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Dritte Welle des Coronavirus

Chefarzt Dr. Lohner zur Pandemie-Lage in der Region Rosenheim: Druck auf Intensivstationen nimmt zu

Dr. Hanns Lohner
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Dr. Hanns Lohner
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Was den Medizinern in der Region Rosenheim Sorgen bereitet, sind die steigenden Zahlen von Patienten in den Intensivstationen. Und: Die Intensivpatienten sind jünger als noch in der zweiten Welle. Was dem Chefarzt und Pandemiebeauftragten Dr. Hanns Lohner dennoch Hoffnung macht.

Die Bundesnotbremse kommt, allenthalben hört man von großer Besorgnis. Teilen Sie die Sorgen?

Dr. Hanns Lohner: Wir stellen ein interessantes Phänomen fest. Die Belastung auf den Normalstationen hat nicht zugenommen, das war zuletzt eher sogar weniger. Aber in den letzten zehn Tagen hat der Aufnahmedruck auf die Intensivstationen deutlich zugenommen. Das macht uns Sorge. Wir gucken auf die Zahlen in Oberbayern, da nimmt die Intensivbelegung auch langsam zu, sie verharrte zuletzt aber auf einem Plateau. Bei uns aber ist da eine Zunahme. Aktuell in Rosenheim werden zehn Covid-Patienten auf der Intensivstation behandelt, die mehrheitlich auch beatmet werden.In Wasserburg sind es zwei Patienten.

Dass viele Menschen intensiv auch in den Schön Kliniken behandelt werden, die auf weitere Behandlung und Reha spezialisiert sind – liegt das am Phänomen Long Covid?

Lohner: Das korreliert gar nicht so unbedingt miteinander. Die Kliniken hier im Rettungsdienstbereich arbeiten auf verschiedenen Ebenen eng zusammen. Wir haben Covid-Intensivpatienten in Rosenheim und Wasserburg. Die Intensiv-Stationen in Prien und Bad Aibling helfen uns, indem sie nicht von Covid betroffene Patienten aufnehmen. Andere Kliniken wie etwa Vogtareuth übernehmen Patienten von unserer Intensivstation zur intensiv-medizinischen Weiterbehandlung. Bad Aibling macht intensivmedizinische Frührehabilitation und übernimmt eine große Zahl von ebenfalls Covid-Patienten, die bei uns gewesen sind.

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Es wird gerade viel über Long Covid gesprochen, gerade bei jüngeren Patienten.

Lohner: Wenn sich Long Covid entwickelt mit lang anhaltenden Allgemeinbeschwerden und Leistungsminderung, sind die Patient nicht mehr stationär bei uns. Was aber die Intensivversorgung an sich betrifft: Da haben wir schon mehr jüngere Patienten als während der zweiten Welle. Die kommen manchmal vielleicht etwas spät in die Klinik, nicht lang vor dem Intensivbedarf. Sie werden dann auch oft länger beatmet, versterben aber auch seltener als ältere Patienten.

Kliniken „zunehmend mehr belastet“

Wie knapp stehen die Kliniken vor der Kapazitätsgrenze?

Lohner: Wir sind belastet, das ist keine Frage. Wir sind zunehmend mehr belastet, weil wir mehr Intensivpatienten in den letzten zehn Tagen hatten. Das bemisst sich nicht an der Zahl der zur Verfügung stehenden Betten, sondern am kompetenten Intensivpersonal. Wir versuchen im RoMed-Verbund, Personal auf die Intensivstationen zu bekommen, damit können wir das zur Zeit noch bewerkstelligen.

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Macht Ihnen der neue Personalschlüssel zu schaffen, der für eine Pflegekraft nur noch zwei statt we bislang zweieinhalb Betten vorsieht?

Lohner: Mit vier Pflegekräften in jeder Schicht kann man acht Intensivpatienten betreuen, da geht aber kurzfristig auch mal die Betruung eines neunten. Diesen Personalschlüssel müssen wir aber auch halten, wir müssen natürlich unsere Mitarbeiter vor Überlastung schützen und es gibt entsprechende Verordnungen. Aber da man hoffen darf, dass man mal einen Patienten weniger als nach Schlüssel hat, darf man schon mal kurz drüber gehen. Dennoch: Das Personal ist schwer belastet. Der fachliche und personelle Aufwand zur in der Intensivpflege ist aber auch sehr hoch,

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Mussten Sie Betten sperren, weil Sie zu wenig Personal haben?

Lohner: Auch ohne Covid kommt es vor, bei allen Kliniken, dass eine Station vorübergehend voll ist. Dann muss man sperren. Es gibt da ein System, da ist jederzeit für alle Kliniken und den Rettungsdienst zu erkennen, wer noch Aufnahmefähigkeit hat und welche Klinik voll ist. Es ist aber durchausa auch üblich, dass man vorübergehend als nicht aufnahmebereit meldet. Dann müssen Patienten in andere Kliniken gefahren werden. Das ist aber nicht nur in Covid-Zeiten so, es ist nur jetzt manchmal häufiger.

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Sollten künftige Mutationen wieder zu viel mehr Erkrankungen führen – wären Sie gewappnet?

Lohner: Eine gewisse Zunahme können wir durch Verteilung im Verbund bewerkstelligen. Aber es stellt uns vor eine große Aufgabe. Wir haben ja nicht weniger Betten, sondern wir haben die Betten, die wir sonst auch zur Verfügung haben. Wir können sie aber auch nicht beliebig vermehren. Also müssen wir das gegebenenfalls durch Versetzung von Personal von einem Bereich in den anderen ausgleichen. Und irgendwann muss man noch genauer hinschauen, welche Intensivbetten man noch freihalten kann. Es könnte dann die Situation auftreten, dass z.B. Patienten mit Tumorerkrankungen länger auf ihre Operation warten müssen, weil das hierfür notwendige Intensivbett nicht zur Verfügung steht.

„Viel schwieriger, Personal zu verlagern“

Man liest von Tausenden Pflegekräften in Deutschland, die die Kliniken seit Ausbruch der Kliniken verlassen hätten.

Lohner: Für den RoMed-Verbund können wir nicht feststellen, dass unser Personal uns in Scharen verlassen hätte. Wir hatten natürlich in der ersten Welle noch viel mehr externe Kräfte, die uns unterstützt haben, es gibt ja auch Firmen, die Intensivpersonal vermitteln. Wir konnten in der ersten Welle viel mehr Personal aus anderen Bereichen abziehen, weil außer Covid keine Patientenversorgung im großen Stil mehr stattgefunden hat. Patienten mit anderen schweren Erkrankungen sind jetzt genauso in den Kliniken. Deswegen ist es nun viel schwieriger, Personal zu verlagern. Katheterbehandlungen bei Herzinfarkten et cetera – das muss genau so laufen wie sonst auch, das ist der Unterschied zu ersten und zweiten Welle.

Weniger klinische Verläufe, aber mehr Patienten auf der Intensivstation: Die dritte Welle macht Medizinern in der Region Rosenheim nach wie vor Sorgen.

Die dritte Welle, die Mutationen, die zunehmende Erschöpfung des Personals – wird man da manchmal panisch?

Lohner: Panisch sollte man nie werden. Wir versuchen das planvoll anzugehen. Die Entwicklung der letzten zehn Tage besorgt uns sehr. Wir werden auch in einer Woche die Patienten versorgen können, aber die Herausforderungen werden größer. Unser Personal hat schon zwei Wellen hinter sich, ist ausgebrannt in einem gewissen Sinne. Die Gefahr, dass wir zum Beispiel Triage machen müssen: Die sehe ich in der Region aber nicht.

Die gute Zusammenarbeit unter den Kliniken als entscheidender Faktor

Die britische Variante soll ansteckender sein, die brasilianische aber widerstandsfähig gegen Impfungen. Wie bereiten Sie sich darauf vor?

Lohner:Für uns ist das Entscheidende, was gerade und in den nächsten Wochen passiert. Im Moment dominiert ausschließlich die britische Variante. Unsere Konzentration geht dahin, das zu bewältigen, was wir bislang in der dritten Welle abschätzen können. Alles weitere wird man abwarten müssen. Wir werden zusehen, die dritte Welle im Rettungsdienstbereich Rosenheim mit Hilfe der guten Zusammenarbeit aller Kliniken in der Region zu brechen.

Corona in der Region: Zwei fordernde Wochen, dann Hoffnung auf Licht am Horizont

Sehen Sie Licht am Horizont?

Lohner: Die Tatsache, dass die Belegung auf den Normalstationen nicht so ansteigt und wir wissen, dass die Welle der Intensivpatienten da immer ein bisschen hinterherhinkt, kann Hoffnung geben, dass wir möglicherweise in zwei, drei Wochen auch im Bereich der Intensivstationen wieder auf einem Normalniveau sind. Das ist aber natürlich Spekulation. Ich hoffe, dass in den Mai hinein eventuell eine gewisse Stabilisierung eintritt. Doch da müssen wir erst hinkommen - die nächsten zwei, drei Wochen werden nochmals fordernd.

Machen sich die Impfungen langsam bemerkbar?

Lohner: Ja, das ist eindeutig der Fall. Wir sehen keine Ausbrüche in den Heimen mehr, da dort ein Großteil der Bewohner geimpft ist. Auch die mittlerweile gut vorangekommene Impfung von alten Menschen dürfte mit ein Grund dafür sein, dass diese sehr gefährdeten Patienten seltener an Covid erkranken als in der 1. und 2. Welle. Und bei unseren Mitarbeitern sehen wir die Wirkung der Impfung sehr deutlich. Wir haben mittlerweile mehr als 60 % unseres Personals geimpft und haben jetzt nur noch ganz selten von Covid betroffene Mitarbeiter. In Rosenheim hatten wir seit Monaten keine Patienten mehr, die sich während des Klinikaufenthaltes mit Covid angesteckt haben.

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