Zusammenhalt in der Krise

Der versteckte Christkindlmarkt: Händler aus der Region helfen der Rosenheimer Gastronomie

Café trifft Einzelhandel: Der Anbieter „biorausch“ verändert im Rosenheimer Café Innig das verloren geglaubte Weihnachtsgeschäft.
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Café trifft Einzelhandel: Der Anbieter „biorausch“ verändert im Rosenheimer Café Innig das verloren geglaubte Weihnachtsgeschäft.
  • Korbinian Sautter
    vonKorbinian Sautter
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Die Betreiber der Rosenheimer Gaststätten müssen aufgrund der Corona-Maßnahmen geschlossen bleiben oder auf ein To-Go-Angebot zurückgreifen. Regionale Händler nutzen die Gelegenheit und bringen ihr Angebot in die Wirtschaften. Das Ergebnis: eine vorweihnachtliche Mischung wie am Christkindlmarkt.

Rosenheim– Die verschärften Corona-Maßnahmen haben die Wirte in der Region stark getroffen. Bis auf Weiteres müssen die Lokale geschlossen bleiben oder dürfen ihre Speisen und Getränke nur zum Mitnehmen anbieten. Ein paar findige Einzelhändler nutzen diesen Umstand für eine neue Geschäftsidee: Sie bieten ihre Ware in den Gastronomiegeschäften an, um das dortige Angebot zu erweitern. Die Folge ist eine Art Gemischtwarenladen in Rosenheimer-Wirtshäusern, deren Angebot an die Stände auf dem Christkindlmarkt erinnert.

Café wird zum Weihnachtsladen

Als Erfinderin der weihnachtlichen Popup-Stores sieht sich Stefanie Kroboth, die Geschäftsführerin des Ladens „biorausch“. Zusammen mit Koch und Konditor Tom Schermer hat sie das geschlossene Café Innig unter neuem Motto wiedereröffnet: „Wir haben uns überlegt, wie wir sowohl die regionalen Händler als auch die Wirte unterstützen können, die aufgrund der Absage des Christkindlmarktes ihre Waren nicht anbieten können“, erklärt Kroboth. Das Ergebnis ist ein bunt geschmückter Laden, in dem von besonderen Ölen über handgemachte Gewürzmühlen bis hin zu Handarbeiten alles Mögliche angeboten wird.

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Der Geschäftsführer des Café Innig, Sebastian Phyrr, nutzte den entstandenen Indoor-Markt, um seine Kaffee– und Kuchenspezialitäten auch während der geltenden Corona-Restriktionen zu verkaufen. So entstand ein aus der Not geborenes System, von dem „alle Beteiligten profitieren“. Aus diesem Grund wurde die bis Ende November geplante Öffnung des Ladens auch erweitert. Mindestens bis zum 20. Dezember sollte das Zusatzangebot von Donnerstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr im Café eigentlich erhalten bleiben. Doch mit dem am Sonntag (13. Dezember) verkündeten, neuen bundesweiten Corona-Lockdown endet auch dieses Projekt.

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Das Konzept findet mittlerweile auch in anderen Geschäften zunehmenden Anklang. So hat das Rosenheimer Restaurant Glückspilz beschlossen, Holzarbeiten aus Thansau anzubieten, die sonst auf dem Christkindlmarkt in Bad Feilnbach verkauft werden. Zusätzlich zur Abholung der Gerichte, kann man jetzt auch durch die handgefertigten Werke stöbern und einen Kerzenhalter oder Altholzstern mitnehmen.

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Ein ähnliches Prinzip hat sich auch die Firma Franz Stettner ausgedacht. Dort will man den Verkaufsschlager in Form von Glühwein nutzen, um das To-Go-Angebot in den Wirtschaften aufzuwerten. „Wir bieten den Gaststätten dieses Jahr 40-Liter-Kocher an, mit dem sie unseren Glühwein aufwärmen und verkaufen können“, berichtet Thomas Malecki, der Verantwortliche für den Bereich Rosenheim. Wirtshäuser wie die Lausabar oder der Italiener Valentino in der Rosenheim Innenstadt nutzen das bereits und werden zum umfunktionierten Glühweinstand.

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Geschäftsidee wurde aus der Not geboren

Wer dementsprechend mit offenen Augen durch Rosenheim schlendert, findet die Produkte, die es sonst auf dem Christkindlmarkt zu kaufen gab. Trotz des bisherigen Erfolgs hoffen aber sowohl Händler als auch Wirte, dass der besondere Zusammenschluss im kommenden Jahr nicht mehr notwendig sein wird.

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