Der Mann hinter dem Make-Up: Dieser Clown ist beim „Sommer in Rosenheim“ unterwegs

Rote Nase, dicke Augenbrauen und einen Schnauzer: Stefan Pillokat schlüpft in die Rollen .
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Rote Nase, dicke Augenbrauen und einen Schnauzer: Stefan Pillokat schlüpft in die Rollen .
  • vonKilian Schroeder
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Wer zurzeit durch die Rosenheimer Innenstadt geht, ist Stefan Pillokat wahrscheinlich schon über den Weg gelaufen. Wobei das nicht ganz richtig ist: Eher ist man Pippo oder tOrF begegnet – Pillokats Clownfiguren.

Rosenheim – Derzeit ist er gemeinsam mit seinem Partner Emmeran Heringer ein Teil des „Sommer in Rosenheim“ und unterhält die Passanten. „Als Kind war ich eher zögerlich“, erzählt Pillokat. Über das Schultheater bekam der Markt Schwabener Kontakt zur Bühne. „Ich war immer bei allen möglichen Events dabei und habe oft die verrückten Rollen gespielt. Die Regisseure haben das schon in mir gesehen, als es mir noch nicht so bewusst war.“ Trotzdem machte Pillokat erst einmal eine Ausbildung und arbeitete als Flugzeugmechaniker. Als er das Abitur über die Berufsoberschule nachholte, lernte er einen Münchner Artisten kennen, der ihm über eine Akrobatengruppe die Zirkusbasics beibrachte.

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Der Weg auf die Bühne

Nach einigen Jahren, in denen die beiden zusammen nebenberuflich einige Auftritte absolvierten, stieg Pillokats Kollege aus – aber Pillokat bleib dabei. „Ich habe mir dann gedacht, wenn ich noch einmal etwas mit Zirkus machen will, dann jetzt“, sagt der 53-jährige. Auf einer Feier lud er alle seine Freunde aus der Bühnenwelt ein und fragte sie nach ihrer Meinung. „Da haben mich alle unterstützt und gesagt, ich soll das machen.“ Was Pillokat nicht wusste: Sie hatten sich abgesprochen, um ihn zu bestärken. Pillokat brach das inzwischen angefangene Gartenbaustudium ab, bewarb sich bei verschiedenen Zirkusschulen. An der Schule für Clowns in Mainz wurde er schließlich genommen – eine teure Privatschule. „Aber das war goldrichtig“, sagt Pillokat. Seit 1999 ist er selbstständig als professioneller Clown. Dort lernte er auch seinen Partner Emmeran Heringer kennen. Zusammen bilden sie das Duo „RigoL&tOrF. Auch Heringer ist derzeit in der Stadt unterwegs und dabei – nicht zuletzt aufgrund seiner Stelzen – kaum zu übersehen.

Premiere des neuen Programms fiel ins Wasser

Eigentlich hatten sie für den 28. März die Premiere ihres neuen Programms geplant, die aber ausfallen musste. Jetzt sind sie gemeinsam beim „Sommer in Rosenheim“. Pillokat ist neben dem Duo auch als Klinikclown tätig oder bietet Workshops für Kinder und Erwachsene an. Er betreibt auch seine eigene Website www.pippo4all.de.

Ganz privat: Pillokat ohne Verkleidung.

„Ein Clown ist jemand, der kurzweilig Leichtigkeit und Wahrhaftigkeit vermitteln kann“, sagt Pillokat. „Einfach jemand, der einen herzhaft zum Lachen bringt.“ Das hätte man auch in den vergangenen Monaten im Lockdown brauchen können. Für ihn hat jeder Mensch einen Clown in sich. Es sei nur die Frage, ob man ihn rauslassen möchte. In den 20 Jahren, in denen er inzwischen über 1000 Auftritte in ganz Europa gespielt hat, hat auch er sich manchmal neu kennengelernt.

Die verschiedenen Rollen des Clowns

Über seine Figuren spricht er, als wären sie tatsächlich andere Personen: „Pippo ist eine Solofigur eher für Kinder, tOrF ist dagegen weniger durchschaubar und in seinem Humor auch manchmal nicht so nett“, sagt Pillokat. Sich die Figuren auszudenken könne manchmal Jahre dauern. Doch in jeder Rolle stecke auch ein Stück von ihm. Und auch wenn Pillokat mal schlecht drauf ist: „Ich lege den Schalter um, dann geht es los. Sobald die Schminke drauf ist, streife ich die Lasten des Alltags ab“, sagt Pillokat.

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Ein Clown macht die Stadt unsicher

Beim „Sommer in Rosenheim“ kann Pillokat nach fast vier Monaten Pause wieder die Menschen unterhalten. Er freut sich, dass das Konzept funktioniert. „Es gibt keine konkreten Spielorte, keine Menschentrauben. Und an jeder Ecke ist etwas Neues.“ Auch die Menschen seien offen und hätten etwas nachzuholen. Einmal sei eine ältere Frau zu den Clowns gekommen und hätte gesagt: „Wenn die Zeiten nicht gerade so wären, würde ich euch am liebsten umarmen!“

Unter Clown-Kollegen

Man merkt Pillokat die Begeisterung an, wenn er über seine Arbeit spricht. Dem Familienvater ist wichtig, auf die Menschen zuzugehen, als Clown müsse man Menschen mögen. Das überträgt er auch auf seine Kollegen. „Stefan arbeitet sehr gut, er ist kein 08/15-Kaufhausclown“, sagt Susie Wimmer, die derzeit auch als Clown in der Innenstadt unterwegs ist. „Wenn er dann wieder weg ist, ist man im ,Unterstefan‘ – so wie man im Unterzucker ist.“

Ob es nicht schwer ist, immer improvisieren zu müssen? „Das ist das, was ich am Clown sein liebe“, antwortet Pillokat. Er ist kein Schauspieler, der nur ein Skript aufsagt. „Die Situation, die Mitmenschen, die Impulse, die ich aufgreifen kann.“ Nicht jedem falle das leicht. „Je länger man dabei ist, desto besser geht das Improvisieren. Man ist als Clown erst richtig gut, wenn man alt ist.“ Stefan Pillokat muss es wissen.

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