Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Hohe Inzidenzzahlen in Rosenheim

„Absurd“: Region zwischen Festlaune und Lockdown-Angst - „Komische“ Corona-Subtypen im Umlauf

Coronavirus - Intensivstation: noch sind die ärzte in der Region Rosenheim  entspannt
+
Zwischen Bangen und Entspannung: Noch ist die Lage in den Krankenhäusern gut beherrschbar. Doch die hohen Inzidenzzahlen könnten den Druck erhöhen.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
    schließen

In der Region Rosenheim verfolgen die Fachleute die Entwicklung der Corona-Pandemie angespannt: Zwar scheint an den Kliniken die Lage noch beherrschbar. Aber die Lage könnte sich zum Herbst hin verschärfen. Und eine neue Variante macht den Experten Sorgen.

Rosenheim – Dieser Sommer ist anders als seine Vorgänger. Die Inzidenzenzzahlen schrauben sich anders als 2020 und 2021 in abenteuerliche Höhen und es wird wieder voller im Krankenhaus: 56 Patienten mit Covid werden im Romed-Klinikum auf der Normalstation betreut.

„So viele hatten wir im vergangenen Jahr nach einem ruhigen Sommer mit Zahlen im niedrigen einstelligen Bereich erst wieder am 28. Oktober“, sagt Dr. Jens Deerberg-Wittram. „Damals haben wir über den Lockdown diskutiert“, erinnert sich der Romed-Geschäftsführer. „Und heuer reden wir übers Oktoberfest. Es ist irgendwie absurd.“

Zwischen Bangen und Achselzucken

Irgendwo zwischen Bangen und Achselzucken: So könnte man die Gemütslage von Ärzten, Politikern und Experten beschreiben. „Niemand weiß, wo die Reise hingeht“, so äußert sich kurz vor dem Start in die Feriensaison der Rosenheimer Allgemeinarzt Dr. Nikolaus Klecker. Auch der Leiter des Staatlichen Gesundheitsamts Rosenheim tritt auf die Euphorie-Bremse. „Ich gehe davon aus, dass es allein aufgrund der zu erwartenden Menge an Ansteckungen auch zu einer deutlichen Zunahme der schweren Erkrankungen mit stationärer Behandlungsbedürftigkeit kommen wird“, sagt Dr. Wolfgang Hierl.

Schon habe ihm gegenüber Dr. Hanns Lohner, ärztlicher Direktor des Romed-Klinikums Rosenheim, die Sorge geäußert, dass wegen der steigenden Hospitalisierungsquote planbare operative Eingriffe erneut aufgeschoben werden müssten. Er wolle niemandem den Spaß verderben, sagt er. „Aber ich sehe daher die Vielzahl sozialer Events und Massenveranstaltungen genauso wie den weitgehend sorglosen Umgang der Bürgerinnen und Bürger ohne Abstand und Hygienemaßnahmen mit Sorge.“ Sein Tipp ansonsten: Maske auf in Innenräumen.

Inzidenzen in Region Rosenheim mit hoher Dunkelziffer

Die Ansteckungszahlen scheinen Hierl recht zu geben. Seit geraumer Zeit steigt die 7-Tage-Inzidenz wieder. Die Stadt Rosenheim liegt seit mehreren Tagen knapp unter 700, der Landkreis knapp über 600. Und das sind nur die Zahlen, die auf den Meldungen von positiven Tests an das Gesundheitsamts beruhen.

Die Dunkelziffer könnte sehr viel höher sein – denn es wird weniger getestet als noch im Winter. Erst recht, seit Schnelltests in den meisten Fällen drei Euro kosten. Auf der anderen Seite gibt es eine Testpflicht im wesentlichen noch vorm Besuch von Kliniken und Altenheimen. Im Sorglos-Sommer will niemand, der nicht muss, an die Pandemie denken. „Tests machen bei uns vor allem Leute mit Symptomen“, sagt Nikolaus Klecker. Im offiziellen Testzentrum von Stadt und Landkreis ist die Nachfrage mit rund 150 Tests pro Woche auch eher gering.

„Komische Subvarianten“ am Start

Ist das die Ruhe vor dem Sturm, oder echte Entspannung an der Corona-Front? Das hängt auch davon ab, wie sich das Virus entwickelt. „Es kursieren derzeit alle möglichen komischen Subvarianten“, sagt Dr. Thomas Schulzki, Leiter und Geschäftsführer des Medizinischen Labors in Rosenheim.

Ein Beispiel aus der Menagerie des aktuellen Viren-Zirkus ist der neue, in Indien erstmals registrierte Subtyp BA 2.75, der mittlerweile in sieben Ländern festgestellt wurde, darunter Deutschland. Auch Prof. Dr. Stefan Budweiser, Chefarzt Pneumologie am Romed-Klinikum, hat die neue Variante bereits im Visier. Er räumt ein, dass soviel darüber noch gar nicht bekannt sei. Aber: Es sei nach ersten Berichten davon auszugehen, dass diese Subvariante noch ansteckender sei als der ursprüngliche Omikron-Typ. Einiges deute auch darauf hin, dass diese Variante die durch Impfung oder Omikron-Infektion erreichte Immunisierung mit Leichtigkeit umgehe.

Was das zum Beispiel fürs Rosenheimer Herbstfest heißt? Deerberg-Wittram sieht Festzelte quasi als Treibhäuser für Infektion an: „Da kann man die Aerosole sozusagen schneiden.“ Aber vor allem international besuchte Großereignisse wie die Wiesn in München seien bedenklich, sagt der Krankenhauschef. Dann wenn Menschen aus allen Teilen der Welt in der Landeshauptstadt ausgelassen feierten – und möglicherweise die neusten Viren-Varianten austauschten.

Die hohe Ansteckungskraft des Virus hat die Spielregeln geändert, die Herbstwelle findet sozusagen bereits im Sommer statt. „Wir müssen damit rechnen, dass die bald beginnenden Sommerferien diese Welle weiter anschwellen lassen“, sagt Deerberg-Wittram. Sie könne im schlimmsten Fall in eine Phase fallen, in der ohnehin viele Klinikmitarbeiter im Urlaub seien.

Quarantäne wegen Corona: Wenn Kliniken auf einmal zu wenige Pfleger haben

Die Impfung verhindere meist schwere Verläufe, sagt Wolfgang Hierl. Was sie nicht unbedingt verhindert, ist die Ansteckung. Und damit die Quarantäne, wenn die Infektion im Test nachgewiesen wird.

„Wir nehmen da eine bewusst konservative Haltung ein“, sagt der Romed-Geschäftsführer, die Möglichkeit des Freitestens schon fünf Tage nach der Infektion sehe man bei Romed skeptisch – aufgrund der Gefahr, den Virus ins Krankenhaus einzuschleppen. Auf der anderen Seite müsse man aber auch zusehen, dass nicht so viele Mitarbeiter zu Hause bleiben, dass die kritische Infrastruktur bedroht sei – was im übrigen nicht nur die Mitarbeiter in Krankenhäusern, sondern auch Polizei, Feuerwehr und andere Bereiche betreffe.

Erneute Lockdowns und Schulschließungen will sich niemand vorstellen. Landrat Otto Lederer (CSU) mahnt bei der Politik dringend Verhältnismäßigkeit an. Soweit möglich, solle die erneute Schließung von Schulen und Kindertageseinrichtung vermieden werden. „Unsere Kinder brauchen ihre sozialen Kontakte“, sagt er. „Sie sind wichtig für ihre Entwicklung und ihr Wohlbefinden.“ Auch Lockdowns ganzer Branchen solle es nach Möglichkeit nicht wieder geben.

Kommentare