Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Ärger über neue Corona-Regeln

Bücher, Pflanzen und Schuhe gibt‘s nur mit Corona-Test: Frust bei Rosenheimer Einzelhändlern wächst

Versteht die Welt nicht mehr: Karl-Georg Reindl von Schuh Reindl musste nach einer Woche sein Geschäft wieder schließen. Einkaufen ist nur für diejenigen erlaubt, die einen Termin machen und einen negativen Corona-Test vorweisen können.
+
Versteht die Welt nicht mehr: Karl-Georg Reindl von Schuh Reindl musste nach einer Woche sein Geschäft wieder schließen. Einkaufen ist nur für diejenigen erlaubt, die einen Termin machen und einen negativen Corona-Test vorweisen können.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
    schließen

Für Geschäfte in Bayern gelten seit Montag (12. April) einheitliche Corona-Maßstäbe. Damit entfallen die Sonderregelungen für Bau- und Gartenmärkte, Blumenläden, Schuhgeschäfte und Buchhandlungen. Die Alternative: Terminshopping-Angebote – im Moment aber nur mit negativem Corona-Test.

Rosenheim – Die Freude währte nur kurz: Gerade einmal eine Woche ist es her, seit Karl-Georg Reindl sein Schuhgeschäft am Ludwigsplatz in Rosenheim wieder öffnen durfte. Der Grund war, wie berichtet, ein Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs. Doch seit Montag sind die Türen wieder geschlossen.

Schuhe kaufen darf nur, wer einen tagesaktuellen negativen Corona-Test nachweisen kann und vorher einen Termin vereinbart hat. Das hatte Ministerpräsident Markus Söder in der vergangenen Woche bekannt gegeben.

Kein Extra-Test für den Socken-Kauf

Es ist eine Entscheidung, für die Karl-Georg Reindl so gar kein Verständnis hat. „Das ist nicht nur ein Schritt zurück, das sind viele massive Schritte zurück“, sagt er. Eben auch, weil es in der vergangenen Woche so gut gelaufen sei. „Die Kunden hatten zum Teil glänzende Augen, weil sie sich so gefreut haben“, sagt der Geschäftsmann.

Lesen Sie auch: Nach 30 Jahren ist nun endgültig Schluss - Zum Abschied eine schöne Geste

Jeder habe sich an die Regeln gehalten und „aufeinander achtgegeben“. Umso unverständlicher sei es, dass „jetzt wieder alles vorbei ist“.

Geringe Erwartungen

Denn seine Erwartungen an das Termin-Shopping mit einem negativen Corona-Test sind gering. „Viele werden sich nicht extra testen lassen, um ein paar Socken zu kaufen“, sagt Reindl. So hätten am Montag gerade einmal zwei Kunden um einen Termin im Schuhgeschäft gebeten. Nach dem erfolgreichen Anlauf in der vergangenen Woche eine große Ernüchterung.

Chaos pur in der Buchhandlung

Ernüchterung herrscht auch in der Buchhandlung Beer. „Für uns ist das ein totaler Schock und bedeutet Chaos pur“, sagt die langjährige Verkäuferin Tina Schmidt. Wochenlang habe das Konzept funktioniert, dass Buchhandlungen unabhängig vom Inzidenzwert geöffnet haben dürfen. Verständnis für die Neuregelung habe sie nicht.

Lesen Sie auch: Medienbericht: Lockdown wird bis voraussichtlich 9. Mai verlängert

„Bei uns hat sich kein Kunde angesteckt“, ist sich Tina Schmidt sicher. Was sie vor allem ärgere, sei die Tatsache, dass es kein wirkliches Konzept gebe. Sie wisse nicht, ob die Regeln auch für Geimpfte gelten, sei sich unsicher, ob die Kunden zum Bezahlen ins Geschäft kommen dürften oder auch dafür schon einen negativen Corona-Test bräuchten.

Eine Übersicht über die Testmöglichkeiten in der Stadt. Hinzu kommt ein Testzentrum in der Münchener Straße 16 (siehe Artikel unten). Klinger

Viele hätten von Regelungen nichts gewusst

Hinzu komme, dass viele Rosenheimer von den neuen Regelungen nichts gewusst hätten. So hätten am Montagmorgen drei Leute vor ihrem Geschäft gestanden, die ein Buch kaufen wollten. Einen negativen Corona-Test hatte niemand dabei. Also hat Schmidt alle wieder nach Hause schicken müssen.

Ziehen Unmut der Bürger auf sich

Von einem ähnlichen Start in die Woche berichtet Christian Prentl von der gleichnamigen Gärtnerei. Nur seien es bei ihm nicht drei, sondern gleich 15 Kunden gewesen, von denen nur einer einen negativen Test dabei hatte. „Wenn ich die Leute dann wieder wegschicke, bin ich der Böse und nicht die Regierenden“, sagt er.

Lesen Sie auch: Ein Corona-Test für drei Stiefmütterchen: Frust bei Chiemgauer Gärtnereien

Die Stimmung seit der Bekanntgabe der neuen Regeln sei katastrophal. Denn für Gärtnereien seien April und Mai die Monate, in denen 40 Prozent des Jahresumsatzes gemacht werden. „Wenn wir da kein Geschäft machen, wird es für uns existenzbedrohend.“

Euphorie bei den Modehändlern

Etwas euphorischer ist Paul Adlmaier, Vorsitzender des City-Managements. Er freue sich darüber, sein Geschäft nach vier Monaten endlich wieder öffnen zu können.

Lesen Sie auch: Wasserburger Geschäftsleute ärgern sich über wechselnde Öffnungsregeln: „So ein Kasperltheater!“

Auch wenn der notwendige Corona-Test im Moment noch viele Kunden abschrecken würde. „Bis jetzt hat es bei mir zwischen 15 und 20 Buchungen gegeben“, sagt Adlmaier. Die Hoffnung bleibt, dass die Anfragen zunehmen.

Möglichkeit zum Privat-Shopping

Zumal Adlmaier weiß, wie man das Angebot schmackhaft machen kann. „Sonst hat man nie die Möglichkeit zum Privat-Shopping“, schwärmt er. Man könne beispielsweise auch zu zweit durch die Stadt schlendern und sich von Kopf bis Fuß einkleiden lassen.

Ob sich die Rosenheimer darauf einlassen, wird sich zeigen. Der fade Beigeschmack für Schuhhändler, Buchverkäufer, Gärtnereien und Baumärkte aber bleibt.

Da die Inzidenz in der Stadt Rosenheim zwischen 100 und 200 liegt, dürfen die Bürger mit einem Termin und einem negativen Corona-Test shoppen gehen. Termine können vielerorts auch am Laden direkt vereinbart werden oder vorab telefonisch oder online gebucht werden.

Wo kann man Tests machen? An allen offiziellen Testzentren nicht nur in Rosenheim (siehe Grafik links), sondern auch anderorts. Von diesen Teststellen werden offizielle Bescheinigungen ausgestellt, die dann zum Einkaufen berechtigen.

Welcher Test gilt? Gültig sind PCR-Test und Schnelltests. Wird ein Selbsttest am Geschäft selbst angeboten, gilt dieser nur für das eine Geschäft und kann an anderer Stelle nicht erneut werden.

Wie lange gelten die Tests? Die PCR-Tests (erhältlich bei allen kommunalen Testzentren, unter anderen auf der Loretowiese) gelten 48 Stunden, die Schnelltests (unter anderem beim BRK erhältlich) gelten 24 Stunden.

Mehr zum Thema

Kommentare