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Ausblick auf die nahende vierte Welle

Vor allem Ungeimpfte belegen Corona-Betten im Rosenheimer Romed-Klinikum

Mit schweren Verläufen rechnen Mediziner des Romed-Klinikums auch während der vierten Corona-Welle.
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Mit schweren Verläufen rechnen Mediziner des Romed-Klinikums auch während der vierten Corona-Welle.
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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Daran, dass Deutschland eine vierte Corona-Welle bevorsteht, zweifelt das medizinische Personal am Rosenheimer Romed-Klinikum nicht. Aber wie hart wird sie werden? Und wen wird es vor allem treffen? Auch Kinder sind nicht vor schweren Covid-Erkrankungen sicher. Ein Ausblick.

Rosenheim – Was erwartet uns in Sachen Corona im Herbst? Die Inzidenzzahlen steigen. In der Stadt Rosenheim liegt der Wert bei 116,4, im Landkreis bei 50,1 (Stand 19. August). Im Romed-Klinikum ist man alarmiert: „Wir stehen am Anfang der vierten Welle“, mahnt der Chefarzt der Medizinischen Klinik III, Professor Dr. Stephan Budweiser. Die Frage für den Facharzt für Lungenheilkunde ist nicht ob, sondern in welcher Schwere der neue Peak auf die Region trifft. Während das Krankenhaus über einen Zeitraum von vier Wochen gar keine Covid-Erkrankten aufnehmen musste, hat die Zahl der Patienten in den vergangenen Wochen wieder angezogen.

„Auch wenn es derzeit noch moderat aussieht: Wir haben schon jetzt drei Covid-Patienten auf der Intensivstation“, warnt der Kaufmännische Leiter des Rosenheimer Romed-Klinikums, Dr. Max von Holleben. Zwei davon müssen derzeit beatmet werden. Nehme die Zahl an Intensivaufnahmen zu, komme das Klinikum in die gleiche Situation, wie während der vergangenen Pandemiewellen. Hinzu kommen derzeit sechs Covid-Patienten, die das Romed-Klinikum in der vergangenen Woche aufgenommen hat, jedoch auf der Normalstation. Damit endet für das Romed-Klinikum die „coronafreie“ Zeit wesentlich früher als zum Beginn der zweiten Welle im Herbst 2020.

Kapazitäten neu organisieren

Von Holleben befürchtet, dass man demnächst wieder anfangen müsse, Kapazitäten neu zu organisieren. Zwar habe man inzwischen Erfahrung in diesen Dingen und auch die notwendigen Geräte zur Versorgung intensivpflichtiger Covid-Patienten seien vorrätig, aber dies schlage auf die Beschäftigten nieder, die erneut unter mit einer großen Arbeitsbelastung konfrontiert seien. „Und erschreckend ist, dass es aktuell fast ausschließlich ungeimpfte Personen sind, die bei uns im Haus behandelt werden“.

Die Bettenbelegung in den Kliniken der Region zu den Hochzeiten der Pandemie.

Beim Impfen zulegen

„Wenn wir eine gewaltige vierte Welle vermeiden wollen, müssen wir noch enorm zulegen“, befürchtet Stephan Budweiser, beim Impfen mehr Tempo zu machen. Jene Covid-Patienten, die derzeit im Romed-Klinikum behandelt werden, seien beinahe alle ungeimpft. Und jung: Das Durchschnittsalter der Patienten während der ersten Welle habe bei 75 gelegen, inzwischen seien die Patienten im Schnitt zwischen 45 und 48 Jahre alt.

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Stephan Budweiser ist einigermaßen erstaunt darüber, welch lockerer Umgang mit dem Virus derzeit herrsche: „Dass in Stadien wieder 20.000 Menschen zusammenkommen und sonstige Großveranstaltungen stattfinden, finde ich wirklich problematisch.“ Er hat das Gefühl, die Isolationsstrategie sei politisch schlichtweg nicht länger durchsetzbar.

Medizinisch gesehen: ein Desaster

Wohl deshalb nehme man das Pandemiegeschehen derzeit auf die leichte Schulter. „Aber medizinisch gesehen ist das ein Desaster. Wenn die Entwicklung so weitergeht, werden wir sehr bald wieder vor Problemen stehen“, warnt er. Rechne man die Verbreitung der Delta-Variante hoch, drohe ein weiterer schwerer Verlauf der Pandemie.

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Vieles ist noch unklar. Auch, welche Auswirkungen die vielen ungeimpften Kinder unter zwölf Jahre auf das Pandemiegeschehen haben. „Das wird nicht trivial, was mit dem Schulstart auf uns zukommt“, mahnt Budweiser.

Schwerer Verlauf auch bei Kindern

Auch wenn ältere Kinder geimpft seien, werden sich jüngere in großem Ausmaß anstecken, fürchtet er. „Vielleicht mit Varianten, die wir so nicht kennen.“

Den Facharzt für Lungenkrankheiten erfüllt dieser Gedanke mit Unbehagen. Auch, weil er als Mediziner selbst miterleben musste, welch schweren Verlauf diese Krankheit nehmen kann. Auf der anderen Seite beschwichtigt der Ärztliche Direktor der Romed-Kliniken, Dr. Hanns Lohner. „Wir hatten bislang Gott sei Dank kaum schwer erkrankte Kinder.“

Das Romed-Klinikum verzeichnet inzwischen wieder mehr Patieten, die mit einer Covid-Erkrankung aufgenommen werden mussten.

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Aber das ein oder andere Kind, welches aufgrund seines Krankheitsverlaufs auch stationär aufgenommen werden muss, werde wohl noch kommen, fürchtet Sebastian Engelhardt, Oberarzt der Zentralen Notaufnahme. Ein schwer an Covid erkranktes vierjähriges Kind musste bereits nach München verlegt werden.

Neue Therapien helfen nicht immer

Die Romed-Kliniken haben inzwischen drei Corona-Wellen hinter sich – und daraus gelernt. „Wir kennen die Erkrankung, wir haben Medikamente dagegen und die Behandlungstechniken verfeinert“, berichtet Budweiser. Mit neuen Therapieformen sei die Zahl der an Covid Verstorbenen – die Mortalitätsrate – im Romed-Klinikum seit der ersten Welle von 27 auf nunmehr 15 Prozent gesunken. Doch nach wie vor gebe es Fälle, bei denen die Erkrankung eine „Dynamik“ annehme, die selbst mit neuen Therapien nicht mehr in den Griff zu bekommen sei.

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