Corona strapaziert die Nerven der Wirte: Der erste Tag nach der Eröffnung der Innengastro

„Es ist eine schwierige Situation“: Jürgen Nowak, Inhaber des „Nowak‘s Café“.
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
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Nach einer zweimonatigen Corona-Zwangspause dürfen Restaurants seit heute (25. Mai) auch in den Innenbereichen wieder Gäste bewirten. Aber es gibt auch Schattenseiten: Viele kämpfen mit den strengen Corona-Auflagen, können nur noch einen Bruchteil der Gäste empfangen. Vier Inhaber erzählen.

Jürgen Nowak (54) Inhaber des „Nowak‘s Café“ am Salinplatz:

„Unser Café ist 80 Quadratmeter groß. Wir haben eigentlich Platz für 40 Personen. Nach der Umsetzung des Hygieneplans bleiben jetzt zwischen acht und zehn Plätze. Zum Glück haben wir einen großen Außenbereich, aber bei schlechtem Wetter hilft uns das auch nicht. Im Innenbereich ist es schwierig, die Auflagen umzusetzen. Wir wissen zum Beispiel nicht, wie wir das mit den Laufwegen regeln sollen. Die Leute müssen ja irgendwie aneinander vorbei, schon allein wenn sie auf die Toilette wollen.

Kunden verhalten sich diszipliniert

Bis jetzt verhalten sich unsere Kunden unheimlich diszipliniert. Ich habe in den vergangenen zwei Monaten einen fünfstelligen Verlust gemacht. Die Kosten laufen ja trotzdem weiter. Natürlich hatte ich Existenzängste. Auch wegen der Unsicherheit, wie es weitergeht. Wir werden in den nächsten Wochen schauen, ob es sich wirklich lohnt. Wir lassen das Café auf jeden Fall geöffnet, aber vielleicht müssen wir unsere Öffnungszeiten anpassen. Im Moment haben wir nur Stammgäste. Die Laufkundschaft fehlt komplett. Auch Touristen gibt es keine. Das fehlt uns natürlich. Es ist einfach eine schwierige Situation.“

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Ramazan Bücgün (23), Inhaber des Restaurants „Wok & Wine“ am Salinplatz: „Vor sechs Monaten habe ich das Lokal übernommen, seit zwei Monaten haben wir geschlossen. Das ist für mich ziemlich hart. Mein Restaurant ist knapp 60 Quadratmeter groß, vor der Corona-Krise hatte ich Platz für 65 Leute. Jetzt sind es 16. Vor der Krise war mein Restaurant voll, jetzt kommt nur noch selten jemand vorbei. Und wenn die Leute vorbeikommen, bestellen sie nur etwas zu trinken und nichts zu essen. Reservierungen gibt es auch keine. Ich kaufe nur noch ganz wenig Lebensmittel ein, weil ich einfach nicht weiß, wie viele Leute kommen.

Kein guter Umsatz seit der Öffnung

Seit der Öffnung habe ich keinen guten Umsatz gemacht. Viele meiner Mitarbeiter muss ich zu Hause lassen. Ich werde mir in den kommenden zwei Monaten anschauen, wie es läuft. Aber wenn es so bleibt wie jetzt, werde ich zusperren. Das ist für mich einfach günstiger. Dann muss ich nämlich nur noch die Miete bezahlen und nicht mehr das Gehalt der Mitarbeiter oder das Geld für die Lebensmittel. Ich würde dann erst wieder öffnen, wenn sich alles gelegt hat und die Leute weniger Angst haben. Natürlich habe ich Existenzängste.“

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Markus (52) und Heidi (49) Pütz, Inhaber vom Café „Flower Power“ am Ludwigsplatz: „Die Leute, die bei uns vorbeikommen, sind unheimlich verunsichert. Sie wissen nicht, ob sie reinkommen dürfen oder draußen warten müssen. Sie wissen nicht, ob sie eine Maske tragen müssen oder nicht. Normalerweise haben wir in unserem Café Platz für 20 Personen, jetzt dürfen wir nur noch neun reinlassen. Wir haben die Tische auseinandergeschoben und ein Schild aufgehängt, dass die Leute wissen, dass wir ihnen einen Platz zuweisen. Die Umsetzung der Auflagen ist ganz klar mit einem Mehraufwand verbunden. Sowohl finanziell, als auch zeitlich.

Die Unsicherheit, ob alles richtig gemacht wird

Und was natürlich immer bleibt, ist die Unsicherheit, ob man alles richtig macht. Natürlich wollten wir aufmachen, wir wollen ja präsent sein und nicht in Vergessenheit geraten. Aber ob es sich rechnet, wissen wir noch nicht. Das wird sich in den kommenden Monaten entscheiden. Wir behalten jetzt ganz genau die Kosten und den Umsatz im Auge. Wir haben vorsichtshalber schon einmal bis zum Ende des Monats Kurzarbeit angemeldet. Tendenziell schauen wir trotzdem optimistisch in die Zukunft. Aber wir verlieren langsam einfach den Spaß an der Sache. Wir üben den Beruf aus, weil wir die Interaktion mit den Gästen so lieben. Und genau die geht einfach verloren. Auch die Arbeit mit dem Mundschutz ist unheimlich anstrengend. Es bleibt auf jeden Fall spannend zu sehen, wie sich das alles in den kommenden Wochen entwickelt. Es ist jetzt umso wichtiger, dass die Leute den Einzelhandel vor Ort unterstützen.“

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Maria Lancioni (45), Inhaberin der Essbar „Pasta e caffe“ am Ludwigsplatz:„Normalerweise habe ich in der Essbar Platz für 40 Personen. Jetzt habe ich nur noch vier Tische. Setzt sich also jede Person an einen Tisch, dann darf ich keine weiteren Kunden reinlassen. Ich und mein Team müssen jetzt unheimlich flexibel arbeiten. Ist wenig Kundschaft da, schicke ich meine Bedienung oder den Koch auch schon mal am Nachmittag nach Hause und bleibe alleine hier. Es ist wichtig, dass wir jetzt wieder aufgesperrt haben. Gerade in dieser Zeit ist jeder Euro wichtig.

To-Go-Geschäft läuft auch weiterhin

Unser To-Go-Geschäft wollen wir auch weiterhin anbieten. Im Moment kommen nur Stammgäste zu uns. Ohne die würden wir sterben, da bin ich mir sicher. Die Außengastronomie funktioniert super, der Innenbereich ist einfach das Problem. Gerade bei schlechtem Wetter. Schon jetzt mache ich mir Sorgen, wie es beispielsweise im November weitergehen soll –  falls die Auflagen dann immer noch bestehen. Ich muss ja auch weiterhin irgendwie die Miete und meine Mitarbeiter bezahlen. In den vergangenen zwei Monaten habe ich viel verloren. Allein im April waren es 30 000 Euro. Die Soforthilfe hat da wirklich geholfen. Aber auch meine Rücklagen.

Betriebsurlaub und ein zusätzlicher freier Tag

Normalerweise sind wir für unsere Kunden sechs Tage die Woche da. Ab Juni haben wir nicht nur Sonntag, sondern auch am Montag geschlossen. Außerdem müssen wir wohl einen Betriebsurlaub machen. Trotzdem bin ich optimistisch. Wir können nicht mehr machen als zu arbeiten und das machen wir wirklich gerne. Ich bin zuversichtlich und hoffe einfach auf viele sonnige Tage.“

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