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Jetzt ist das Werk dicht

Produktion bei Danone Rosenheim: Stilles Ende nach knapp 100 Jahren – Wehmut bei Beschäftigten

Noch vor der Fusion mit Danone: das damalige Gervais-Werk Anfang der 50er-Jahre. 
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Noch vor der Fusion mit Danone: das damalige Gervais-Werk Anfang der 50er-Jahre. 
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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Heute (30.Juli) lief im Rosenheimer Danone-Werk das letzte Produkt vom Band. Bereits im Januar vergangenen Jahres hatte das Unternehmen angekündigt, seine Produktion am Standort Rosenheim einzustellen. Für die Beschäftigten bedeutet dies das Ende einer Zeit, an die sie sich zum großen Teil gern erinnern.

Rosenheim – Die letzte Produktionswoche war überschattet von einem Brand am vergangenen Wochenende (wir berichteten). Am Samstag, 24. Juli, musste ein Großaufgebot an Feuerwehren die Flammen löschen, die im Keller des Gebäudes ausgebrochen waren.

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Die fertigen Produkte machte der Rauch ungenießbar. Auch an den Anlagen zeichneten sich Schäden ab. Erst am Mittwoch, dem eigentlichen Tag der geplanten Stilllegung, konnte die Produktion wieder anfahren. Deswegen lief das letzte Produkt auch erst gestern vom Band.

Hat den Betrieb eingestellt: das Danone-Werk an der Rosenheimer Schönfeldstraße. 

Für die rund 160 Mitarbeiter bedeutet dies einen tiefen Einschnitt. Denn sie erinnern sich gerne an ihre Zeit bei Danone. Darunter der Betriebsratsvorsitzende des Werks, Andreas Geltinger. Er war seit 2001 im Rosenheimer Danone-Werk beschäftigt und schwärmt im Gespräch von Errungenschaften für die Arbeitnehmer, die lange Zeit erhalten geblieben seien. Darunter viele Feste und gemeinsame Ausflüge. „Wir waren eine eingeschworene Gemeinschaft“, erinnert sich Geltinger.

Ende einer Hängepartie

Diese Gemeinschaft habe auch die Familien der Beschäftigten umfasst, für die Kinder organisierte Danone eine eigene Weihnachtsfeier und habe sich dafür zum Teil sehr ins Zeug gelegt. Der Betriebsratschef erinnert sich zum Beispiel an einen Auftritt der Bayerischen Puppenbühne für die Buben und Mädchen.

Guter Arbeitgeber

Danone sei ein guter Arbeitgeber und beispielsweise Mitglied im Tarifverbund der Milchindustrie gewesen. Entsprechend sind dies Zeiten, an die Geltinger gerne zurückdenkt.

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Auf der anderen Seite sei die Belegschaft heuer froh, dass die Hängepartie seit Bekanntgabe der Werksaufgabe endlich vorbei ist. Dabei sei die Entwicklung schon seit Beginn der 2000er-Jahre absehbar gewesen. Spätestens, als der fürsorgliche Arbeitgeber zu einem internationalen Konzern gewachsen sei, der andere Prioritäten setze: allem voran Profitabilität.

Die Milchabnahmestelle des Danone-Werkes im Jahr 1950. 

Im Januar 2020 kündigte das Unternehmen an, sein Werk in Rosenheim zu schließen, 91 Jahre nachdem der Käsehersteller Gervais das Areal 1930 von der Bezirksgenossenschaftsmolkerei Rosenheim übernommen hat. 197 schloss sich Gervais mit Danone zusammen.

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Das Gelände verkaufte Danone an den Hersteller von Speisefetten Saumweber. Bis zum Ende des Jahres soll die Übergabe des Areals abgeschlossen sein. Das Unternehmen begründet seine Entscheidung mit der schlechten Auslastung des Werks. Diese habe zuletzt bei nur noch 25 Prozent gelegen.

Das Gervais-Werk in Rosenheim im Jahr 1966. 

Anders im Jahr 2003, erinnert sich Andreas Geltinger. Damals habe die Produktion im Rosenheimer Danone-Werk ihren Höhepunkt erreicht. Bereits zwei Jahre später sei es zum Einbruch gekommen, die Danone mit einem Sozialplan aufgefangen habe. Freiwillige verließen gegen Abfindung das Unternehmen. „

Keine neuen Investitionen seit 2007

Von da an hatte man sich noch mal gefangen und nicht gedacht, dass es so schlimm wird“, berichtet er. Doch spätestens 2007 sei aufgefallen, dass Danone kein Geld mehr in das Rosenheimer Werk stecke, dass keine langfristige Planung vorliege. Auch der Verkauf einiger Marken, darunter der Name Quarkspeise „Obstgarten“, stößt bei ihm bitter auf. Hier habe man Tafelsilber verkauft.

Werksleiter dankt Mitarbeitern

„Ich erinnere mich gerne an meine Zeit bei Danone zurück. Ich habe mein ganzes bisheriges Berufsleben bei Danone verbracht“, schildert Betriebsleiter Josef Antretter seine Zeit im Rosenheimer Werk. Sein Weg dort begann im Jahr 2000, als er eine Ausbildung zum milchwirtschaftlichen Laboranten begann. Es folgte die Meisterprüfung, danach arbeitete er dort in unterschiedlichen Positionen des Unternehmens, bis er 2016 die Werksleitung übernahm.

Er macht keine großen Worte um die Schließung: „Ich danke meinen Mitarbeitern für ihre Treue, für ihre langjährige gute Arbeit, und dafür, dass sie in dieser schwierigen Zeit die Produktion bis zum Schluss wie geplant aufrechterhalten haben – und sogar nach dem Brand in der letzten Produktionswoche noch mal zum Laufen gebracht haben.“ Mitarbeitern, die das Unternehmen verlassen, verspricht Danone eine „angemessene Abfindung“. Diese könne nach Unternehmensangaben bis zu 207 500 Euro betragen.

So geht es für die Mitarbeiter weiter:
Für zehn Kollegen habe Danone „eine geeignete andere Position“ innerhalb des Unternehmens finden können. 35 Mitarbeiter hätten Arbeitsstellen außerhalb von Danone gefunden (Stand: 30.Juli). Für die verbleibenden 115 Mitarbeiter bestehe das Angebot, in eine Transfergesellschaft zu wechseln. Diese sorge neben finanzieller Absicherung für „permanente Weiterbildungsmöglichkeiten“. Dort würden die Mitarbeiter gezielt für den Arbeitsmarkt qualifiziert und erhielten weiterhin bis zu 80 Prozent ihres Einkommens für ein weiteres Jahr. Für einige Mitarbeiter bestehe zudem die Möglichkeit, nach der Anstellung über die Transfergesellschaft in den (Früh-)Ruhestand zu gehen.  jek

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