Institution in der Szene

Das traditionsreiche Jazz-Lokal „Le Pirate“ in Rosenheim kämpft ums Überleben

„Le Pirate“- Wirt Thomas Jonas (links) und Wolfgang Lentner vom Kulturförderverein „Le Pirate Rosenheim“ stehen in dem Lokal am Ludwigsplatz 5. Sie kämpfen darum, die Jazz-Bar zu erhalten.
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„Le Pirate“- Wirt Thomas Jonas (links) und Wolfgang Lentner vom Kulturförderverein „Le Pirate Rosenheim“ stehen in dem Lokal am Ludwigsplatz 5. Sie kämpfen darum, die Jazz-Bar zu erhalten.
  • vonKilian Schroeder
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Eine Institution der bayerischen Jazz-Szene steht vor dem Aus: Das „Le Pirate“ war jahrzehntelang Anlaufpunkt für Musiker aus der ganzen Welt. Jetzt setzen die Corona-Beschränkungen dem Club zu. Wie Wirt Thomas Jonas und der Kulturförderverein „Le Pirate Rosenheim“ versuchen, das Lokal zu retten.

Rosenheim – .„Ich bin mit meinem Herz dabei“, sagt Thomas Jonas. Der gelernte Koch führt das „Le Pirate“ seit Januar. Eigentlich war der Plan, ab Februar wieder mit einem richtigen Betrieb loszulegen: Die Küche war neu renoviert, die Konzerte schon geplant. „Wir haben in den vergangenen zwei Jahren einen Verein zur Unterstützung des ,Pirate‘ aufgebaut. Eigentlich hatte bis hierhin alles geklappt – und dann kam Corona“, sagt Wolfgang Lentner vom Kulturförderverein „Le Pirate Rosenheim“.

Die Planungssicherheit fehlt

Ein großes Problem sei derzeit, dass sich die Beschränkungen so kurzfristig und oft änderten. „So kann man natürlich mit Künstlern schwer Konzerte vereinbaren. Da fehlt die Planungssicherheit“, sagt Lentner. Derzeit können sie kaum die Betriebskosten decken, jeden Monat ist es ein vierstelliger Betrag.

Das „Le Pirate“ besteht schon seit fast 50 Jahren. Petra Rose hatte die Bar aufgebaut und in 45 Jahren zu einem der bekanntesten Jazz-Clubs in Bayern gemacht. Neben regionalen Gruppen spielten hier auch internationale Musiker, die zwischen den großen Konzerten am Wochenende das kleine Publikum in Rosenheims „Jazz-Wohnzimmer“ suchten. 2018 entwickelte sich das „Le Pirate“ zu einem vereinsgeführten Club.

„Das ‚Le Pirate‘ ist einzigartig“

„Das ,Le Pirate‘ ist ein Dreh- und Angelpunkt der bayerischen Jazzszene“, sagt Wolfgang Hauck, Kulturreferent der Stadt Rosenheim. „Es gelingt dem Team immer wieder, mit Jazzgrößen eine außergewöhnliche Qualität aufzubieten.“ Dass das „Le Pirate“ die Corona-Zeit übersteht, will er nicht infrage stellen. Er stehe im Austausch mit dem Kulturförderverein und hoffe auf die Unterstützung der Bevölkerung. Auch Thomas Jonas schwärmt für seine Bar: „Das ,Le Pirate‘ ist so einzigartig. Hier treten teilweise Weltstars vor 30 Leuten auf.“

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Normalerweise hätten sie an die 100 Konzerte im Jahr. Jetzt können sie nur am Wochenende öffnen. Für Konzerte dürfen 22 Personen mit drei Stehplätzen in das Lokal, an die Bar noch weniger. Um 22 Uhr wird es geschlossen. „So machen wir natürlich keinen Umsatz. Vor 21 Uhr kommen kaum Leute“, sagt Jonas. Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, geht der Koch jetzt unter der Woche anderweitig arbeiten. Wenn sich die Situation nicht bald verbessert, wird er das „Le Pirate“ schließen müssen.

„Le Pirate“ bleibt im Gespräch

Schon während des Lockdowns hat sich der Kulturförderverein einiges ausgedacht, damit das „Le Pirate“ im Gespräch bleibt. Mit dem Regionalfernsehen Oberbayern produzierten sie die Serie „Jazz-Cooks“, in der in der Bar über bekannte Jazz-Musiker gesprochen wird und Jonas ein dazu passendes Gericht kocht. Außerdem wirkten sie in einem amerikanischen Dokumentarfilm mit. In Zusammenarbeit mit der Stadt organisierte der Förderverein im Rahmen von „Sommer in Rosenheim“ ein Open-Air Konzert am Ölberg.

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Sie hätten viel Unterstützung erfahren. „Manche Musiker spenden ihre Gage, obwohl sie zurzeit selbst in finanziellen Schwierigkeiten sind“, sagt Lentner. Auch Spenden oder einen Mieterlass hätten sie schon bekommen. Maler aus der Region stiften Bilder, die in einer Auktion ersteigert werden können – das Geld kommt dem Erhalt des „Le Pirate“ zugute.

Zusammenhelfen, um das Lokal zu retten

Unter dem Motto „KIES – Kunst ist Ehrensache“, hoffen Lentner und Jonas, dass sich noch mehr Menschen an der Rettung von Rosenheims „Jazz-Wohnzimmer“ beteiligen. „Wenn wir 50 Leute haben, die jeden Monat 20 Euro spenden, dann können wir schon mal die Betriebskosten decken“, sagt Lentner. Dazu fehlen im Moment noch einige hundert Euro.

Kleine Konzerte können derzeit noch stattfinden. Kommenden Freitag, 30. Oktober, spielt der österreichische Sänger Harry Ahamer im Akustik-Duo zusammen mit Markus Marageter im Le Pirate“. Jeder, der Karten reserviert hat, soll laut Lentner am Tag des Konzerts seine E-Mails checken. Hier würden Beginn und eventuelle Corona-bedingte Änderungen bekanntgegeben.

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