im ehemaligen Jugoslawien geboren blickt der gelernte Schreiner auf ein bewegtes Leben zurück.

Übungen in derFrüh halten fit

Sein Rezept fürs hohe Alter: „Immer in Bewegung bleiben. Ich mache auch in der Früh immer noch Übungen. Da kracht’s zwar überall, aber danach geht es mir gut“, berichtet Wilhelm. So hat er sich über all die Jahre fit gehalten und gehört auch noch lange nicht zum alten Eisen: „Ich fahre immer noch mit dem Rad, koche und kümmere mich um den Haushalt.“ Unterstützung bekommt er dabei von seiner Tochter, seinen vier Enkeln und zwei Urenkeln.

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In seinem langen Leben hat Wilhelm bereits einen weiten Weg zurückgelegt. Aufgewachsen im ehemaligen Jugoslawien, nah der ungarischen Grenze, hat er bereits früh seine Eltern verloren. In seiner Jugend kam er dann zur Musterung nach Ungarn, ohne auch nur ein Wort Ungarisch zu sprechen. Nach einiger Zeit schloss er sich aber mit etwa 20 Gleichaltrigen der deutschen Wehrmacht an. So wurde er von 1942 bis 1944 in Russland stationiert und dort von einem Durchschuss am Knie schwer verwundet.

Kriegsgefangenschaft in Österreich

Nach einjähriger Kriegsgefangenschaft durch die Amerikaner in Österreich zog Wilhelm zu seinen Verwandten nach Vogtareuth. Dort lernte er 1946 seine Frau Ottilie kennen, die er noch im selben Jahr heiratete. Als Schreiner konnte er sein Handwerk auch hier in der Region weiter ausüben. Vor seiner Rente wechselte Wilhelm aber noch einmal den Beruf. Bis zur Pensionierung arbeitete er am Fließband der Firma Kathrein.

Hochzeitsfoto von 1946: Seiner Ehefrau Ottilie hielt Adalbert Wilhelm bis zur deren Tod die Treue.

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Nach der Hochzeit mit seiner Frau ließ das Familienglück nicht lange auf sich warten. Mit ihren beiden Töchtern – geboren 1947 und 1956 – zog die Familie dann in den 50ern nach Rosenheim. 30 Jahre lebte Wilhelm mit seiner Frau in einer kleinen Wohnung in der Wasserburger Siedlung. 1962 sollte die Familie Wilhelm bereits um ein weiteres Mitglied wachsen, und aus den beiden Eltern wurden frühe Großeltern.

Mit dem Goggo nach Italien

Besonderer Höhepunkt für die Familie seien immer die jährlichen Urlaubsreisen gewesen. „Damals sind wir noch immer mit dem Goggo (Goggomobil, Anm. d. Red.) nach Italien gefahren. Und das zu viert in dem kleinen Auto! Außerdem mussten wir früher noch über die engen Passstraßen fahren“, erinnert sich Wilhelm. Nach 30 Jahren in der Wasserburger Siedlung beschlossen Adalbert und Ottilie Wilhelm, ihren Kindern in die Carl-Orff-Straße hinterherzuziehen.

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Dort sorgte Wilhelm für drei Jahre für seine an Alzheimer erkrankte Frau – bis zu deren Tod 2011. Seitdem komme er immer noch gut alleine zurecht, meint Wilhelm. Aber seine Familie unterstütze ihn doch sehr. Die Coronazeit sei deshalb besonders schwer für ihn gewesen. „Ich war die ganze Zeit zu Hause. Das war wie im Gefängnis“, sagt Wilhelm. Glücklicherweise erlaubt die aktuelle Regelung wieder größere Zusammenkünfte und der 100. Geburtstag konnte gemeinsam gebührend gefeiert werden.

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