Massiver Corona-Ausbruch in Rosenheimer Asylunterkunft – Drei weitere Einrichtungen betroffen

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Coronavirus-Ausbruch: Die gesamte Asylunterkunft in der Karlsbader Straße in Rosenheim (Archivfoto) steht nun unter Quarantäne. 
  • vonMartin Kreklau
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Weil Betreuern Covid-19-Symptome aufgefallen waren, wurden 48 von 60 Bewohnern einer Asylunterkunft in der Karlsbader Straße auf das Coronavirus getestet – 17 waren positiv. Kurz darauf wurden drei weitere Unterkünfte in Stadt und Kreis Rosenheim unter Quarantäne gestellt.

Update 16. April

Zwei Bewohner positiv getestet

Zwei Personen in der Asylunterkunft am Samerberg wurden positiv auf das Coronavirus getestet. Das teilt das Landratsamt Rosenheim auf Anfrage der OVB-Heimatzeitugnen mit. Bei den Bewohnern der Asylunterkunft in Brannenburg wurden am heutigen Donnerstag Abstriche gemacht. "Wir rechnen am Montag mit den Ergebnissen", teilt das Landratsamt mit.

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Update 14. April

Zwei Asylunterkünfte im Landkreis Rosenheim unter Quarantäne

Zwei weitere Asylunterkünfte im Landkreis Rosenheim wurden nun wegen Corona-Verdachts unter Quarantäne gestellt. Es handelt sich dabei um eine Einrichtung in Brannenburg und eine in Eßbaum (Samerberg).

Die 14-tägige Quarantäne wurde vom Gesundheitsamt Rosenheim angeordnet, nachdem es in beiden Unterkünften einen intensiven Kontakt mit einer positiv auf das Coronavirus getesteten Person gegeben hat. Wie der Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes Rosenheim Dr. Wolfgang Hierl sagte, handelt es sich hier um eine reine Vorsichtsmaßnahme.

Betroffen von den Quarantänemaßnahmen sind die Asylbewerberunterkünfte in Brannenburg in der Steinbeisstraße sowie in Samerberg am Eßbaum. Beide Einrichtungen wurden so eingezäunt, dass die Bewohner trotzdem die Möglichkeit haben sich innerhalb des Bauzaunes im Freien aufzuhalten.

Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes achtet darauf, dass die Quarantäne eingehalten wird. In dieser Zeit werden die Bewohner der beiden Einrichtungen mit allen nötigen Dingen des Lebens versorgt. Am Samerberg sind insgesamt zwölf Bewohner von dieser Maßnahme betroffen, in der Unterkunft in Brannenburg leben 48 Menschen.

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Die Erstmeldung zum Corona-Ausbruch in Rosenheimer Asylunterkünften (13. April)

Rosenheim – Das Gelände der Asylbewerber-Unterkunft in der Karlsbader Straße in Rosenheim ist seit vergangenem Samstag komplett von einem Bauzaun umgeben, sodass niemand mehr hinein oder heraus kommt. Ein Sicherheitsdienst patrouilliert Tag und Nacht um das Gebäude, das seit Ende der zurückliegenden Woche unter Quarantäne steht. Es hatte sich herausgestellt, dass mehrere Bewohner mit dem Coronavirus infiziert sind.

Betreuer bemerken typische Symptome

Betreuern und Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes war aufgefallen, dass einige Asylbewerber typische Symptome der Krankheit Covid-19 aufwiesen – etwa trockenen Husten. Deshalb habe man 48 der rund 60 Bewohner getestet. 17 dieser Tests seien positiv gewesen. Das teilt die Stadt Rosenheim in einer Pressemeldung mit.

Diese hohe Zahl an Infizierten habe letztlich den Ausschlag für die ungewöhnlichen Maßnahmen gegeben: Noch am Samstagabend, gegen 18 Uhr, habe der städtische Leiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz, Hans Meyrl, mitgeteilt, dass in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt und den zuständigen Behörden die komplette Einrichtung unter Quarantäne gestellt werden müsse.

Bauzaun um die Asylunterkunft errichtet

Zudem wurde ein Bauzaun rund um das Gelände errichtet. „Auch in diesen Fällen geht es darum, die Infektionsketten so schnell wie möglich zu unterbrechen. Deshalb war diese Maßnahme unumgänglich“, teilt Meyrl mit. Die Bewohner seien umfassend informiert worden.

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Thomas Bugl, Pressesprecher der Stadt Rosenheim, erklärt auf Anfrage, dass die Quarantäne seiner Einschätzung nach mindestens 14 Tage dauern müsse. Auch er betont, dass es darum gehe, die Ausbreitung konsequent einzudämmen, um die bisher erzielten Erfolge nicht zu gefährden.

Da es unmöglich sei, die erste Kontaktperson in der Einrichtung zu identifizieren, sei nichts anderes übrig geblieben, als das ganze Gelände unter Quarantäne zu stellen. „Die Kranken dort sind aber natürlich nicht auf sich alleine gestellt“, erklärt Bugl. Alle Bewohner stünden unter laufender medizinischer Betreuung. Je nach Verlauf der Krankheit könne man schnell reagieren und gegebenenfalls Ärzte einschalten. Atemmasken und andere Schutzausrüstung für die Mitarbeiter vor Ort seien „im notwendigen Umfang vorhanden“.

Es fehlt an Informationen über die Bewohner

Ob es Bewohner gibt, die aufgrund von Vorerkrankungen zur Risikogruppe gehören, ist indes unklar. Umfassende Krankenakten seien nicht vorhanden, häufig wisse man noch nicht einmal den richtigen Namen oder das tatsächliche Geburtsdatum beziehungsweise Alter der Menschen.

Die Bewohner hätten ihre Situation akzeptiert, seien aber natürlich nicht begeistert gewesen: „Das würde niemandem schmecken“, sagt Bugl. Die Asylbewerber dürfen nicht mehr zum Einkaufen gehen, sondern werden von außerhalb mit Lebensmitteln, Wasser und notwendigen Gütern versorgt. Auch die Besuche in anderen Unterkünften in der Stadt, die es vorher häufig gegeben habe, müssen ausbleiben.

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Im Moment verhielten sich alle ruhig. Ob das so bleibt? Darüber könne nur spekuliert werden. Bugl befürchtet aber nicht, dass die Asylbewerber auf die Barrikaden gehen. „So viel Verständnis ist, glaube ich, schon da.“ So oder so – Ausnahmen gibt es in dieser Situation nicht: „Die Bewohner müssen isoliert bleiben, sonst macht eine Quarantäne keinen Sinn.“

Weitere Asylunterkunft in Rosenheim betroffen

Gestern Nachmittag teilte die Stadt Rosenheim mit, dass auch in der Asylbewerber-Unterkunft in der Äußeren Oberaustraße zwei Corona-Fälle bestätigt wurden. Auch über diese Einrichtung verhängte das Gesundheitsamt umgehend die Quarantäne.

„Ich halte diese Entscheidung fachlich für notwendig und geboten“, teilt der Leiter des Gesundheitsamts, Dr. Wolfgang Hierl, mit. Laut der Pressemitteilung der Stadt Rosenheim leben knapp 200 Menschen in der Einrichtung, überwiegend Familien. „Ohne Isolation der Betroffenen würde die Gefahr bestehen, die bisher erreichten Erfolge bei der Senkung der Infektionszahlen und der Verlängerung der sogenannten Verdoppelungszeit der Infektion aufs Spiel zu setzen. Das darf nicht passieren“, teilt der Leiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz, Stadtbrandrat Hans Meyrl, mit.

Der Zugang von Betreuern, Reinigungspersonal und Sicherheitsdiensten in die Einrichtung bleibe gewährleistet. „Die medizinische Betreuung und die Versorgung der Bewohner wird selbstverständlich in vollem Umfang sichergestellt“, so Meyrl. Die Unterkunft wird von der Regierung von Oberbayern betreut.

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