Kritik aus den Elternbeiräten

Streit um Corona-Abstand in Rosenheimer Schulbussen: „Jede Fahrt wird zum Super-Spreader-Event“

Probevolle Busse und Kinder, die an Haltestellen stehengelassen werden: So beschreiben Rosenheimer Elternbeiräte die Situation im ÖPNV.
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Probevolle Busse und Kinder, die an Haltestellen stehengelassen werden: So beschreiben Rosenheimer Elternbeiräte die Situation im ÖPNV.
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
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In öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Abstandhalten nicht immer einfach. Das jedenfalls kritisieren die Rosenheimer Elternbeiräte in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Andreas März (CSU). Das Thema sorgte jetzt auch für Diskussion in der jüngsten Sitzung des Rosenheimer Stadtrates.

Rosenheim – In dem offenen Brief ist die Rede von „desolaten Zuständen“, von „proppenvollen Schulbussen“ und Kindern, die an Haltestellen stehengelassen werden, „weil niemand mehr in den Bus reinpasst“. In fast allen Bussen finde, so heißt es in dem Brief, eine „Durchmischung der Jahrgangsstufen und Schulen statt“. Dadurch werde fast jede Fahrt zum „Super-Spreader-Event“.

Eltern fordern für kommenden Monaten eine Lösung

Weil davon auszugehen ist, dass das Fahrgastaufkommen in den kommenden Wochen weiter ansteige, fordern die Eltern eine Lösung. Auch weil es den Kindern nicht mehr zu vermitteln sei, warum im ÖPNV die Abstandsregeln nicht gelten, aber in der Schule sehr wohl. Es ist eine Kritik, der sich in der jüngsten Sitzung des Stadtrates auch einige Gremiums-Mitglieder anschlossen.

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Allen voran Peter Rutz (Grüne). Er sei erschrocken über die Schülerbeförderung, sagte, es könne nicht sein, dass die „Schüler eingepfercht im Bus sind“. „Es ist ein Skandal, wenn ich sehe, wie das abläuft“, sagte Rutz. Er fordert mehr Verstärkerbusse, will somit die Schülerbeförderung entzerren. Auch solle mehr auf die Einhaltung der Hygiene-Auflagen geachtet werden, im Speziellen auf das Einhalten der Abstandspflicht.

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Mindestabstand muss in Bussen nicht zwingend eingehalten werden

Dezernent Herbert Hoch nahm wies noch einmal daraufhin, dass der Mindestabstand von 1,5 Metern in ÖPNV-Bussen nicht zwingend eingehalten werden muss. Vorgegeben sei lediglich, dass bei einer Überfüllung der Busse zusätzliche Verstärkerbusse eingesetzt werden sollen.

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Das wiederum sei eine Maßnahme, die der Stadtverkehr bereits umsetze. Das hätten auch stichpunktartige Kontrollen der Stadt ergeben. Auch handle es sich hier nicht um eine Rosenheimer Entscheidung, sondern um eine Vorgabe der Bayerischen Staatsregierung.

Bei Inzidenzzahl über 200: Wechselunterricht ab der achten Klasse

Und genau die hat am Donnerstag für Städte mit einer Sieben-Tage-Inzidenz größer als 200 weitere Maßnahmen festgelegt. So soll an Schulen ab der achten Klasse der Unterricht in geteilten Klassen als Wechselunterricht durchgeführt werden, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Diskutiert wurde in der Sitzung des Stadtrates auch ein gestaffelter Unterrichtsbeginn, um den Schülerverkehr zu entzerren.

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Fahrpläne müssten überarbeitet werden

Dass wiederum hätte weitreichende Folgen für Ingmar Töppel, Geschäftsführer des Rosenheimer Stadtverkehrs. „Der Fahrplan müsste dann in weiten Bereichen überarbeitet werden“, sagt Hoch. Es gebe noch viel zu klären. Fakt ist aber, dass man die Sorgen der Eltern ernst nimmt, schauen will, wo Verbesserungen umgesetzt werden könnten.

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