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Corona-Pandemie in der Region

Delta-Variante „definitiv infektiöser“: Warum nach den Ferien die vierte Corona-Welle anrollen könnte

Großes Stück vom Kuchen: Mitte Februar registriert das Gesundheitsamt erstmals offiziell die britische Variante. Mittlerweile machen die neuen sogenannten besorgniserregenden Varianten zusammen fast 100 Prozent der Ansteckungen aus. Grafik Klinger
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Großes Stück vom Kuchen: Mitte Februar registriert das Gesundheitsamt erstmals offiziell die britische Variante. Mittlerweile machen die neuen sogenannten besorgniserregenden Varianten zusammen fast 100 Prozent der Ansteckungen aus. Grafik Klinger
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Nach der Welle ist vor der Welle: Sommerliche Temperaturen und Impfkampagne drängen die Corona-Pandemie zurück. Doch ein Rosenheimer Experte warnt vor einer vierten Welle im Spätsommer. Wegen der Delta-Variante.

Rosenheim – Droht der Region eine vierte Welle der Corona-Pandemie? Es geht die Sorge vor der Delta-Variante um. Die Mutante des Corona-Virus aus Indien ist nach Einschätzungen von Experten aus der Region besonders ansteckend.

Dr. Thomas SchulzkiLeiter Medizinisches Labor

„Sie scheint definitiv infektiöser zu sein“, sagt Dr. Tomas Schulzki, Geschäftsführer und Laborleiter des Medizinischen Labors in Rosenheim im Interview den OVB-Heimatzeitungen. Was er wiederum auf die Kombination aus mehreren Mutationen zurückführt.

Der neue Corona-Typ: Auch in Region auf dem Vormarsch?

In Stadt und Landkreis Rosenheim ist dieser neue Typ des Virus nach den Zahlen des Gesundheitsamts noch eine Randerscheinung. Aber: Bei neuen Varianten stellt sich Gewissheit erst mit Verzögerung ein. Auch bei den Zahlen für die britische Variante hielt sich das Gesundheitsamt zunächst zurück – bis durch Sequenzierung, die Analyse des Virus-Erbguts aus Verdachtsfällen nachgewiesene Infektionen durch den Typ B.1.1.7 wurden. Am 22. Februar bestätigte das Gesundheitsamt die nunmehr so ogenannte Alpha-Variante.

Die Folgen für die Statistik waren dramatisch. Die Zahlen explodierten förmlich. Bis zum Abflauen der Pandemie im Juni gingen gut zwei Drittel der Fälle auf Infektionen mit dieser Variante zurück.

Neue Corona-Mutanten: Gewissheit erst durch Sequenzierung

Bislang meldet das Gesundheitsamt Rosenheim sieben Fälle der sogenannten Delta-Variante in Stadt und Landkreis. Seit vergangenem Freitag sank die Zahl sogar um eins auf sieben. „Befundkorrektur des Labors“, meldet Sprecherin Ina Krug.

Lesen Sie auch: Das Delta-Gespenst geht um: Kommt Corona mit Wucht zurück?

Auch Behörden und Wissenschaft müssen sich auf die neue Lage erst einmal einstellen. Thomas Schulzki rät zur Wachsamkeit. „Diese Variante macht mir nicht direkt Angst, aber ich beobachte die Entwicklung mit Interesse“, sagt er.

Abflauen der Pandemie erschwert Datensammeln

Das Abflauen der Pandemie bremst den Erkenntnisdrang von Wissenschaftlern und Praktikern. Denn zur Zeit kommen nur wenige positive Tests im Labor an, „dem allgemeinen Trend folgend“, wie Schulzki sagt. So habe man auch nur wenige Proben zur Verfügung, an denen man neu eingeführte Testverfahren auf sogenannte „besorgniserregende Varianten“ (VOC) testen könne.

Ebenfalls interessant : Ärzte in der Region Rosenheim: Zu wenig Nachschub bei Corona-Impfstoffen

Was er bestätigen kann: Der neue Typ kommt zunächst unauffällig daher. „Diagnostisch problematisch“ sei, dass die neue Variante bei den bisherigen Tests als „Wildtyp“ durchgehe, also als ursprünglicher Typ. „Erst nachgelagerte Tests weisen sie als Delta-Variante nach.“

Die sichere Methode zum Nachweis der Delta-Variante ist die Sequenzierung. Sie wird in spezialisierten Labors etwa beim Landesamt für Gesundheit in Erlangen vorgenommen. Ein „sehr aufwendiges und teures Verfahren“, sagt Schulzki.

PCR-Test für Delta-Variante er noch in der Erprobung

Selber könne er noch nicht auf die Delta-Variante testen, sagt Schulzki, aber man arbeite daran: „Wir prüfen gerade die Möglichkeit, eine VOC-PCR auf das Delta-Virus einzuführen und werden wahrscheinlich in einer Woche beginnen.“ Was erste, nicht belastbare Prüfungen ergaben: Auch Ansteckungen in Neubeuern (wir berichteten) könnten auf die Delta-Variante zurückgehen. Die Ergebnisse der Sequenzierung stünden noch aus, sagt Schulzki. Was man aber schon jetzt sagen könne: Was heutzutage nicht britische Variante sei, „ist irgendwas anderes Komisches“, der ursprüngliche Typ sei hnahezu verdrängt.

Sommer und Impfen helfen gegen Corona

Noch bewirken sommerliche Temperaturen und Impfkampagne Innerhalb der vergangenen sieben Tage – Stand gestern, Dienstag – wurden 47 Ansteckungen im Landkreis und zwei in der Stadt verzeichnet. Die sommerlichen Temperaturen und die Impfkampagne helfen, die Zahlen unten zuhalten.

Aber was, wenn die Ferien vorüber und die Urlauber zurückgekehrt sind? Steuert das Land dann wie im vergangenen Jahr geradewegs auf den nächsten Lockdown zu?

„Meine Sorgen betreffen die Zeit nach den Ferien“, sagt Schulzki. „Allenthalben gibt es Lockerungen, und ich befürchte, dass da noch was kommt.“

Anteil der Delta-Varante dürfte wachsen

Dr. Hanns Lohner, Chefarzt und Pandemie-Beauftragter des Romed-Verbunds, hält einen erneuten Anstieg der Zahlen für möglich. Man stelle sich darauf ein, dass der Anteil der Delta-Variante steige. „Wir rechnen jedoch nicht damit, dass es in den nächsten Wochen zu einer Zunahme von Covid-Patienten in unseren Kliniken kommen wird.“ Die spezielle Covid-Intensivstation von Romed sei derzeit nicht in Betrieb, werde „aber bis auf weiteres betriebsbereit gehalten“.

Die vierte Welle ist alles andere als ausgeschlossen. Die Experten aber machen auch Mut. Man könne annehmen, dass mit dem Impffortschritt die Belastung der Kliniken in einer „möglichen vierten Welle geringer sein wird als bei den bisherigen Erkrankungswellen“, sagt Lohner.

Das Impfen sei entscheidend, findet auch Schulzki. Es könne eine vierte Welle geben, aber die dürfte „deutlich schwächer ausfallen“.

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