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„Große Not ist oft sehr still“

Caritas-Sammlung in den Rosenheimer Kirchen soll Bedürftige finanziell unterstützen

Vier bis fünfmal am Tag, so erzählt Pfarrer Zach, klingeln Menschen an der Tür des Pfarramtes von St. Nikolaus und bitten um Hilfe.
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Vier bis fünfmal am Tag, so erzählt Pfarrer Zach, klingeln Menschen an der Tür des Pfarramtes von St. Nikolaus und bitten um Hilfe.
  • VonJohannes Thomae
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Die Caritas und die Kirche arbeiten zusammen, um Menschen in Not zu helfen. Kommenden Sonntag findet in den Kirchen eine Caritassammlung statt, um die Hilfe zu finanzieren.

Rosenheim – Armut ist in unserer Gesellschaft mit all ihren sozialen Sicherungsnetzen kein Thema mehr? Darüber kann Andreas Zach, Pfarrer der Stadtteilkirche Rosenheim-Inn nur lachen. „Es vergeht kein Tag, an dem nicht vier oder fünf Mal an der Tür des Pfarrhauses geklingelt und um Hilfe gebeten wird“, sagt er. „Und es sind beileibe nicht nur solche, die das Vorsprechen bei uns als einfachere Alternative zum Betteln auf der Straße sehen“.

Arm durch Kredit für Beerdigung

Er erzählt von einem älteren Mann, der einmal klingelte und weinend sagte, er sei am Ende, er habe keinen Cent mehr, um sich auch nur eine Semmel zum Essen kaufen zu können. Solche Fälle, sagt Pfarrer Zach, lassen sich natürlich nicht mit einem Essensgutschein erledigen, er bat den Mann herein und ließ sich seine Geschichte erzählen. Die war schnell berichtet: Die Frau des Seniors war kurze Zeit zuvor gestorben, um die Beerdigungskosten zu bezahlen, habe er einen Kredit aufgenommen. Dessen Zurückzahlung fresse seine ganze Rente auf, zum Leben bleibe ihm eigentlich nichts mehr.

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Monatliche Unterstützung durch Pfarrgemeinde

Die Nachüberprüfung ergab, dass dem in der Tat so war und dass in diesem Fall auch keine Form irgendeiner staatlichen Hilfe greifen würde. „Da hat unsere Pfarrgemeinde den Mann durch eine monatliche Unterstützung buchstäblich am Leben erhalten, zwei Jahre lang, bis er starb – kurz nachdem er den Kredit für die Beerdigung seiner Frau abbezahlt hatte“.

Froh über die finanziellen Mittel

Solche Schicksale, sagt Pfarrer Zach, gehen einem ans Herz und er ist mehr als froh, hier finanzielle Mittel zu haben, um helfen zu können. Möglich wird das durch die Caritassammlung, die am kommenden Sonntag in den Kirchen stattfindet und durch die Spendenbittbriefe, die nächste Woche an die Haushalte verteilt werden. Vierzig Prozent des dabei gesammelten Geldes verbleibt direkt in den Pfarreien, die daraus ihre unmittelbare Hilfe an der Tür finanzieren, sechzig Prozent gehen an den Caritas-Zentrum in Rosenheim.

Auch dieses Geld kommt aber am Ende der sozialen Unterstützung zugute. Hannelore Maurer, Gemeindereferentin an der Stadtteilkirche und dort Caritas-Verantwortliche erzählt von einer Frau mit einem Kleinkind, die einmal an der Tür klingelte und sagte, sie wisse nicht mehr weiter, denn sie habe kein Geld mehr, um ihr Kind vernünftig wickeln zu können. „Da haben wir sie zunächst einmal natürlich mit Windeln versorgt, dann aber versucht, dem Problem auf den Grund zu gehen. Und das lag in einem alkoholkranken Mann, der die Sozialleistungen, von denen die Familie lebte, mehr oder weniger zur Gänze in Schnaps umsetzte.“

Caritas bringt Ordnung ins Chaos

In solchen Fällen sind es dann die Kollegen von der sozialen Beratung der Caritas, die versuchen Ordnung ins Chaos zu bringen. Andere, die nicht mehr weiterkommen, hätten eigentlich Anspruch auf staatliche Unterstützung, aber wissen es nicht oder scheitern an der damit verbundenen Bürokratie. Hier helfen die Ämterlotsen der Caritas. Wieder andere stehen vor einem Schuldenberg, der sie zu erdrücken droht. Hier hilft die Schuldnerberatung. Dienste, die Zeit- und personalintensiv sind und ohne die Spenden an die Caritas nicht zu unterhalten wären, denn die staatlichen Zuschüsse, die es für diese sozialen Dienstleistungen gibt, reichen beileibe nicht aus, um sie zu finanzieren.

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„Große Not ist oft sehr still“

Eines ist Pfarrer Zach noch ganz wichtig: „Geld zur Verfügung zu haben, das allein macht es nicht“, sagt er. „Es braucht auch Menschen, die einen auf solche Notlagen hinweisen, denn große Not ist oft sehr still“. Ein Auge darauf zu haben, wie es seinen Mitmenschen ergeht, und bei Problemen nicht mit der Schulter zu zucken, sondern die Erkenntnis weiterzugeben, ist deshalb ganz wesentlich. Und er dankt in dem Zusammenhang auch ausdrücklich all den ehrenamtlichen Mitarbeitern in den Pfarreien und auch in der Caritas. Zum Beispiel den Ämterlotsen, aber auch denen in den Helferkreisen, die etwa jene Seniorinnen und Senioren besuchen, die kürzlich ihren Partner verloren haben.

Schon das Zuhören hilft manchmal

Hannelore Maurer ist Gemeindereferentin in der Stadtteilkirche Rosenheim-Inn und die Verbindungsstelle zwischen der Pfarrei und den Fachdiensten der Caritas.

„Manchmal entdeckt man auch bei solchen Besuchen echte Notlagen“, ergänzt Hannelore Maurer, „doch schon allein die Tatsache, dass hier jemand kommt, der einem für einige Zeit schlicht zuhört, kann für einen alleinstehenden Menschen etwas Licht in Dunkel bringen“. Für Pfarrer Zach ist es jedenfalls klar: Ob man bereit ist, einige wenige Euros zu spenden, oder gar, Zeit für solch ehrenamtliche Dienste aufzubringen – man kann sicher sein, damit am Ende für den einen oder anderen Mitmenschen die Welt verändert zu haben.

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