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Pandemie

Corona-Lage am Romed-Klinikum: Britische Variante dominiert in ansteigender dritter Welle

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Pfleger und Schwester auf Intensivstationen arbeiten seit einem Jahr unter Hochdruck. (Symbolbild)
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Die dritte Welle der Corona-Pandemie nimmt Fahrt auf. Wie wirken sich die steigenden Infektionszahlen auf die Kliniken aus? Mit Dr. Hanns Lohner, Chefarzt und Pandemiebeauftragter des Romed-Verbunds, sprachen die OVB-Heimatzeitungen über die höhere Ansteckungskraft der Mutationen und über Therapien.

Rosenheim – Die dritte Welle der Corona-Pandemie nimmt Fahrt auf. Doch wie werden sich die steigenden Infektionsszahlen auf die Kliniken auswirken? Mit Hanns Lohner, Chefarzt und Pandemiebeauftragter des Romed-Verbunds, sprachen die OVB-Heimatzeitungen über die höhere Ansteckungskraft der Mutationen, über verbessere Therapien und über das Gefühl beim Anrollen der Welle.

Dr. Hanns Lohner

Die Inzidenzzahlen steigen, die Zahlen der klinischen Fälle sinken: Ein gutes Zeichen oder nur die Ruhe vom Sturm?

Hanns Lohner: Regelrecht sinken tun die Zahlen nicht. Gegenüber dem Stand vor zwei Wochen sind sie gestiegen, aber noch nicht dramatisch. Wir behandeln die Patienten daher noch ausschließlich im Klinikum in Rosenheim, gottseidank.

Lesen Sie auch: Corona-Zahlen in Landkreis Rosenheim steigen rasant an

Die 7-Tage-Inzidenz dagegen ist aber förmlich emporgeschnellt.

Richtig.

Wenn dann vergleichsweise immer noch wenige Menschen in der Klinik sind: Kommt das dicke Ende noch, oder stecken sich zur Zeit eher die Jüngeren an, die selten schwere Verläufe haben?

Lohner: Beides. Auch bei der zweiten Welle war es so, dass die Inzidenzen gestiegen sind, und wir haben das in den Kliniken lange wenig oder gar nicht gemerkt. Es gibt einen zeitlichen Verzug. Ich gehe davon aus, dass die Zahlen in den Kliniken ansteigen werden. Wie weit, das können wir schlecht vorhersagen.

Aber in den Landkreisen Miesbach und Rosenheim (Bereich des Rettungsdienstbezirks, Anm. der Red.) sind die Inzidenzzahlen bei den unter 60-jährigen mehr als doppelt so hoch wie bei über 60-Jährigen. das ist ein gewaltiger Unterschied. Das führt im Moment wohl ebenfalls dazu, dass wir keine in dem Maße ansteigende Zahl haben, wie wir sie schon mal hatten.

Welche Gründe gibt es dafür, dass zur Zeit die besonders gefährdeten Gruppen über 80 seltener ins Klinikum gebracht werden müssen?

Lohner: Das Impfen wirkt sich möglicherweise schon aus. Die überwiegende Anzahl der Heimbewohner ist geimpft. Wir haben kaum mehr große Ausbrüche in den Einrichtungen.

Aber das heißt nicht, dass die Zahl bei uns nicht noch wirklich ansteigen wird. Wenn die Inzidenzzahlen so kommen wie vom RKI prognostiziert, dann werden wir das im Klinikum merken.

Dennoch: Es werden Stimmen lauter, die eine Loslösung von der Inzidenzzahl und einen kreativeren Umgang mit der Pandemie fordern.

Lohner: Wir müssen uns um die medizinischen Dinge kümmern. Ob gelockert wird, da spielen auch andere Überlegungen eine Rolle. Letztlich sind das politische Entscheidungen, die müssen zum Glück nicht wir fällen. Wir können sagen: Je mehr Lockerungen kommen, desto mehr Infektionen erwarten wir.

Zuletzt hat Rosenheims Oberbürgermeister März im OVB-Interview gefordert, sich von der Fixierung auf Inzidenzzahlen zu lösen. Sehr wichtig ist doch auch, wie stark die Kliniken ausgelastet sind.

Lohner: Es geht darum, das Gesundheitssystem nicht zu überbelasten. Von daher ist die Belegung der Kliniken ein entscheidender Faktor. Aber natürlich muss man auch die Zeitverzögerung mitberechnen.

Das ist zur Zeit die große Unbekannte: Wie stark wirken sich die neuen Inzidenzzahlen nach zwei Wochen auf die Belegung in den Kliniken und speziell auf den Intensivstationen aus?

Machen Sie sich große Sorgen?

Lohner: Der begrenzende Faktor ist das Personal. Unsere Mitarbeiter sind alle schon ermüdet, unser Personal ist im Grunde seit einem Jahr durchgängig extrem belastet. Auf der anderen Seite ist es so, dass natürlich Routine eingekehrt ist, das Wissen, dass wir das bewältigen können.

Die Frage ist auch hier: Wie stark steigt die Belastung an? Ich bin überzeugt, dass unsere Mitarbeiter weiter ihr Bestes geben. Panik spüre ich jedenfalls nicht.

Auch, weil das Wissen über Corona gewachsen ist?

Lohner: Wir haben an sich nach wie vor keine neuen Medikamente. Aber die Intensivbehandlung und Behandlungen auf den Normalstationen sind routinierter geworden. Dazu zählt der frühe Einsatz von Cortison-Präparaten oder das nichtinvasive Verfahren der High-Flow-Sauerstofftherapie, um eine Intubation zu vermeiden.

Es ist alles noch professioneller geworden, zum Beispiel setzen wir stärker auf Blutverdünnung, um Thrombosen zu verhindern. Unter den Patienten auf der Intensivstation verzeichnen wir eine deutlich geringere Sterblichkeit - die hat sich ungefähr halbiert. Schwerbetroffene profitierten sehr vom besseren Knowhow.

Alle reden von der Variante B.1.1.7, der britischen Mutation. Sie auch?

Lohner: In unseren Kliniken wird praktisch fast ausschließlich die britische Variante festgestellt, bei über 90 Prozent der Patienten.

Ist sie nur ansteckender oder auch gefährlicher?

Lohner: Wir können nicht unmittelbar ablesen, dass diese Variante gefährlicher sei und zu schwereren Verläufen führt. Damit sind aber Studien noch lange nicht widerlegt, die genau das annehmen. Wir können auch noch nicht sagen, ob nun bald auch zunehmend Jüngere ins Klinikum kommen. Einen klaren Trend haben wir noch nicht.

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