Seit einem Jahr geschlossen

Nebenbei auf dem Bau arbeiten: Die Situation der Club- und Barbetreiber im Dauer-Lockdown

Menschen feiern in einer Disco
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Tanzende Menschen in einem Club wirken wie ein Bild aus vergangener Zeit: Seit rund einem Jahr sind die Bars und Clubs nun im Corona-Lockdown. (Symbolbild)

Die Club- und Barszene leidet besonders unter dem derzeitigen Corona-Lockdown. Mangels Einnahmen und trotz Hilfen muss mancher Betreiber nun sehen, wie er auf andere Art sein Geld verdient.

Von Tim Niemeyer

Rosenheim – Eng an eng auf der Tanzfläche oder am Kneipentresen – eigentlich gewohnte Situationen, die in der aktuellen Corona-Lage aber schlicht unvorstellbar sind. Damit leidet die gesamte Branche rund um das Nachtleben – die quasi vom Körperkontakt lebt – unter dem Lockdown ganz besonders. Auch die Ahnung, dass Bars und vor allem Diskotheken wohl unter den Letzten sein werden, die nach Corona wieder öffnen dürfen, sorgt für trübe Stimmung bei den Betreibern. Es fehlt schlicht der Streif am Horizont, die Perspektive.

Seit Monaten ohne Information

Das berichtet auch Markus Wunderlich. Er betreibt die „One Bar“ in Rosenheim. Seit Monaten erhalte er keine Informationen, wann er überhaupt die Chance haben könnte, seine Lokale wieder zu öffnen. Ganze sechs Tage konnte er im vergangenen Jahr aufsperren.

Nichts anderes berichten Cristina Taxer und Peter Jung. Sie betreiben in Rosenheim Bars wie das „Hang Loose“ oder den „Drunken Monkey“: „Wir hängen in der Luft, eine Perspektive gibt es nicht.“ 

Viele Gastronomen klagen, dass die Corona-Hilfen nur langsam kommen

Wie andere Gastronomen, sind auch Bars und Diskotheken auf staatliche Hilfen angewiesen. Die Zahlungen sind zumindest ein wenig Balsam für die Wirte, wenn auch nur begrenzt: Die Hilfe komme nur langsam an, ist vielerorts zu hören. Die Gelder vom Dezember seien noch gar nicht eingegangen, die Novemberhilfen seien erst im Februar eingetroffen. Die Mittel für den Oktober hätten sich nach Monaten überhaupt erst beantragen lassen. Wenn schon kein Geld reinkomme, ist ein solches Chaos um die zugesicherten Zahlungen doppelt ärgerlich.

Thomas Ottitsch von der Rosenheimer Bar „Tatis“ sagt diesbezüglich: „Alles sollte doch schnell und unbürokratisch bei den Antragstellern ankommen. Das ging in meinen Augen gehörig schief.“

Die meisten Clubs können sich gerade so über Wasser halten

Eine zusätzliche Schwierigkeit: Es fehlen Konzepte, um anderweitig die Finanzen aufzustocken. Restaurants können beispielsweise durch einen Lieferdienst oder die Möglichkeit, Speisen abzuholen, ihr Angebot an den Mann bringen. Für die Clubszene bringen solche Möglichkeiten freilich wenig. Das Feiererlebnis lässt sich nun mal nicht via Bringdienst vermitteln. 

Die gute Nachricht vorneweg: Ein großes Sterben des Nachtlebens steht aktuell wohl nicht bevor. Auch ohne Einnahmen können sich die meisten Lokale über Wasser halten – gerade so. Die staatlichen Hilfen reichten jedoch bei Weitem nicht, um die anfallenden Kosten zu decken. Damit sind Bars und Diskotheken auf Darlehen und Hilfen der Kreditanstalt für Wiederaufbau angewiesen und das Problem aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. Diese Kredite müssen auch irgendwann wieder zurückbezahlt werden. Das bedeutet für viele Lokale nach einer möglichen Öffnung wohl erst mal: Schulden abbauen.

„Zurzeit arbeite ich nebenher auf dem Bau, um den gewaltigen finanziellen Verlust etwas aufzufangen.“

Thomas Ottitsch, Barbetreiber

Glücklicherweise haben viele Betreiber ein zweites Standbein, das zumindest ein wenig Geld abwirft. „Wenn wir nur vom Club gelebt hätten, dann wären wir vermutlich schon in Privatinsolvenz. Es ist beinahe unmöglich, diese Situation zu überstehen, wenn man nicht sonst noch andere Einnahmen hat“, sagt Opus-Betreiber Jürgen Pusch.

Markus Wunderlich betreibt neben der „One-Bar“ und dem „Eiskeller“ noch die Kaffeerösterei “Romani cum“ und mit „Celebramus“ einen Catering-Service. Dort hat er wenigstens kleinere Einnahmen, mit denen er die Komplettausfälle der Clubs auszugleichen versucht. Bei Thomas Ottitsch fällt die Tätigkeit für einen Barbetreiber eher ungewöhnlich aus: „Zurzeit arbeite ich nebenher auf dem Bau, um den gewaltigen finanziellen Verlust etwas aufzufangen.“

Sorgen um dieeigenen Mitarbeiter

Die Bar- und Clubbetreiber machen sich zudem Sorgen um ihre Mitarbeiter, denn sie sind auf ihre Jobs angewiesen. Markus Wunderlich spricht zudem eine weitere Gruppe an, die in den Zeiten der Pandemie zu kurz komme: die Minijobber. Für ihn sind sie für die Bar- und Clubszene unverzichtbar, würden allerdings nicht mit Hilfen oder Kurzarbeitergeld bedacht.

Die Lage der Clubs und Bars bleibt verzwickt. Um beizutragen, die Lokale schnellstmöglich wieder öffnen zu können, lautet die Forderung: „Registriert euch zum Impfen, lasst euch das Zeug reinjagen, holt den Impfpass, und bald läuft wieder alles!“, sagt Thomas Ottitsch vom „Tatis“.

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