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Den Lohn teilweise in Drogen ausbezahlt

Chef eines Handwerksbetriebs bei Rosenheim muss für mehr als zwei Jahre ins Gefängnis

Ein Drogenabhängiger hat sich eine mit Heroin aufgezogene Spritze bereitgelegt.
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Ein Drogenabhängiger hat sich eine mit Heroin aufgezogene Spritze bereitgelegt.
  • VonMonika Kretzmer-Diepold
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Zwei Helfer in einem Handwerksbetrieb bei Rosenheim bekamen mehrfach kein Geld. Stattdessen bezahlte sie der selbst drogenabhängige 44-jährige Chef mit kleinen Mengen Heroin. Vor dem Landgericht Traunstein fiel nun das Urteil gegen den Angeklagten.

Traunstein/Rosenheim – Für zwei Jahre und zehn Monate muss der 44-jährige Angeklagte hinter Gittern. Diese Strafe verhängte die Zweite Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Richter Andreas Bartschmid an der Spitze gegen den Mann.

Dabei korrigierte einer der geladenen Zeugen während der jüngsten Verhandlung seine Angaben, die er zuvor gegenüber der Polizei gemacht hatte. Er habe von seinem Chef nicht nur Heroin für seine Dienste erhalten, sondern auch Geld. „Manchmal hab‘ ich Geld gebraucht. Manchmal bin ich anders bezahlt worden.“ Er kenne den Angeklagten seit mindestens 25 Jahren: „Da sieht man, wenn jemand unter Strom steht. Wenn es mir nicht gut gegangen ist, habe ich ihn gefragt, ob er mir hilft.“

Chronifizierte Suchterkrankung

Der Zeuge bestätigte, bei der Polizei gesagt zu haben: „Ich hab‘ aufgehört, bei ihm zu arbeiten, weil er mich an der Nadel hielt.“ Gleichzeitig schränkte er ein: „Das hat der Angeklagte vielleicht nicht bewusst gemacht. Für mich war es aber so.“ Der psychiatrische Sachverständige, Dr. Stefan Gerl vom Bezirksklinikum in Gabersee, attestierte dem neunfach vorbestraften 44-Jährigen eine chronifizierte Suchterkrankung.

Im Alter von 14 Jahren habe der Angeklagte mit Haschisch begonnen, ab dem 19. oder 20. Lebensjahr mit Heroin. Der Gutachter gelangte zur Diagnose einer Opioid-Abhängigkeit – allerdings ohne Persönlichkeitsveränderungen. Der Angeklagte sei voll schuldfähig.

Staatsanwältin Teresa Barthel beantragte im Sinn der Anklage eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren. Von den 16,36 Gramm des Heroins in der Wohnung seien mindestens 40 Prozent, damit eine nicht mehr geringen Menge, zum Weiterverkauf und somit zum Handeltreiben bestimmt gewesen.

Der angebliche Eigenkonsum von drei bis vier Gramm pro Tag passe nicht mit verschiedenen Indizien zusammen. So lasse eine Haaranalyse auf einen Eigenkonsum von etwa zwei Gramm pro Tag schließen. Bei der Strafzumessung hob Teresa Barthel das weitgehende Geständnis und die Kooperationsbereitschaft des Angeklagten heraus. Andererseits sei er massiv und einschlägig vorbestraft, habe die Taten unter offener Bewährung und unter Führungsaufsicht begangen.

Verteidiger Dr. Kai Wagler aus München sah den Schwerpunkt der Vorwürfe nicht beim „Handeltreiben“ mit, sondern beim „Besitz“ von Betäubungsmitteln. Es möge Indizien geben für weiteres Handeltreiben. Diese seien jedoch „Spekulation“. Zum Eigenkonsum seien einem Suchtmittelabhängigen „keine zuverlässigen Grammangaben möglich“.

Der Anwalt forderte eine zweifache Milderung des Strafrahmens, unter anderem wegen der Aufklärungshilfe seines Mandanten. Eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren mit Bewährung sei ausreichend, schloss der Verteidiger. Bei seinem Urteil stützte sich Kammervorsitzender Andreas Bartschmid vor allem auf das Geständnis des Angeklagten.

Weitere Rauschgiftgeschäfte könnten nicht konkret nachgewiesen werden, Vermutungen reichten nicht, betonte Bartschmid. Feststellen können habe das Gericht zehn Fälle von Drogenhandel und und etwa ein Dutzend Fälle, bei denen der Angeklagte die Substanzen an seine beiden Mitarbeiter abgegeben hat. Von den 16,36 Gramm Heroin in der Wohnung habe der Angeklagte neun Zehntel selbst konsumieren und lediglich ein Zehntel verkaufen wollen.

Argumente übernommen

Der Kammervorsitzende hob heraus, man habe dem 44-Jährigen eine Milderung nach der Kronzeugenregelung zugesprochen. Bei der Strafzumessung übernahm das Gericht Argumente der Staatsanwältin wie des Verteidigers. Eine noch bewährungsfähige Strafe von bis zu zwei Jahren hielt die Kammer nicht für ausreichend.

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