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Vierte Welle der Pandemie

Corona-Patient über Zeit auf Rosenheimer Intensivstation: „Das kann schnell zu Ende sein“

„Es war heftig“: Heinz Pangerl auf der Covid-Intensivstation des Romed-Klinikums.
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„Es war heftig“: Heinz Pangerl auf der Covid-Intensivstation des RoMed-Klinikums.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Er war ungeimpft und sagt heute: „Ein Fehler“. Heinz Pangerl erkrankte schwer an Covid und wurde auf der Intensivstation des RoMed-Klinikums in Rosenheim gerettet. Noch nach Wochen leidet er unter Nachwirkungen. Man lebe danach sein Leben anders, sagt er. Und warnt vor dem tückischen Virus.

Rosenheim Besondere Pläne für den Endspurt dieses eigenartigen Jahres hat er nicht. Beruflich für ein paar Wochen keine Bäume ausreißen, auf die Gesundheit schauen, sich um die Familie kümmern. So kann er sich das vorstellen. „Man lebt sein Leben anders, nach so etwas“, sagt Heinz Pangerl (57).

Für ein paar Tage im November konnte er sich nicht sicher sein, dass er den Dezember überhaupt erleben würde. „Da liegt man dann, weiß nicht, wie es weitergeht und denkt sich: Hoppla, das kann aber schnell zu Ende sein.“ Er will sozusagen Zeugnis ablegen. Seine Geschichte ist momentan so etwas wie seine Mission. Ja, Corona kann Leben kosten. Nein, man sollte Corona nicht auf die leichte Schulter nehmen. Auf gar keinen Fall.

Mit dem Notarzt ins RoMed-Klinikum

Heinz Pangerl und seine Begegnung mit Covid-19. Es fing harmlos an, sagt er. An einem Freitag habe er einen PCR-Test gemacht, am Sonntag das positive Ergebnis bekommen. Husten und Fieber hatte er da schon. Er blieb weiter zu Hause, das Fieber stieg zwischendrin auf 40 Grad, „es war heftig“, sagt er. Mal wurde es schlechter, mal besser, immer war da dieser grausame Durst.

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Irgendwann war er so schwach, dass er das Bett nicht mehr verließ. Am Freitag, eine Woche nach dem Test, rief er den Hausarzt. Und der alarmierte Notarzt und Rettungswagen, für den Transport von Weyarn ins RoMed-Klinikum in Rosenheim. „Am Anfang waren es milde Symptome, es hat sich hochgeschaukelt, und am Ende ist der Patient fast notfallmäßig hierhergebracht worden“, bestätigt Prof. Dr. Stephan Budweiser, Chefarzt Pneumologie am RoMed-Klinikum.

Aufklären über Corona: Prof. Dr. Stephan Budweiser und Heinz Pangerl (rechts) bei der Videorunde mit OVB-Reporter Michael Weiser .

Wo er sich angesteckt hat, kann Pangerl nicht mit Sicherheit sagen. Er habe sich ja schon so weit wie möglich zurückgezogen gehabt, Kontakte vermieden. Dann suchte der Finanzberater Kunden auf. Er habe sich nichts gedacht dabei, die beiden seien schließlich geimpft gewesen. Keinen anderen Menschen außerhalb der Familie sei er in der Zeit überhaupt so nahe gekommen.

Pangerl selber: ungeimpft. Er sei sich nicht sicher gewesen, sagt er, auf eine Influenza-Impfung habe er einmal heftig reagiert, „da hat‘s mich zwei, drei Wochen ausgeknockt.“ Und weil er nicht wissen konnte, ob es ihn nicht nochmal heftig erwische, habe er sich „gedrückt“, wie er sagt. „Aus heutiger Sicht ein Fehler.“

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Im RoMed-Klinikum wurde er auf die Intensivstation gebracht. Er sei an Geräte angeschlossen worden, „hatte mehr Schläuche und Sachen dran, als ich mir vorher hätte vorstellen können“. Man setzte ihm einen Katheder, legte ihm einen Zugang für Medikamente. Drehte ihn auf Bauchlage. Im Verbund mit einer HighflowTherapie ein probates Mittel, um dem Patienten künstliche Beatmung zu ersparen, sagt Stephan Budweiser. Irgendwann bekam er Luft über eine Maske. „Da fängst du dieses heftige Atmen an, willst mitmachen, atmest aber in Wirklichkeit gegen die Maschine“ sagt er, „Man meint, man bekommt zu wenig Luft und hat Angst zu ersticken.“

Sechs Tage lang lag Pangerl auf der Station, es war eine Zeit enormer physischer Belastung. „Den Körper braucht man grad nicht, aber der Kopf arbeitet ja weiter.“ Irgendwo im Zimmer daneben: Lärm. Ein Patient, der sich so unruhig verhielt, dass sich Kabel und Schläuche immer wieder lösten. Alarmpiepen, Getrappel von Schritten, Pfleger, die in den Raum stürzen. „Es war Stress“, sagt Pangerl. Und nur in einem Punkt ein gutes Gefühl. „Im Klinikum haben sie sich top um mich gekümmert, ich wusste, dass ich gut versorgt bin.“

Der lange Weg zurück

Bis Heinz Pangerl wieder an dem Punkt vor der Krankheit ist, wird es noch dauern. „Ich bin optimistisch, dass er in einigen Wochen, vielleicht auch Monaten zurück ist“, sagt Budweiser. Derzeit liege sein Patient bei 75 Prozent des Lungenvolumens, das für sein Alter normal sei. So gut könne man nicht alles messen, was im Körper kaputt gehe. Auf jeden Fall habe Pangerl noch Narben an der Lunge, „das bildet sich aber weitestgehend zurück“.

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Anderes wird bleiben, sagt Pangerl. Auch die Einsicht, wie wichtig es ist, dass er noch für seine Familie da ist. „Ich war kurz vor der Geschichte mit Covid Opa geworden“, erzählt er. Ein kleiner aber guter Grund mehr, auf die Gesundheit Acht zugeben. Die ältere seiner beiden Töchter rufe jeden Tag an, „die lassen mich nicht mehr aus“.

Die ganze Geschichte verbreitete sich in Pangerls Freundes- und Bekanntenkreis. Es seien danach viele Menschen auf ihn zugekommen, die sich nunmehr impfen lassen wollten. Deswegen erzählt er die Geschichte. Auch mit dem Foto, das er damals von sich selbst aufnahm, damit er es seiner Frau schicken konnte. Besuch war ja nicht möglich, „sie wollte aber wenigstens sehen, wie es mir geht“. Das Foto wird er sich aufheben, sagt er. Als Erinnerung daran, wie knapp es im Leben zugehen kann. Impfen lassen will er sich, sobald es geht – im April nächsten Jahres.

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