Corona-Krise: Wie Bau- und Gartencenter in Rosenheim den ersten Verkaufstag meistern

Freude auch im Bellandris Gartencenter Rosenheim: Geschäftsführer Florian Nickl präsentiert eine Geranie.
  • Anna Heise
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Lange Schlangen, Absperrungen und Schilder mit Hygienehinweisen: So sah er aus, der erste Tag in Rosenheims Gartenzentern und Baumärkten nach vier Wochen Zwangspause aufgrund der Corona-Krise. Ein Besuch vor Ort.

Rosenheim – Für Maximilian Prentl (48) und Florian Nickl (37) war der Montag Tag so etwas wie der Anfang der Rückkehr in die Normalität. „Ich bin froh, dass wir endlich wieder geöffnet haben“, sagt Nickl, der Geschäftsführer des „Bellandris Gartencenters Rosenheim“. Vor seinem Geschäft sind Metallzäune aufgebaut, Ein- und Ausgang sind strikt voneinander getrennt. Überall hängen Schilder, die die Kunden auf den Mindestabstand und die Hygieneregeln hinweisen.

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Direkt am Eingang steht ein Mitarbeiter, der egen des Coronavirus Einkaufswagen desinfiziert und anschließend an die Kunden verteilt. „Über die Einkaufswagen regulieren wir die Besucheranzahl“, sagt Nickl. Pro 20 Quadratmeter Verkaufsfläche darf er maximal einen Kunden einlassen. Heißt: Bei einer Verkaufsfläche von 8 500 Quadratmeter dürften 425 Kunden zeitgleich im Gartencenter einkaufen.

Im Gartencenter selbst herrscht reges Treiben. Auf dem Boden sind Markierungen angebracht, die den Mindestabstand kennzeichnen. An den Kassen und Beratungstheken hängen Plexiglasscheiben. Die Mitarbeiter und etliche Kunden tragen einen Mund-Nasen-Schutz.

Die neue Normalität:Vor dem „Bellandris Gartencenter Rosenheim“ sind Metallzäune aufgebaut. Überall hängen Schilder mit Verhaltens- und Hygieneregeln. Schlecker

Einkaufswagen und Mund-Nase-Schutz

Ähnlich die Situation in der Gärtnerei Prentl: Auf einer Tafel am Eingangsbereich stehen die wichtigsten Vorschriften. So dürfen Kunden das Geschäft nur mit einem Mund-Nasen-Schutz und einem Einkaufswagen betreten. Direkt am Eingang steht ein Spender mit Desinfektionsmitteln, ein zweiter steht an der Kasse. Insgesamt dürfen sich nur 50 Kunden zur gleichen Zeit in der Gärtnerei aufhalten

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„Bis jetzt funktioniert es ganz gut. Fast alle Kunden halten sich an die Regeln“, sagt Geschäftsführer Maximilian Prentl. Tagelang habe er sich auf die Wiedereröffnung vorbereitet. Er hat, gemeinsam mit dem bayerischen Gärtnereiverband, zwei Vorrichtungen zum Spuckschutz bestellt, dazu Visiere für seine zwölf Mitarbeiter.

Der von Prentl befürchtete Ansturm aber blieb aus. Zum Glück. „Eigentlich ist es wie ein ganz normaler Tag“, sagt er.

Mit Mundschutz und Handschuhen: Maximilian Prentl freut sich über die Wiedereröffnung seiner Gärtnerei.

Großer Ansturm im Baumarkt OBI

Einen größeren Ansturm gab es dafür im Baumarkt OBI im Aicherpark. „Wir haben unheimlich viel zu tun“, sagt der Geschäftsführer schon am Vormittag am Telefon. Ein Besuch vor Ort bestätigt dass. Freie Parkplätze gibt es kaum noch. Auch hier stehen Metallzäune, ein Mitarbeiter kümmert sich um das Desinfizieren der Einkaufswagen. Im Einkaufsbereich hängen Schilder, die auf die Verhaltensregeln hinweisen.

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Im Kassen- und Servicebereich wurden Plexiglasscheiben aufgestellt, an der Kasse dürfen maximal fünf Menschen stehen. Beratungstermine finden zum Schutz von Kunden und Mitarbeiter nicht mehr statt. Die meisten Kunden reagieren verständnisvoll, nehmen das lange Anstehen klaglos in Kauf. „Hilft ja nichts“, sagt ein älterer Herr, als er seinen Einkaufswagen in Richtung Auto schiebt.

Große Erleichterung nach vier Wochen Zwangspause

Und auch Maximilian Prentl und Florian Nickl nehmen die Regeln und Vorschriften ohne Zögern in Kauf. Zu groß ist die Erleichterung, nach vier Wochen Zwangspause wieder geöffnet zu haben. „Wir haben über 90 Prozent Umsatz verloren“, sagt Nickl.

Onlinehandel ins Leben gerufen

Während der Schließung hat er, gemeinsam mit seinen Mitarbeitern, einen Onlinehandel ins Leben gerufen. Sie haben sich ein Sortiment überlegt, von den 250 Artikeln Fotos gemacht und einen kurzen Text dazugeschrieben. Auch die Auslieferungen übernahmen sie selbst. „Es war eine richtige Nacht- und Nebelaktion“, sagt Nickl. Zudem gab es täglich einen Parkplatzverkauf mit Vertrauenskasse. Das hat finanziell ein wenig geholfen. Trotzdem sei die Situation schwierig. „Wir müssen jeden Euro zweimal umdrehen“, sagt er.

Mehr als 100 Bestellungen am ersten Tag

Etwas besser geht es Maximilian Prentl, auch weil der „Lieferservice wahnsinnig gut angenommen wurde“. Bereits am ersten Tag habe es 100 Bestellungen gegeben. Außerdem bot auch Prentl einen Parkplatzverkauf an.

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Und auch wenn die beiden Männer die Krise kreativ gemeistert haben, freuen sie sich doch über ein Stück Normalität, das seit gestern Einzug gehalten hat.

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