Corona beendete Abenteuer: Neuseeland-Austausch von Rosenheimer Schülerin frühzeitig abgebrochen

Geplant waren zwei Monate, am Ende waren es nur sechs Wochen: Maja Stahl aus Rosenheim musste wegen der Coronakrise ihren Austausch im neuseeländischen Timaru frühzeitig abbrechen. Privat
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Die Coronakrise betrifft nicht nur die Menschen innerhalb der Bundesrepublik, sondern auch Deutsche, die ihren Auslandsaufenthalt deswegen vorzeitig abbrechen müssen. Einige können ihre Reise gar nicht erst antreten. Betroffene Rosenheimer Schülerinnen berichten.

Von Alexandra Schöne

Rosenheim –  Es waren zwar nur zwei Wochen, die sie früher abreisen musste, aber der Abschied war trotzdem schwer und kam überraschend: Maja Stahl, Schülerin in der 10. Klasse am Karolinen-Gymnasium Rosenheim, musste ihren Aufenthalt im neuseeländischen Timaru abrupt beenden.

„Ich bin Anfang Februar von Deutschland aus gestartet, um meine Austauschpartnerin zu besuchen. Die war vorher hier zu Besuch“, erklärt die 15-Jährige. „Ich wäre auch nur zwei Monate in Neuseeland geblieben, aber am Ende waren es dann sechs Wochen.“ Die Ausbreitung des Coronavirus machte ihr und anderen Austauschschülern einen Strich durch die Rechnung – und das ein wenig überraschend.

„Ich hatte gar nicht damit gerechnet, zurückgeholt zu werden. Zu Beginn meiner Zeit dort war das Virus gar kein Thema, es gab auch keine Fälle, jedenfalls nicht bei uns auf der Südinsel. Ich habe schon ein bisschen mitbekommen, wie es in Deutschland ist, aber das es so ausartet, hätte ich nicht gedacht“, sagt sie. Die Schule in Timaru habe auch erst zwei Tage nach ihrem Abflug geschlossen. „Aber die Schüler wurden schon sehr intensiv darauf vorbereitet, noch während ich dort war.“

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Lange wusste sie nicht, wann sie denn die Reise zurück in die Heimat antreten muss. „Erst haben wir per E-Mail die Benachrichtigung bekommen, dass wir nach Hause müssen. Da war ich ziemlich traurig, genauso wie meine Gastfamilie, bei der ich gewohnt habe. Dann wurde dreimal der Flug storniert, da unsere ursprüngliche Fluglinie nicht mehr nach Deutschland geflogen ist“, berichtet die Schülerin. Am Ende sei sie insgesamt fast 48 Stunden unterwegs gewesen, mit fünf verschiedenen Flugzeugen.

Kurzer Abschied von Freunden und Familie

Der Abschied in Neuseeland sei kurz ausgefallen. „Ich habe ein paar Geschenke bekommen und mich von meiner Gastfamilie und Freunden verabschiedet. Wir fanden nur alle so schade, dass wir nicht gemeinsam in das Camp fahren konnten, das am Ende der zwei Monate stattgefunden hätte“, sagt sie bedauernd.

Trotz allem sei der Austausch in Neuseeland eine „tolle Erfahrung“ gewesen. „Es war total cool“, schwärmt die 15-Jährige. „Ich habe eine sehr gute Freundin gefunden, mit der bin ich täglich in Kontakt. Die Landschaften in Neuseeland sind wunderschön und ich war oft Wandern und Zelten, habe Wakeboarding ausprobiert. Außerdem bin ich viel selbstständiger geworden.“

Andere deutsche Schüler trifft das gleiche Schicksal wie Stahl. Auch sie müssen wegen der Coronapandemie frühzeitig ihren Auslandsaufenthalt beenden. Wie die Austauschorganisation „AFS Interkulturelle Begegnungen“ bekannt gab, sind am vergangenen Dienstag rund 200 deutsche Jugendliche wieder in Frankfurt gelandet.

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Zusammen mit Schülern aus Skandinavien, der Schweiz und den Niederlanden traten sie die Rückreise aus den USA an.

Die Organisation arbeitet seit rund zwei Wochen daran, für die Teilnehmer der Austauschprogramme weltweit Rückflüge zu organisieren. „Wir glauben, dass die Jugendlichen momentan am besten bei ihren Familien aufgehoben sind“, betont Anne Dewitz, Verantwortliche in der Entsendeabteilung von AFS Deutschland.

Bei vielen Ländern sei dies ein schwieriges Unterfangen: „In den letzten Wochen erlebten wir quasi stündlich Streichungen von Flugverbindungen aus den USA nach Europa“, sagt Dewitz.

Flug nach Argentinien wurde zuvor abgesagt

Wegen Corona erst gar nicht die Reise ins Ausland antreten können, das musste Mira Schulze durchmachen. Die 15-Jährige ist ebenfalls Schülerin am Karolinen-Gymnasium und sollte Ende März für zehn Wochen nach Argentinien fliegen. „Meine Austauschpartnerin war schon einige Wochen in Deutschland zu Besuch und ich sollte dann zu ihr fliegen. Zweieinhalb Wochen vor der Abreise kam aber die Nachricht, dass der Flug wegen Corona abgesagt ist“, sagt Mira Schulze.

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Sie sei sehr enttäuscht gewesen. „Wir haben dann versucht, doch noch einen neuen Flug zu finden, aber da war nichts mehr zu machen.“ Der Austausch, der vom Bayerischen Jugendring organisiert wurde, ist laut Schulze komplett abgesagt. „Er wird nicht einmal verschoben, es wird keinen Ersatz geben“, berichtet sie traurig.

Von dem Geld, das ihre Familie schon gezahlt hat, hätten sie aber beinahe alles schon zurückbekommen. „Jetzt überlegen wir, ob ich den Austausch nach Argentinien einfach irgendwann privat nachhole, vielleicht in den Sommerferien. Nächstes Jahr in der elften Klassen wird es ja eher schwierig werden“, meint die Schülerin.

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