Preisgekrönter Baustellenfinder der Stadtwerke führt zu Rückgang der Bürgerbeschwerden

Damit die Energiewende nicht im Stau erstickt

So verläuft die Kommunikation für die Energiewende in Rosenheim. Grafik Stadtwerke
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So verläuft die Kommunikation für die Energiewende in Rosenheim. Grafik Stadtwerke

Rosenheim - Der öffentliche Widerstand gegen den Ausbau der Versorgungsinfrastruktur entwickelt sich immer mehr zum Bremsklotz für die Energiewende, das zeigt nicht nur der politische Streit um neue Stromtrassen nach Bayern. In Rosenheim hängt der Erfolg der lokalen Energiewende am Ausbau des Fernwärmenetzes - und an der Duldsamkeit der Bürger angesichts zusätzlicher Staus in einer ohnehin vom Verkehr geplagten Stadt.

Die Stadtwerke entwickelten deshalb eine Datenlösung, um Anwohner, Verkehrsteilnehmer und Betriebe tagesaktuell über Baumaßnahmen und Verkehrsregelungen zu informieren. Dafür wurde, wie berichtet, die Unternehmenskommunikation der Stadtwerke um Thomas Sprenger zusammen mit Dr. Arndt Embacher von der Münchner Agentur "sitestep24" und Barbara Schieche von "Website Consulting & Kommunikation" in Berlin mit dem deutschen Preis für Onlinekommunikation in der Kategorie Innovation des Jahres ausgezeichnet.

Bis zum Jahr 2025 wollen sich die Rosenheimer CO2-neutral mit Energie versorgen. Hierbei setzen die Stadtwerke vor allem auf den Faktor Wärme und Kraft-Wärme-Kopplung. Dazu bauen sie das städtische Fernwärmenetz seit Jahren massiv aus. In den vergangenen fünfzehn Jahren wuchs die Fernwärme-Infrastruktur gemessen an der Leitungslänge um das Dreifache auf mittlerweile 93 Kilometer. Nach den Plänen der Stadtwerke soll der Ausbau in den kommenden Jahren weitergehen.

Doch rund 100 Baustellen pro Jahr erzeugen Staus und das in einer ohnehin staugeplagten Stadt. Bürger und Unternehmen machten ihrem Ärger über Verkehrsbehinderungen und Straßensperrungen regelmäßig Luft. Um die Klimaziele zu erreichen, braucht die Stadt Rosenheim aber die breite Akzeptanz für den Ausbau der lokalen Versorgungsinfrastruktur.

Keine vergleichbare Lösung in Deutschland

Denn der Widerstand der Rosenheimer gegen die Energiewendebaustellen entzündete sich nicht nur an den Baumaßnahmen selbst, sondern auch an der begleitenden Kommunikation: "Obwohl wir Anwohner, Betriebe und Öffentlichkeit über zahlreiche Kanäle informierten, erhielten wir häufig die Rückmeldung 'Ihr informiert uns nicht!'", erinnert sich Thomas Sprenger, Leiter der Unternehmenskommunikation bei den Stadtwerken Rosenheim. Seine neu geschaffene Abteilung erhielt darum den Auftrag, das Problem auf neue Weise anzugehen.

Als Stolperstein für die Öffentlichkeitsarbeit erwies sich dabei die typische kommunikative Gemengelage in Kommunen: "Stadt und Stadtwerke als wichtigste Bauträger informierten zwar regelmäßig, aber getrennt, je nachdem, wer eine Baumaßnahme verantwortete. Für Bürger und Unternehmen gab es bis vor zwei Jahren darum keine einheitliche Übersicht über alle verkehrsrelevanten Bauprojekte im Stadtgebiet", erklärt Sprenger.

Die Baustelleninformationen für die Öffentlichkeit speisten sich aus unterschiedlichen Datenquellen. Dazu kamen verschiedene Wissensträger und Abläufe. "Durch die Komplexität stieg die Fehlerquote und die Qualität der Informationen ließ sich kaum wirksam kontrollieren", sagt Sprenger.

Deshalb haben die Stadtwerke den Baustellenfinder entwickelt. Er ist eine digitale Kartenanwendung auf der Website der Stadtwerke Rosenheim (www.swro.de/baustellen). Im Frühjahr 2014 haben die Stadtwerke die erste Version des Online-Dienstes zeitgleich mit ihrer neuen Website vorgestellt. Erstmals konnten Rosenheimer online ausführliche Informationen zu Baustellen abrufen, auch per Handy oder Tablet. Doch zunächst beschränkte sich das Angebot auf die Baumaßnahmen der Stadtwerke.

Nach den ersten Probemonaten entschloss sich auch die Rosenheimer Stadtverwaltung, den Baustellenfinder ebenfalls zu nutzen und auf ihrer neugestalteten Website rosenheim.de einzubinden. Jetzt zeigt der Baustellenfinder neben den Baumaßnahmen der Stadtwerke auch die Baustellen der städtischen Ämter sowie von privaten Bauherren an, sofern sich deren Bauprojekte stark auf den Straßenverkehr im Stadtgebiet auswirken.

Außerdem haben die Stadtwerke den Funktionsumfang des Baustellenfinders noch einmal erweitert: Nutzer erhalten jetzt auch einen Ausblick auf geplante Bauvorhaben. "Im Unterschied zu anderen Lösungen zeigt der Rosenheimer Baustellenfinder das Baufeld hausnummerngenau an. Außerdem sehen die Nutzer gleich auf der Karte, ob eine Straße gesperrt oder in welche Richtung die Baustelle noch befahrbar ist", erklärt Sprenger.

Wichtig für die Informationsqualität sei aber auch, wie der Baustellenfinder unter der Haube ausschaue, so Sprenger: "Der Baustellenfinder sorgt dafür, dass sich Daten leicht pflegen lassen. Außerdem erinnert das System rechtzeitig, wenn beispielsweise eine laufende Baustelle das angekündigte Bauende erreicht."

Seit dem Start des erweiterten Baustellenfinders sind die Beschwerden über Baustellen sowohl bei den Stadtwerken wie auch bei den städtischen Ämtern spürbar zurückgegangen.

Vom Baustellenfinder profitieren außerdem auch die Bauprofis bei Stadt und Stadtwerken - durch einfachere Arbeitsabläufe bei der Bauplanung. Bei den Stadtwerken beansprucht außerdem die Pflege der Baustellendaten heute nur noch ein bis zwei Arbeitsstunden pro Woche statt wie früher bis zu einem Tag.

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