PANDEMIE-LAGE

Weiterhin Corona-Notbremse: Region Rosenheim kommt nicht unter Inzidenz von 100

Die Entwicklung der Pandemielage in der Region Rosenheim im Vergleich zur Vorwoche. Grafik Klinger
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Die Entwicklung der Pandemielage in der Region Rosenheim im Vergleich zur Vorwoche.
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Die Lage ist stabil, allerdings stabil angespannt: In der Region Rosenheim gelten mit 7-Tage-Inzidenzen von über 100 für Stadt und für Landkreis weiterhin die Beschränkungen der Notbremse. Doch die Kontaktverfolgung gibt Hoffnung.

Rosenheim – Stadt und Landkreis Rosenheim verharren jenseits der roten Linie: Mit Inzidenzzahlen von 132,2 (Stadt), beziehungsweise 127,8 zeigte sich die Ansteckungsquote zwar halbwegs stabil, aber eben jenseits der Grenze, ab der weitere Beschränkungen drohen.

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Auch im Landkreis werden damit die Schulen wieder zum Distanzunterricht übergehen müssen. Die Osterdelle, so zeigt es sich damit, war kurzlebig und dem Rückgang der Testungen während der Osterzeit geschuldet.

Dr. Wolfgang Hierl rät Arbeitgebern zu Homeoffice-Regelungen

Als größte Ansteckungsquelle macht das Gesundheitsamt das private Umfeld aus, dort hatten sich 42 Prozent der registrierten Fälle infiziert. Genauso hoch ist allerdings der Anteil der Inifzierten, die sich nicht mehr erinnern können, wo sie Kontakt mit einer infizierten Person gehabt haben könnten – bei einer Inkubationszeit von zwei Wochen erklärbar.

Zunehmend nimmt das Gesundheitsamt den Arbeitsplatz als Infektionsherd in den Blick. Dort haben sich mittlerweile fast sechs Prozent der neu registrierten Fälle angesteckt. „Die Unternehmen sollten, wo immer möglich, großzügig Gebrauch von Homeoffice-Regelungen machen“, sagt Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes Rosenheim.

Kontaktverfolgung wirkt sich aus

Mehr und mehr zeichnet sich ab, wie mit Tests Infektionsrisiken an Schulen kontrolliert werden können. Bis zum Donnerstag lagen dem Gesundheitsamt 16 Meldungen von positiven Selbsttestungen vor, davon vier von Mitarbeitern in Kitas und zwölf aus Schulen. Von diesen 16 positiven Selbsttestungen wurden nach Angaben der Behörde bislang zehn mit positiver PCR bestätigt.

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Jeder dritte neue Fall wird aber bei Untersuchungen als Folge der Kontaktpersonen-Nachverfolgung entdeckt. 43 Prozent der neu angesteckten Menschen hatten Symptome gespürt und sich dann testen lassen.

Der Nachschub an Impfstoff setzte bislang dem Tempo der Impfkampagne enge Grenzen. Das scheint sich zu ändern. Ende März war der Anbau beim Impfzentrum an der Loretowiese eröffnet worden, damit stehen den Mitarbeitern der von der Stadt geführten Einrichtung 15 Impfstraßen zur Verfügung.

Die Impfquote - allerdings sind hier die Impfungen durch Hausärzte in der Region noch nicht berücksichtigt.

Nach Angaben des Gesundheitsamtes wurden allein in der vergangenen Woche am Impfzentrum fast 11.000 Impfungen vorgenommen. Mit diesem Pensum steht das Impfzentrum nach Auskunft der Stadt am Anschlag. Was wiederum bedeutet, dass künftige größere Impfmengen von den Haus- und Fachärzten verimpft werden müssen.

Deren Anteil fällt ins Gewicht. Über 7.800 Impfungen haben die Hausärzte bereits verabreicht (seit Ende März). Diese Zahl ist zu den rund 67.800 Impfungen in Heimen, Krankenhäusern sowie dem Impfzentrum hinzuzuzählen. Nach insgesamt gut 75.000 verimpften Dosen liegt die Region bei 6,6 Prozent Zweitimpfungen – und damit in etwa im bundesdeutschen und bayerischen Schnitt.

Bei den Erstimpfungen steht die Region inklusive der Impfungen durch Hausärzte bei 16,7 Prozent und damit weiter hinter Deutschland (18,5 Prozent) und Bayern (18,8 Prozent). Die Stadt Rosenheim, zuständig für das Impfzentrum von Stadt und Landkreis, hatte noch am Donnerstag auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen andere Zahlen genannt: bei der Erstimpfung eine Quote von rund 14,5 Prozent, Zweitimpfung rund acht Prozent. Für die Diskrepanz hatte die Stadt gestern auf Nachfrage keine Erklärung.

Drei von vier Ansteckungen rühren von der britischen Variante her

Seit vergangenem Freitag wurden dem Gesundheitsamt 417 neue Fälle (zuletzt: 357) gemeldet. Bisher sind insgesamt 15.815 Fälle von Covid-19 registriert worden. (Landkreis: 12.364, Stadt: 3.451). Mittlerweile wurde nach Angaben des gesundheitsmtes bei mindestens 14.064 Menschen eine Genesung dokumentiert. 494 Personen sind bis zu diesem Zeitpunkt an oder mit der Erkrankung gestorben (Landkreis: 438, Stadt: 56). Von den vier Menschen, die dem Gesundheitsamt vergangene Woche gemeldet wurden, starben zwei in einem Heim.

Weiterhin macht das starke Auftreten der britischen Virusvariante dem Gesundheitsamt Sorgen. Bislang wurden dem Gesundheitsamt 1.677 Fälle (Landkreis 1.263, Stadt 414, zuletzt insgesamt 1.367) einer bestätigten besorgniserregenden Variante gemeldet. Dabei bleibt es bei dem einen längst bekannten Fall der südafrikanischen Variante, die andern fälle entfallen auf die Mutation B1.1.7.

Die Zahlen des Gesundheitsamtes belegen, wie sie den „Wildtyp“ des Virus verdrängt: Im März betrug die Rate positiver britischer Varianten an allen positiv gemeldeten Fällen 60,4 Prozent, im April bislang 68,6. Seit dem letzten Wochenbericht liegt sie demnach sogar bei 74,3 Prozent. Hierl bescheinigt dem neuen Virus eine höhere Ansteckungskraft und die Gefahr schwererer Verläufe.

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91 Covid-19-Patienten werden aktuell in Stadt und Landkreis Rosenheim stationär behandelt (zuletzt: 86). Hiervon befinden sich 19 Patienten (18) auf einer Intensivstation. Darunter befinden sich nach Aussagen des Romed-Klinikumsverbunds auch Menschen, die auch nach durchgemachter Covid-19-Erkrankungen noch einen längeren Intensiaufenthalt benötigen.

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