„Im Herzen folge ich der Kunst“

Wegen Corona: Rosenheimer Malerin nimmt mit fast 80 Jahren wieder den Pinsel in die Hand

Die Malerin Katharina Daxlberger in ihrer Galerie hoch über den Dächern Rosenheims. Rechts neben ihr das Bild „Der Sonne entgegen“.
+
Die Malerin Katharina Daxlberger in ihrer Galerie hoch über den Dächern Rosenheims. Rechts neben ihr das Bild „Der Sonne entgegen“.

Mit fast 80 Jahren beginnt für die Rosenheimer Malerin Katharina Daxlberger eine neue Schaffensphase. Vor allem die Corona-Krise hat sie zurück an die Leinwand geführt. Ein Portrait.

Von Rebecca Seeberg

Rosenheim – Hoch über den Dächern Rosenheims bringt die Künstlerin Katharina Daxlberger mit dicken Pinselstrichen Farbe auf das Weiß der Leinwand. Hier ist sie enthoben vom geschäftigen Treiben der Rosenheimer Altstadt und doch mittendrin – im warmen Leuchten ihrer Bilder im Großformat.

Bemerkenswert ist, dass Daxlberger sich erst mit fast 80 Jahren für das bunte, turbulente, aber auch anstrengende Leben einer Malerin entschieden hat. Schon 2012 veröffentlichte sie ihre Kunst auf verschiedenen Vernissagen – zog sich dann aber aus der Branche zurück.

Aktuelle Nachrichten und Artikel rund um das Thema Coronavirus in der Region finden Sie auf unserer OVB-Themenseite

Jetzt, nach einer weiteren Schaffensphase, öffnet sie die Pforten zu ihrer Galerie in der Rosenheimer Innenstadt. Anlass für die neuen Bilder ist die gegenwärtige Corona-Krise. Von rechts unten nach links oben zeichnet die Malerin deshalb im Werk „Zurück zu den Wurzeln“ den januskopfartigen Blick vom vergehenden hin zu neuem Leben, das aus den Ästen eines starken Baumes wächst.

„Manchmal schließe ich die Augen beim Malen“, verrät Daxlberger. Ihre Kunst entstehe spontan direkt auf der Leinwand. So finden sich in der Galerie neben Bildern zu den Eindrücken der Malerin zum Klimawandel oder zur Corona-Krise auch Werke, die ganz persönliche Erfahrungen widerspiegeln.

Lesen Sie auch:Überraschende Funde bei den Renovierungsarbeiten der Heilig-Geist-Kirche in Rosenheim

Im Bild „Durch dick und dünn“ etwa wandelt die Künstlerin in der Anfangsphase ihres Schaffens durch dicke, blaue Regengüsse. In dem Bild „Der Sonne entgegen“ geht sie mit der Sonne. Das Bild passt gut zum Lebensmotto Daxlbergers – sie folgt ihrem Herzen. „Entscheidungen gegen das Bauchgefühl waren meistens nicht gut“, erzählt die fast 80-Jährige.

In ihrer Galerie treffen feste Pinselstriche, dick aufgetragene Farben und schwungvoll gezogene Linien auf ausgefallene Einrichtungsgegenstände. Ein rosa Kerzenleuchter beißt sich mit dem knallorange eines asiatischen Sonnenschirms. Ein auf Hochglanz polierter antiker Tisch, umrahmt von mit rotem Samt bezogenen Stühlen, steht inmitten der Bilderpracht – an der Decke thront ein goldener Kronleuchter. Nicht nur die Einrichtung ist ausgewählt und besonders – auch die Künstlerin selber kleidet sich stilbewusst. Hier kommt die Geschäftsfrau in Daxlberger zum Vorschein. Von sich selber sagt sie: „Im Herzen folge ich der Kunst. Im Geschäft habe ich bestehen müssen.“ Aber genau deshalb nimmt man ihr die Frau von Welt auch ab. Sie ist eine gute Mischung aus Unternehmerin und Lebenskünstlerin.

1977 die „Simssee Sauna“ gegründet

Mit der von ihr 1977 gegründeten und 20 Jahre geführten „Simssee Sauna“ wurde Daxlberger über die Rosenheimer Landkreisgrenze hinaus bekannt. „Die 140 Umkleideschränke waren immer besetzt“, erinnert sie sich an ihre Zeit als Saunameisterin.

Lesen Sie auch: 12 Meter lang, über 300 Jahre alt – Wie die Tuntenhausener Krippe glanzvoll zurückkehrte

Nach Aufgabe dieses Berufes gründete sie eine Immobilienfirma – die zierliche Frau setzte sich auch hier in der männerdominierten Branche durch. Dieses Selbstvertrauen zeigt sich auch in Daxlbergers Affinität zum Bergsport – die 400 Höhenmeter in der Gratlandschaft am Kopftörlgrad im Kaisergebirge erklomm die tatkräftige Frau damals mit links. Daxlberger winkt ab. Sie habe vieles gemacht und das auch immer gut.

Keine Sauna, keine Immobilien

Für die Künstlerin war aber klar – mit 80 will sie nicht mehr in der Sauna stehen und auch keine Häuser mehr verkaufen. Sie würzt ihr Leben nun mit allen Tönen der Farbpalette. Ihre Kunst fasst sie knapp mit den Worten zusammen: „Das bin ich.“

Ab sofort sind Katharina Daxlbergers Werke in ihrer Galerie in der Prinzregentenstraße 2 zu erwerben. Aus dem Verkauf geht eine Spende an die Palliativ-Abteilung des Romed-Klinikums in Rosenheim. Die Kunst verkauft sie unter dem Titel „Themenbilder: Unikate. Farbe: Das Gewürz des Lebens.“

Mehr zum Thema

Kommentare