Corona: Rosenheimer Software-Experten entwickeln Plattform für ambulante Pflegedienste

Die Drei von „InnFactory“: (von links) Maximilian Grassl, Tobias Jonas und Anton Spöck haben, gemeinsam mit fünf anderen IT-Profis, die Cloud-Plattform „Careplace“ entwickelt. Das Bild ist vor der Corona-Krise entstanden. . Andreas Jakob
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Die Drei von „InnFactory“: (von links) Maximilian Grassl, Tobias Jonas und Anton Spöck haben, gemeinsam mit fünf anderen IT-Profis, die Cloud-Plattform „Careplace“ entwickelt. Das Bild ist vor der Corona-Krise entstanden. . Andreas Jakob
  • Ilsabe Weinfurtner
    vonIlsabe Weinfurtner
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Das Start-up „InnFactory“ hat eine Clowd-Plattform programmiert, auf der sich ambulante Pflegedienste vernetzen können. Ziel soll es sein, auch während der Corona-Krise bestmögliche Hilfe anbieten zu können.

Rosenheim – Es ist der Albtraum der ambulanten Pflege während Corona: Ein Mitarbeiter erkrankt und kann seinen Patienten nicht mehr besuchen. Der Kranke bleibt unversorgt zurück. Vielleicht nur Stunden, vielleicht aber tagelang. Damit es soweit nicht kommen muss, haben Rosenheimer Software-Experten „Careplace“ entwickelt.

Vernetzung sorgt für kurze Wege

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Tobias Jonas, Anton Spöck und Maximilian Grassl kennen sich von der Technischen Hochschule in Rosenheim. Gemeinsam haben sie 2017 das Start-up „InnFactory“ gegründet. Mit Sitz im Gründerzentrum „Stellwerk 18“ tüfteln die drei IT-Experten seither an Software-Lösungen. Ihr jüngstes Projekt ist die Cloud-Plattforum „Careplace“. Innerhalb weniger Tage haben die drei 28-Jährigen, gemeinsam mit fünf Helfern, diesen Marktplatz der Hilfe entwickelt. Spätestens nächste Woche soll die Plattform nutzbar sein und allen Pflegediensten zunächst aus der Stadt, dann aber auch aus dem Landkreis Rosenheim, zur Verfügung stehen.

Krankendaten werden anonymisiert

Die Idee: Sollte einer der ambulanten Pflegedienste einen oder mehrere Kranke nicht versorgen können, etwa weil sich einer oder mehrere Helfer mit dem Corona-Virus infiziert haben, werden die Daten des Patienten auf „Careplace“ eingestellt. Ein anderer Pflegedienst kann dann dessen Versorgung übernehmen, wenn er dazu personelle Kapazitäten hat. Die Daten des Kranken werden anonymisiert. Informationen gibt es zunächst nur über den Wohnort, die Zeit, die für seine Pflege aufzuwenden ist, und welcher Art die Versorgung sein muss.

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Die Idee hinter „Careplace“ hatte Karsten Hoeft, Geschäftsführer von „Die mobile Krankenpflege GmbH“, in Rosenheim. Der Kontakt sowie die Koordination zwischen den Beteiligten kam über Daniel Artmann zustande, den Geschäftsführer des Gründerzentrums. Hoeft gilt als Sprecher der ambulanten Pflegedienste während der Corona-Pandemie und hatte zuletzt die schleppende Versorgung der Dienste mit Schutzmaterialien angeprangert.

Rumtelefonieren kostet wertvolle Zeit

Er hofft, dass mit der Clowd-Plattform die Vernetzung dichter, die Wege kürzer und schneller werden. „Wenn ich in einer solchen Situation erst alle Pflegedienste abtelefonieren muss, dann kostet das wertvolle Zeit“, sagt Hoeft. Einen weiteren Vorteil sieht er in der Regionalität des Angebots. Insgesamt aber, so sagt er, sei es ein Projekt, von dem man hoffe, dass es man es nie brauchen wird. „Ähnlich eines Airbags.“

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Für die Software-Entwickler ist „Careplace“ inhaltlich ganz neues Terrain. Bisher vor allem für Banken im Einsatz, haben sich die Entwickler innerhalb kürzester Zeit in die Anforderungen der ambulanten Pflege eingearbeitet.

Hoffnung auf Zuschuss

Reich werden Tobias Jonas und seine Mitstreiter durch „Careplace“ eher nicht. Noch ist die Finanzierung nicht abschließend geklärt, wie Jonas sagt. Die Rechnung geht zunächst an Karsten Hoeft, der dann unter anderem klären will, ob das Landratsamt Rosenheim einen Zuschuss zahlt. „Zum Gewinn der ‚InnFactory’ wird die Plattform nicht wirklich beitragen“, sagt Jonas.

Doch letztlich sei das auch nicht Ziel gewesen. Im Vordergrund habe gestanden, schnell eine Lösung für ein drängendes Problem anbieten zu können. Mittelfristig aber hofft er, die Plattform an andere Landkreise verkaufen zu können.

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