Aus Angst nicht zur wichtigen Behandlung? Corona fegt die Arztpraxen in Rosenheim leer

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Die beiden Rosenheimer Ärzte Dr. Nikolaus Klecker (links) und Dr. Fritz Ihler geben Entwarnung: Der Besuch einer Hausarztpraxis birgt kein erhöhtes Risiko einer Coronavirus-Infektion.
  • Rosi Gantner
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Die Region beherrscht offenbar nur noch ein Thema – und mit ihm die Angst davor: das Coronavirus. Leere Arztpraxen, kaum Notarzteinsätze – Mediziner schlagen deshalb Alarm: Herzinfarkt, Schlaganfall und chronische Erkrankungen nur nicht zu verschleppen. Die Folgen wären fatal.

Rosenheim – Die Besorgnis bei den Ärzten in Stadt und Landkreis ist groß: Abgesehen von den Covid-19-Fällen bleiben die Patienten aus. Das bestätigen Dr. Nikolaus Klecker, Bezirksvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbands für Oberbayern, und Dr. Fritz Ihler, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands Rosenheim, im Gespräch mit unserer Zeitung. Beide haben Hausarztpraxen in Rosenheim und stehen in engem Austausch mit den Kollegen in Stadt und Landkreis.

"Als ob es keine Herzinfarkte mehr gäbe"

„Die Patienten sind zu vorsichtig“, gibt Ihler seinen Eindruck sowie den vieler Kollegen wieder. Und zeigt sich besorgt: „Einen Schlaganfall oder Herzinfarkt kann man nicht zuhause behandeln, dazu muss man in eine Klinik.“ Denn: Gebe sich ein Schlaganfallpatient umgehend in Behandlung, stünden die Chancen gut, ein Blutgerinsel aufzulösen und Folgeschäden wie Lähmungen zu vermeiden. „Das ist nach 14 Tagen nicht mehr möglich, und das ist gefährlich.“

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Diese offensichtliche Angst vor Krankenhaus und Arztpraxen stellt auch Nikolaus Klecker fest: „Die Praxen sind leer, die Notaufnahmen auch, als ob es keine Herzinfarkte mehr gäbe.“ Dies mache sich auch bei den Notarzteinsätzen bemerkbar. „In einer normalen Nacht hat man mindestens fünf, sechs Einsätze“, berichtet er von seinen Diensten im Altlandkreis Bad Aibling. „Zuletzt war die ganze Nacht nur ein Alarm und das wegen einer Bagatelle.“

Ärzte warnen: Erkrankungen nicht verschleppen

Die Folgen: Sie können mitunter fatal sein – sowohl was Schlaganfall und Herzinfarkt angeht, aber auch was chronisch Erkrankte betrifft. Da sind sich Ihler und Klecker einig. „Wir bekommen auch Riesenprobleme, wenn chronische Krankheiten verschleppt werden“, warnt Klecker.

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Und deshalb betonen sie: Kein Patient müsse Angst haben, es bestünde weder in Kliniken noch in Arztpraxen eine Ansteckungsgefahr. „Die Patienten sollen nichts verschleppen, sondern sich trauen, in die Praxen zu kommen oder den Notruf zu wählen“, unterstreicht Klecker.

Mediziner begrüßen Mundschutzpflicht

In Krankenhäusern wie auch in den Praxen würde streng separiert, die Hygienevorschriften und Abstandsregelungen eingehalten, beteuern die beiden Ärztevertreter. Wer Anzeichen von Covid-19 habe, also Fieber, Geschmacksverlust und ähnliche Symptome, solle sich nach wie vor telefonisch mit seinem Arzt in Verbindung setzen. Testkapazitäten seien im Testzentrum auf der Loretowiese in Rosenheim vorhanden.

Durch die Mundschutz-Pflicht gebe es überdies keine Gefahr der Tröpfcheninfektion mehr. „Das ist damit auch vorbei, die Ansteckungsgefahr ist somit nur noch sehr gering“, ist Klecker erleichtert über die Regelung – die seiner Ansicht nach längst überfällig war. Gleichzeitig betont Klecker die Notwendigkeit, die Abstandsregeln von mindestens eineinhalb Metern weiter einzuhalten. „Man sollte sich mit Maske nicht in Sicherheit wiegen, sondern weiter auf Distanz gehen“, erklärt er.

Romed-Kliniken haben wieder mehr Patienten in der Notaufnahme

Zum optimalen Umgang mit dem Mund-Nase-Schutz gibt der Hausärzte-Bezirksvertreter den Hinweis: Die Maske nach dem Verlassen eines Geschäfts wieder abzunehmen und sie an der frischen Luft, optimalerweise unter Sonnenlicht, zu trocknen. „Denn wenn sie durchfeuchtet ist, ist die Gefahr größer, dass etwas durchschlägt“, warnt er.

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Während die Ärztevertreter die Lage in der Region noch kritisch sehen, geben die Romed-Kliniken in Sachen ausbleibender und verängstigter Patienten Entwarnung: „Wir sehen, dass es wieder mehr Patienten in den Notaufnahmen gibt. Wir merken, dass die Menschen in der Region offensichtlich verstanden haben, dass wir bei Romed die Bereiche genau trennen“, heißt es diesbezüglich von Sprecherin Elisabeth Siebeneicher auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. Bereits beim Zutritt in die Klinik erfolge die strikte Differenzierung in die Bereiche Covid, nicht-Covid und Verdacht auf Covid. In einem klar definierten und standardisierten Verfahren würden die Patienten entsprechend zugeordnet. Doch auch an den Romed-Kliniken ist festzustellen: „Das Niveau der Vor-Corona-Zeit ist noch nicht erreicht.“

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