Inhaberin berichtet, warum es für Damen-Modehaus nicht weitergeht

Aus nach 30 Jahren: Darum schließt das „bellezza“ in Rosenheim

Das Damen-Modegeschäft „bellezza“ in der Gillitzerstraße in Rosenheim schließt nach 30 Jahren. Gegenüber rosenheim24.de berichtet Inhaberin Ulrike Corts, warum es so gekommen ist.
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Das Damen-Modegeschäft „bellezza“ in der Gillitzerstraße in Rosenheim schließt nach 30 Jahren. Gegenüber rosenheim24.de berichtet Inhaberin Ulrike Corts, warum es so gekommen ist.
  • Heinz Seutter
    vonHeinz Seutter
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30 Jahre lang gehörte das „bellezza“ in der Gillitzerstraße zur Mode-Einkaufswelt von Rosenheim. Nun wird es schließen. rosenheim24.de hat mit Inhaberin Ulrike Corts über die Hintergründe gesprochen.

Rosenheim - „Wir schließen“ - „Räumungsverkauf: Alles muss raus“, steht in den Fenstern des „bellezza“ in der Gillitzerstraße zu lesen. Von außen lugen zwei Frauen hinein. Als Ulrike Corts sie bemerkt, eilt sie sofort zur Tür. „Ah ihr seid es“, freut sie sich. Ein grüner Mantel hat es einer der beiden angetan. Flugs eilt Corts zum Schaufenster und bringt ihr das Kleidungsstück. Es passt leider nicht ganz. „Aber trotzdem schön, dass wir uns mal wieder sehen!“

„bellezza“ in Rosenheim schließt nach 30 Jahren - Eigentlich war die Übergabe an eine liebe Mitarbeiterin schon geregelt

In der gemütlichen Sitzecke im hinteren Bereich des Geschäfts hängen noch Glückwünsch-Schreiben zum 30-jährigen Bestehen. „Zum 15., 20., 26. Jubiläum gab es jedes Mal eine schöne Feier.“ 2020 sollte wieder mit Mitarbeitern und Kunden gefeiert werden. Doch weder daraus, noch aus dem Ersatztermin 2021 ist etwas geworden. „Schade, aber da kann man leider nichts machen“, erklärt Ulrike Corts gegenüber rosenheim24.de. 30 Jahre lang hat sie im „bellezza“ ihren Kundinnen zum passenden Look verholfen. Nun ist damit Schluss. „Mit Corona hat das aber nur indirekt zu tun.“

Ulrike Corts und ihr Team des „bellezza“ in Rosenheim.

Eigentlich sei alles schon geregelt gewesen. „Es war eine schöne Zeit. Aber ich wollte nach 30 Jahren aufhören. Eine liebe Mitarbeiterin wollte dann das Geschäft übernehmen. Ich hätte dann noch etwas ausgeholfen, aber mich ansonsten zurückgezogen“, berichtet Corts. „Aber dann kam die Corona-Pandemie. Verständlicherweise will man in dieser Zeit nicht mit einem Geschäft neu durchstarten. Also gibt es leider keine Fortführung des ‚bellezza‘. Das ist sehr schade. Vor allem, weil so das tolle Team, das wir hier hatten damit nicht zusammenbleibt.“

Zahlreiche Stammkundinnen

„Und natürlich, dass all unseren lieben Stammkundinnnen damit das ‚bellezza‘ verloren geht“, fährt sie fort. „Es war ja mehr, als nur ein Ort zum Einkaufen. Man hat sich gekannt, geplaudert. Manchmal war das hier fast das ‚Café bellezza‘“, scherzt sie. Über 1200 Namen umfasst ihre Kundekartei. Manche kommen noch vorbei, um vor Ort Kleidung zum Anprobieren zu holen und damit man sich kurz sieht. „Zu anderen bringe ich die Sachen nach Hause.“

Das Damen-Modegeschäft „bellezza“ in Rosenheim.

Auf Kleiderstangen warten Reihen von ausgesuchter Damenkleidung. Von „Emporio Armani“, über „Mos Mosh“ bis „Maisons“ ist eine breite Auswahl geboten. Auf einem Tisch mitten im Verkaufsraum liegen Utensilien für das Anpassen der Kleidung bereit. „Das ist noch die Winter-Kollektion“, berichtet Corts, „Seitdem habe ich gar nichts mehr bestellt.“ Der Mietvertrag läuft Ende März aus. Wenn irgend möglich, soll es davor noch einmal einen großen Ausverkauf geben.

Im Moment keine Lösung für Nachfolge gefunden

„Die Einrichtung geht teilweise an eine Mitarbeiterin, die ihr eigenes, kleineres Geschäft eröffnen will“, berichtet sie weiter. „Beispielsweise die Schaufensterpuppen.“ Alles davon wurde über die Jahrzehnte zusammengestellt. Von den Korbstühlen in der Sitzecke über einen mächtigen Schrank mit Zubehör in einem Winkel des Geschäfts. „Ich mache mir keine Sorgen, dass davon etwas am Ende übrig bleiben wird. Allerlei Leute haben schon gefragt, ob sie etwas abnehmen können.“

Es tue ihr wirklich leid, dass nun die Tradition des Geschäfts ende, so Corts. „Aber im Moment lässt sich einfach keine Lösung für eine Nachfolge finden.“ Nachdem sich die Pläne für die Übernahme durch ihre Mitarbeiterin zerschlagen haben, hätte es durchaus noch weitere Gespräche mit Interessenten gegeben. „Darunter war auch einer meiner Lieferanten, der überlegt hatte ein eigenes Geschäft aufzumachen.“ Doch stets sei es auf dasselbe hinausgelaufen: Niemand wolle in der derzeitigen Lage einen derart großen Laden übernehmen. „Aber ich bin optimistisch, dass sich nach dem Ende der Pandemie dann rasch wieder jemand findet, die Lage ist ja hervorragend.“

„Auf jeden Fall will ich mich bei all meinen lieben Stammkundinnen bedanken, die uns so lange die Treue gehalten haben!“

hs

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