„Der Farbe eine Bühne geben“: Berliner Künstler Tomislav Topic bei „Sommer in Rosenheim“

Tomislav Topic aus Berlin bemalt beim „Sommer in Rosenheim“ die Fassade der Posthöfe. Hinter ihm sind Linien des Rasters zu sehen, das er zur Vorbereitung mithilfe einer Hebebühne an der ganzen Wand gezogen hat.
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Tomislav Topic aus Berlin bemalt beim „Sommer in Rosenheim“ die Fassade der Posthöfe. Hinter ihm sind Linien des Rasters zu sehen, das er zur Vorbereitung mithilfe einer Hebebühne an der ganzen Wand gezogen hat.
  • vonAlexandra Schöne
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Malereien, Installationen, Farbe: Tomislav Topic (35) aus Berlin ist freischaffender Künstler. Als Teil des Duos „Quintessenz“ zeigt er Kunst auf der ganzen Welt. Sein Anliegen: Der Farbe eine Bühne bieten. Beim „Sommer in Rosenheim“ verpasst er den Posthöfen eine neue Fassade.

Rosenheim/Berlin – Tomislav Topic ist 13 Jahre alt, als er von seinen Eltern in Berlin auf eine Zeichenschule geschickt wird. Dort lernt er professionell Zeichnen, arbeiten mit Farben, räumliches Denken. 32 Jahre später ist er freischaffender Künstler. Er hat damit sein Ziel, sich selbst zu verwirklichen, erreicht. Nach Miami, Shanghai und Berlin drückt er jetzt auch Rosenheim seinen Stempel auf.

Abstrakte Malerei an den Posthöfen

„Ich bearbeite die Fassade der Posthöfe. Es wird eine abstrakte Malerei, ungefähr 200 Quadratmeter groß“, erklärt Topic am Telefon. Er ist während des Gesprächs auf der Autobahn unterwegs. Auf dem Weg nach Oberbayern, zum „Sommer in Rosenheim“.

Ölfarben sind teuer

Mit dabei: Topics Freundin, Acrylfarben und eine Leinwand. Die Wand wird ihm bei seiner Arbeit in Rosenheim als Vorlage dienen. Daheim in Berlin hat er das Motiv auf der Leinwand schon mit Ölfarben gemalt. Die Fassade der Posthöfe wird er aber mit Acrylfarben verschönern. Öl wäre zu teuer und vertrage sich nicht mit dem Material der Wand, erklärt er.

Sechs Tage bleibt Topic in Rosenheim. Gestern hat er mit der Arbeit begonnen. Täglich plant er zehn Stunden ein. Er hofft, dass ihm noch ein bisschen Zeit übrig bleibt, mit seiner Freundin die Stadt zu erkunden. Topic ist kein Fremder in Rosenheim. Dreimal war er schon hier, aber nur beruflich. 2014 war Topic bei einer Ausstellung in der Städtischen Gallerie vertreten. Außerdem erarbeitete er mit einer Mittelschule ein Kunst-Projekt und nahm an einer Podiumsdiskussion teil.

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Tomislav Topic kommt als Teil des Künstler-Duos „Quintessenz“ nach Rosenheim. Dieses gründete er mit seinem Studienfreund Thomas Granseuer an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim. Topic hat dort Farbdesign studiert. Er werde oft gefragt, was das genau sei, sagt er und lacht. Farbpsychologie, das Aufspüren von Trends, wie das menschliche Auge Farben wahrnimmt. All das lernt man im Studium an der Hochschule, erklärt er.

Jeder geht seinen eigenen Weg

„Wir waren damals eine Art ‚resozialisierte Graffiticrew‘. Wir haben versucht, etwas zu machen, das akzeptiert wird. Deshalb haben wir ‚Quintessenz‘ gegründet“, sagt Topic.

Die Installation „Golden Drown“ in Miami im US-Bundestaat Florida.

Momentan befindet sich das Duo laut dem Berliner im „Quintessenz-Abschluss“. Im Laufe der Jahre sei jeder immer mehr seinen eigenen Weg gegangen. Beide fokussieren sich auf die Arbeit als Solo-Künstler. „Das ist völlig in Ordnung“, findet Topic. „Das ist der Lauf der Dinge.“

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Er und Granseuer wurden durch die Graffitikunst verbunden. Doch das Sprayen begleitet Topic nicht erst seit dem Studium. Schon als Jugendlicher „verfällt“ er ihr. Damals sei das Wändebesprühen eine Art Ventil gewesen. Die Spraydosen sind ihm geblieben. Jahre später arbeitet er immer noch damit.

Logisch und mathematisch arbeiten

Doch nicht nur Malen und Sprayen zeichnet Tomislav Topic, den Künstler, aus. Er habe oft das Bedürfnis, logisch und mathematisch zu arbeiten. Nach einem konkreten Konzept. Deshalb entwirft er Installationen. Das sind für ihn Werke, die temporär an einem einzigen Ort ausgestellt sind.

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Die Arbeit an solch einer Installation ist für ihn manchmal aber auch ein „Kreativitätskiller“. Deshalb malt er zwischendurch. Wenn er sich „emotional ausleben“ und spontan sein will. „Es ist eine gesunde Mischung.“

Kunst in China, USA und Frankreich

Ein gutes Gespür für Farben habe er schon immer gehabt. Deshalb versuche er, während des Arbeitsprozesses die Farbe in den Vordergrund zu stellen. Er will ihr eine Bühne bieten. Die Erscheinung der Installation solle die Farbe nicht verdrängen, das ist ihm wichtig.

Seine Installationen und Bilder waren schon überall auf der Welt zu sehen. In Italien, den USA, Rumänien, China. Er hat sich damit seinen Traum erfüllt: Die Welt kennenlernen und gleichzeitig das tun, was er liebt.

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