Cocktails, Straßenkunst und Livemusik: So sieht der Ersatz fürs Rosenheimer Herbstfest aus

„Sommer in Rosenheim“ statt Herbstfest: Auch wenn das Herbstfest in diesem Jahr aufgrund der Corona-Krise abgesagt wurde, müssen die Rosenheimer nicht gänzlich auf die Volksfeststimmung verzichten. Im Haupt- und Finanzausschuss wurde jetzt das Konzept „Sommer in Rosenheim“ vorgestellt - quasi ein „dezentrales“ Herbstfest.
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„Sommer in Rosenheim“ statt Herbstfest: Auch wenn das Herbstfest in diesem Jahr aufgrund der Corona-Krise abgesagt wurde, müssen die Rosenheimer nicht gänzlich auf die Volksfeststimmung verzichten. Im Haupt- und Finanzausschuss wurde jetzt das Konzept „Sommer in Rosenheim“ vorgestellt - quasi ein „dezentrales“ Herbstfest.
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
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Der „Sommer in Rosenheim“ kann kommen. Im Haupt- und Finanzausschuss wurde jetzt das Konzept für die Aktion vom 9. Juli bis 6. September vorgestellt. Und stieß auf Begeisterung. Nun muss nächste Woche nur noch der Stadtrat zustimmen.

Rosenheim –  Oberbürgermeister Andreas März (CSU) ist in Feierlaune. Zumindest ein bisschen. „Vor zwei Monaten hat noch niemand gewusst, ob es jemals besser wird“, sagt er. Er spricht von der Zeit, als die Corona-Krise am Höhepunkt, an Festivitäten und Veranstaltungen überhaupt nicht zu denken war.

Mittlerweile wurde der Katastrophenfall in Bayern aufgehoben und die Lage in Rosenheim hat sich sichtlich entspannt. Auch weil, wie März sagt, „alle zusammengehalten haben“. Und genau das soll jetzt gefeiert werden – allerdings unter strenger Einhaltung der Corona-Auflagen.

Maßnahme zur Belebung der Innenstadt

Geplant ist das Projekt „Sommer in Rosenheim“, eine Maßnahme zur „Belebung der Innenstadt“. Außerdem sollen dadurch die Einzelhändler, Gastronomen, Schausteller und die Kreativwirtschaft unterstützt werden – diejenigen, die die Krise am härtesten getroffen hat.

Konzept in weniger als drei Wochen erstellt

Um die Umsetzung der zahlreichen Ideen kümmert sich das Kulturamt um den Kulturreferenten Wolfgang Hauck. In weniger als drei Wochen habe er „ein enormes Konzept“ zusammengestellt, lobte März.

Los geht es am Donnerstag, 9. Juli. In der Innenstadt sollen dann jeweils donnerstags und samstags Veranstaltungen stattfinden. Geplant ist – immer donnerstags, von 18 bis 21 Uhr – eine Art „After Work“ beziehungsweise „Chill out Area“. Ab 18 Uhr soll es in der Fußgängerzone, aber im Wechsel auch am Ludwigsplatz, am Mittertor, am Max-Josefs-Platz, im Riedergarten sowie in Hinterhöfen und Privathäusern Livemusik und Cocktails geben, um „den stressigen Arbeitsalltag ausklingen zu lassen“.

Immer samstags, von 11 bis 15 Uhr und von 18 bis 21 Uhr, gibt es Straßenkünstler und Comedians, Einzelhandelsaktionen und Kunsthandwerke in der Innenstadt. Eingebunden in die Planungen sind hier unter anderem der Stadtjugendring, die Stadtbibliothek sowie „Kind und Werk“. Auftritte des Plattler-Nachwuchses, der Musikinitiative Rosenheim und des Straßentheaters sind geplant. Auch sollen wieder Filme am Salzstadl gezeigt werden. Der „lange Donnerstag“ kann, laut Stadtverwaltung, vom Einzelhandel bis 20 Uhr genutzt werden.

Strenges Hygienekonzept

Um eine zu große Ansammlung von Menschen zu vermeiden, wechselt die Bühnenperformance alle 30 Minuten. Securitymitarbeiter werden das Publikum steuern und auf das Einhalten der Abstandsregelungen achten. Werden Corona-Auflagen missachtet, wird die Darbietung unterbrochen, teilt die Stadt mit.

Stadtmöblierungsaktion „Nimm Platz“ ebenfalls Teil der Planung

Außerdem im Ausschuss vorgestellt wurde die Stadtmöblierungsaktion „Nimm Platz“, die ebenfalls Teil des „Sommers in Rosenheim“ ist. Geplant ist die Verteilung „bunter, verschiedenartigster Stühle in der Innenstadt“ – eine Einladung zum Verweilen, Entspannen und „mit Abstand Kultur genießen“. Zwischen 400 und 500 Stühle seien erforderlich. 100 Stühle würden im Vorfeld organisiert. Vorgesehen ist eine Aktion an zwei Nachmittagen, um die Stühle gemeinsam zu bemalen und „das Miteinander zu stärken“. Auch werde über Stuhl-Patenschaften mit Privatleuten und Geschäften nachgedacht, die sich „um ihren Stuhl kümmern“. Ziel von „Nimm Platz“ sei es, die Verweildauer in der Innenstadt zu verlängern.

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In den Sommerferien sollen, in Zusammenarbeit mit dem Schaustellerverband, eine ergänzende Gastronomie sowie kleine Fahrgeschäfte angeboten werden. Die Federführung hier übernimmt Max Fahrenschon. Er spricht von Kindergeschäften, einem Schießstand und verschiedenen Süßwarenständen. Fest stehe allerdings noch nichts.

Straßenkunstfestival ab dem 28. August

Ab dem 28. August soll außerdem ein Straßenkunstfestival, mit „überregional bedeutsamen und internationalen Künstlern“ entstehen. Bemalt werden könnten unter anderem das ehemalige Bürgeramt der Stadt Rosenheim, die Wand des Parkhauses P12 am Bahnhof Nord, der ehemalige Filmpalast in der Samerstraße sowie das ehemalige Volksbank Raiffeisenbank Gebäude. Als Künstler könnten unter anderem die beiden Rosenheimer Corbinian Nicolai und Julian Strohmeier oder der Berliner Künstler El Bocho in Frage kommen.

Die Kosten für das Projekt „Sommer in Rosenheim“ betragen rund 300 000 Euro. 200 000 Euro davon trägt die Landesgartenschau Rosenheim 2010 GmbH, weitere 50 000 Euro kommen von der Sparkasse. Woher die restlichen 50 000 Euro kommen, sei noch offen. Vorstellbar sei, dass das Geld aus der Kulturstiftung genommen wird. Sollte das nicht möglich sein, müsste der Veranstaltungsumfang entsprechend reduziert werden, heißt es vonseiten der Stadtverwaltung.

Projekt soll kein Ersatzprogramm sein

Schon jetzt zeigten sich die Stadträte von dem Konzept begeistert. Der Fraktionsvorsitzende der SPD, Abuzar Erdogan, sagte, es sei wichtig, „positive Signale“ zu senden. Er wünschte sich, dass das Projekt nachhaltig ist und es „nicht nur bei diesem Jahr bleibt“. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Franz Opperer, zeigte sich beeindruckt, „was in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt wurde“. Er regte an, das Programm bis zum Ende des Jahres weiterzuführen, da die Pandemie auch dann noch präsent sein werde. Auch sei es ihm wichtig, dass die kleinen Vereine in die Planungen miteinbezogen werden. Auch Daniel Artmann (CSU) lobte die Arbeit des Kulturamtes, sprach von einer „parteiübergreifenden Zusammenarbeit“.

Riesenrad im Mangfallpark?

Der Fraktionsvorsitzende der CSU, Herbert Borrmann, sagte, der „Sommer in Rosenheim“ sei ein „wichtiger Startschuss für weitere Projekte“. Man müsse schauen, was gut läuft und was nicht. Auch sei es wichtig, „eine Fernwirkung zu erzielen“ um die Leute nach Rosenheim zu locken. Er schlug vor, auf dem Festivalgelände im Mangfallpark ein Riesenrad aufzustellen. „Das Projekt bringt Flair in die Stadt“, sagte Stadträtin Sonja Gintenreiter (Grüne). Trotzdem sei es wichtig, „noch mehr an die Gastronomie zu denken“. Sie schlug vor, Parkplätze zu sperren und als Freischankfläche zu benutzen. Die Stadtverwaltung will den Vorschlag prüfen lassen.

Sonja Gintenreiter erinnerte außerdem daran, die gebeutelte Rosenheimer Nachtgastronomie in die Planungen miteinzubeziehen und nicht auf Externe zu setzen.

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