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Interview

Das sagt der Chef der Rosenheimer Leibspeise zu den aktuellen Preisentwicklungen

Will auch weiterhin für seine Kunden da sein: Der Leiter der Rosenheimer Leibspeise, Peter Kaiser.
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Will auch weiterhin für seine Kunden da sein: Der Leiter der Rosenheimer Leibspeise, Peter Kaiser.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Der Ukraine-Krieg macht sich auch im Geldbeutel bemerkbar, vor allem bei jenen, die ohnehin schon mit wenig Geld auskommen müssen. Im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen erläutert der Chef der Rosenheimer Leibspeise, Peter Kaiser, wie sich dies auf seine Arbeit und die seiner Mitarbeiter auswirkt.

Rosenheim – Der Preisanstieg bei Lebensmitteln trifft vor allem die bedürftigen Menschen. Die Rosenheimer „Leibspeise“ rechnet aufgrund der Inflation mit erhöhtem Andrang. Ein Gespräch mit Leiter Peter Kaiser über Hamsterkäufe, Versorgungsengpässe und warum Aufgeben für ihn keine Option ist.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den vergangenen Monaten verändert?

Peter Kaiser: Wir waren bei unserer Arbeit wohl immer auf Veränderungen eingestellt. Manchmal zeichneten diese sich rechtzeitig ab, aber seit Februar 2022 kann man sagen, dass wir jeden Tag mit neuen Überraschungen rechnen können. Das erschwert unsere Arbeit. Routine ist nicht mehr angesagt, aber es ist eben auch herausfordernd. Wir müssen reagieren, manchmal auch agieren. Wir verlieren dabei nie aus den Augen, dass wir bedürftige Menschen versorgen, die sich teilweise seit Jahren auf uns verlassen.

Die Verbraucherpreise in Deutschland sind so stark angestiegen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Wie macht sich das bei der „Leibspeise“ bemerkbar?

Kaiser: Da wir wohl mit der Inflationsrate bei zehn Prozent liegen ist es nicht verwunderlich, dass unsere Bevölkerung sich mit Grundnahrungsmitteln eindeckt.

Das führt wiederum zu einem Mangel in den Supermärkten. Aus dem Grund waren im Februar teilweise leere Regale zu sehen. Das führt zwangsläufig bei unseren Regalen dann auch zu einer Mangelsituation. Ich habe in meiner 20-jährigen Erfahrung mit unserem Dienst noch nie Angst vor Versorgungsengpässen gehabt, aber als ich die Situation vor ein paar Wochen sah, habe ich doch einmal kurz durchgeschnauft.

Hinzu kommen die Hamsterkäufe.

Kaiser: Auch das führt für uns natürlich zu einer Knappheit. Wir sind seit Jahren bemüht, uns mit Lieferungen aus den lebensmittelproduzierenden Betrieben zu versorgen. Es ist manchmal ein langer Weg, um dort gelistet zu werden, um gesponserte Lebensmittel aus der laufenden Produktion zu bekommen. Wir haben schon vor Jahren damit begonnen und tun alles dafür, diese Kontakte zu pflegen und weiter auszubauen. Die Hamsterkäufe, die wir im Februar erlebt haben, waren eventuell nicht die letzten. Eine weitere Möglichkeit, diesen Mangel zu überbrücken ist der Einsatz von finanziellen Mitteln, um Lebensmittel zuzukaufen.

Der Preisanstieg bei den Lebensmitteln trifft vor allem die bedürftigen Menschen. Ist der Andrang in Ihrer Einrichtung größer geworden?

Kaiser: Natürlich trifft es immer die Bedürftigen am meisten. Das eh schon knappe Budget kann nicht mehr gestreckt werden. Ich höre immer wieder, wenn alle laufenden Kosten für Strom, Telefon, Miete und Nebenkosten bezahlt sind, dann bleibt nichts mehr zum Leben. Also sind wir gefragt. Besonders auffallend ist, dass Arbeitnehmer, die regelmäßige Einkünfte erzielen, zu uns kommen und von uns mit Lebensmitteln versorgt werden möchten.

Das ist zahlenmäßig und damit auch belastungsmäßig deutlich festzustellen. Es darf auch nicht unberücksichtigt bleiben, dass die Corona-Pandemie vorher schon – gerade für die arbeitende Bevölkerung – teilweise ein großes finanzielles Loch in den Geldbeutel gerissen hat. Und das hat auch zu einem erheblichen Anstieg bei uns gerade in den vergangenen Wochen geführt. Daneben versorgen wir auch noch Geflüchtete aus anderen Nationen.

Machen Ihren Kunden auch die hohen Gas- und Benzinpreise zu schaffen?

Kaiser: Zuerst macht sich der Anstieg der Benzinpreise bei uns bemerkbar, wenn wir unsere Autos tanken. Nur wir müssen den Anstieg aus Spenden decken, bei den Verbrauchern scheint es mir, ist der Anstieg zwar schon angekommen, aber die Konsequenzen haben wir alle noch nicht gezogen.

Wir alle dürfen uns sicherlich am Jahresende über die Nebenkostenabrechnungen für unseren Wohnraum „freuen“, und auch die Abrechnung der Stromerzeuger dürfte uns noch dazu überraschen. Aber welche Konsequenzen das nach sich zieht, ist uns allen noch nicht klar. Es wird wohl noch vieles anders werden – und sicher ganz anders, als wir es erwarten. Nur eines haben wir uns auf unsere Fahne geschrieben: Wir sind weiterhin für unsere Abholer da, koste es, was es wolle.