Corona-Risikogebiet Rosenheim: Was das bedeuten würde

Was kommt in Sachen Corona noch auf Rosenheim zu?
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Was kommt in Sachen Corona noch auf Rosenheim zu?
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Risikogebiete, das sind immer die anderen. Das galt in den vergangenen Wochen. Wird’s nun eng für die Region? Kaum hat Ministerpräsident Söder (CSU) das Beherbergungsverbot für Gäste aus Risikogebieten verkündet, steuert Rosenheim schon auf die kritische Marke an Neuinfektionen zu. 

Rosenheim – 50 Neuinfektionen mit Corona in sieben Tagen, hochgerechnet auf 100 000 Einwohner. Auf diese Marke schauen alle, die sich für die Corona-Lage interessieren. In Rosenheim liegt diese so genannte Siebentagesinzidenz – Stand Donnerstagmittag – bei 48,8. Damit drohen Rosenheim – wie bereits zwischen Ende August und Mitte September - verschärfte Regelungen.

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Und womöglich die Einstufung als Risikogebiet. Was bedeuten würde: Wer seinen Wohnsitz in Rosenheim hat, dürfte in bayerischen Betrieben nicht mehr beherbergt werden.

Dieser Fall aber wird so schnell nicht eintreten. Zumindest für die aktuelle Lage gab das Gesundheitsministerium den OVB-Heimatzeitungen gegenüber Entwarnung.

Es sei nicht beabsichtigt, innerbayerische Risikogebiete auszuweisen, heißt es aus München. Künftig wird zweimal in der Woche geprüft, ob Städte und Regionen neu aufzunehmen sind, oder ob sie von der Liste genommen werden können.

Nicht nur die Inzidenzzahl entscheidet

Die Inzidenzzahl, darauf weist das bayerische Gesundheitsministerium hin, sei nicht das einzige Kriterium. Es handele sich um Einzelfallentscheidungen, heißt es aus dem Gesundheitsministerium.

Dabei werde zum Beispiel erwogen, ob sich die Neuinfektionen in der Mehrheit in einem leicht zu isolierenden Bereich ereigneten, oder ob die Ansteckungsketten bereits außer Kontrolle seien.

Einfach gesagt sind die Kontaktpersonen in einer Gemeinschaftsunterkunft leichter zu ermitteln als nach einer Feier, deren Gäste sich nach Zapfenstreich in alle Himmelsrichtungen verteilen.

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Nicht beteiligt am Entscheidungsprozess ist das Robert-Koch-Institut. Das RKI weist dafür vielmehr jede Verantwortung von sich. „Das RKI hat weder Kriterien für innerdeutsche Risikogebiete, noch weist es diese aus“, heißt es in der Antwort auf eine Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. Schon Gebiete mit einer Inzidenzzahl von höher als 50 auf der Deutschlandkarte rot einzufärben, sei „eine politische Entscheidung, an der das RKI nicht beteiligt war“.

Ein einziger Flickenteppich

Schwierigkeiten könnte bereiten, dass einige Bundesländer die neue Regelung übernehmen, andere sie ablehnen oder nur zum Teil umsetzen.

Auch die Landkarte der Risikogebiete sieht nach Flickenteppich aus: Berliner ist nicht gleich Berliner. Während Gäste des Sonderzugs aus Pankow noch immer in Bayern nächtigen dürften, gilt beispielsweise für Kreuzberger oder Neuköllner Übernachtungsverbot.

Dem Hotelier, der sich darüber hinwegsetzt, droht Ungemach: 5000 Euro werden dafür fällig.

In Kiefersfelden leidet die Wirtschaft 

Währenddessen steigt das Missvergnügen mit dem Corona-Regel-Wald. Seit Tirol zum Risikogebiet erklärt wurde, herrschen strenge Quarantäne-Auflage für die Besucher aus dem österreichischen Bundesland.

Kiefersfelden bleiben mehr und mehr die Besucher aus Tirol weg, die Geschäftswelt leidet, berichtet 2. Bürgermeister Ralf Wieser. „Unsere Geschäftswelt und die Gastronomen merken’s“, sagt Wieser und schimpft: „Diese Regelung ist einfach nicht nachvollziehbar.“

Ohne Tiroler ist’s ein Trauerspiel

Mindestens einer der Betriebe zieht seine Konsequenzen aus der Aussperrung der Tiroler: Das Café Glück zieht seinen Betriebsurlaub um vier Wochen vor und macht für die nächsten beiden Wochen dicht. „Wir merken‘s extrem“, sagt Stephanie Brauneis, „das ist ein Trauerspiel ohne die Tiroler.“ Entsprechende Berichte bekomme sie von ihren Kollegen in Kiefersfelden, sagt sie: „Das merken auch die andern, die haben richtige Einbrüche. Wir in Kiefersfelden leben vom Besuch der Tiroler.“

Beim der Tourist-Info beziffert man den Anteil der Gäste aus Tirol auf bald 60 Prozent. Von denen fehlen nunmehr viele. „Wir vermissen unsere Freunde aus Tirol sehr“, sagt Werner Schroller von der Tourist-Info. 

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